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Viele Anmeldungen, wenig RaumAn mehreren Schulen in Rhein-Sieg sind die Plätze knapp

Drei Schülerinnen laufen mit ihren Schulranzen zur Schule. Die Gesichter der Kinder sind weg von der Kamera gewandt. (Archivbild)

An welcher Schule es weitergeht, ist noch nicht für alle Kinder im Rhein-Sieg-Kreis klar. (Archivbild)

Die Schulanmeldungen im Rhein-Sieg-Kreis laufen unterschiedlich in den Kommunen. Für viele Kinder ist noch unklar, wo sie ab September zur Schule gehen werden.

Die Osterferien sind vorbei, der Blick vieler Eltern richtet sich schon langsam in Richtung Sommer und neues Schuljahr – manche Kinder und ihre Familien wissen allerdings noch nicht, wo ihre Schulausbildung weitergehen wird. Einige weiterführende Schulen im Rhein-Sieg-Kreis verzeichnen zu viele Anmeldungen für zu wenig Plätze. Teils kann man sich mit sogenannten „Mehrklassen“ behelfen, andernorts sind Wartelisten erstellt worden. Die Lage unterscheidet sich dabei von Kommune zu Kommune.

In Meckenheim sorgte der hohe Andrang an der Theodor-Heuss-Realschule allerdings für einigen Wirbel. 23 Bewerbungen mussten abgelehnt werden – davon 19 aus Meckenheim. Aus dem benachbarten Wachtberg hatten sich einige Schülerinnen und Schüler angemeldet, da es dort keine entsprechende Realschule gibt. An der Lohmarer Gesamtschule konnten zahlreiche Schülerinnen und Schüler keinen Platz bekommen; möglicherweise sollen sie nun in Siegburg aufgenommen werden. Auch die beiden Gesamtschulen in Troisdorf mussten insgesamt mehr als siebzig Ablehnungsbescheide verschicken.

Niederkassel

In Niederkassel werden im kommenden Schuljahr 403 Schülerinnen und Schüler von der Grundschule auf weiterführende Schulen wechseln. 120 von ihnen wurden nach Angaben der Stadtverwaltung von ihren Eltern für das Kopernikus-Gymnasium angemeldet, 108 für die Niederkasseler Gesamtschule und „rund 90“ für die Alfred-Delp-Realschule in Mondorf. Neun der angemeldeten Schülerinnen und Schüler kommen am Gymnasium nicht zum Zuge und bekommen einen Platz an der Gesamtschule. Die Gesamtschule wiederum musste 13 Anmeldungen abweisen, die betroffenen Mädchen und Jungen sollen „voraussichtlich“ einen Platz an der Mondorfer Realschule erhalten.

Die Aufnahme zeigt das Kopernikus-Gymnasium im Niederkasseler Schulzentrum Nord. Im Vordergrund werfen Bäume einen Schatten auf Pflastersteine.

Voraussichtlich 120 Kinder werden im kommenden Schuljahr neu an das Kopernikus-Gymnasium im Niederkasseler Schulzentrum Nord kommen.

85 Schülerinnen und Schüler wechseln nach der Grundschulzeit in Niederkassel auf eine Schule außerhalb der Stadt. Erfahrungsgemäß werden viele von ihnen am Collegium Josephinum im Bonner Norden und an der Ursulinenschule in Bornheim-Hersel angemeldet. Die Stadt hätte tatsächlich ein großes Problem, wenn die freien Träger in Bonn und Bornheim keine Schülerinnen und Schüler aus Niederkassel aufnehmen würden, räumt Stadtsprecher Markus Thüren ein. „Diese Erkenntnis ist aber nicht neu und spiegelt sich schon Jahre in den jeweiligen Schulentwicklungsplänen wider.“

Lohmar

Die Stadt Lohmar stellte eine hohe Nachfrage nach Plätzen an weiterführenden Schulen fest. Am vierzügig geführten Gymnasium Lohmar hätten die Anmeldezahlen weit über der regulären Aufnahmekapazität gelegen, teilt die Stadtverwaltung mit. Es hätten Kinder auch aus Lohmar abgelehnt werden müssen - wenn es nicht die räumlichen Möglichkeiten für das Einrichten einer zusätzlichen Einstiegsklasse gäbe. Nun wird es, abgestimmt mit der Kölner Bezirksregierung, einmalig einen fünften Zug am Gymnasium Lohmar geben. 

Der Schriftzug der Gesamtschule Lohmar steht neben einem dazugehörigen Logo auf der Wand das Schulgebäudes.

Da die Lohmarer Gesamtschule bereits sechszügig geführt wird, kann keine zusätzliche „Mehrklasse“ eingerichtet werden.

An der Lohmarer Gesamtschule gab es diese Möglichkeit nicht. Die Schule wird bereits sechszügig geführt, eine zusätzliche Einstiegsklasse geben die räumlichen Kapazitäten nicht her. Daher hätten hier Kinder mit Wohnort in Lohmar und außerhalb abgelehnt werden müssen, teilt die Stadtverwaltung mit. „Uns ist bewusst, dass Ablehnungen für betroffene Familien eine herausfordernde Situation darstellen“, teilt Schuldezernent Andreas Behncke mit. Die Stadt habe zwar keinen Einfluss auf schulische Aufnahmeentscheidungen, sei aber im Austausch mit zuständigen Stellen darum bemüht, Möglichkeiten für betroffene Kinder aus Lohmar zu finden.

Hennef

An den weiterführenden Schulen in Hennef gibt es gemäß der städtischen Pressesprecherin Mira Steffan ausreichend Plätze für die neuen Fünftklässler und Fünftklässlerinnen. „Die Anmeldezahlen bewegen sich an den weiterführenden Schulen für das kommende Schuljahr auf dem Niveau der Vorjahre“, sagt Steffan. Auch das Anmeldeverhalten sei unverändert geblieben. Erneut habe es für die Gesamtschule Hennef Meiersheide deutlich zu viele Anmeldungen gegeben. Die abgelehnten Kinder mussten „entweder auf das Gymnasium oder die Gesamtschule Hennef-West ausweichen“, berichtet Steffan. An den beiden Schulen habe es genügend Plätze gegeben.

An den Hennefer Grundschulen sind laut Steffan ausreichend Plätze für die kommenden Erstklässler und Erstklässlerinnen vorhanden.

Neunkirchen-Seelscheid

Gestiegen ist die Nachfrage nach Plätzen an der Gesamtschule. Zum kommenden Schuljahr werden 135 Schülerinnen und Schüler aufgenommen, weshalb dort jetzt fünf statt statt vier Eingangsklassen gebildet werden. Der Raumbedarf könne im vorhandenen Bestand gedeckt werden, teilt Pressesprecherin Kristina Schik mit.

Auch an den Grundschulen in der Gemeinde ist der Bedarf größer. Allerdings mussten keine zusätzlichen Eingangsklassen gebildet werden, sodass es in Neunkirchen, Seelscheid und Wolperath bei je vier bleibt, wie Schik mitteilt. 

Bad Honnef

Bei den Anmeldungen für die weiterführenden Schulen in Bad Honnef geht die Platzvergabe nach dem vorläufigen Stand nur zum Teil auf. Der Pressesprecherin Silke Florijn zufolge übersteigen die die 106 Anmeldungen am städtischen Siebengebirgsgymnasium die vier Züge der Schule. Da eine Fünfzügigkeit nicht möglich sei, habe das Gymnasium einige Schülerinnen und Schüler aus Rheinland-Pfalz ablehnen müssen. Übrige Plätze sollen per Losverfahren vergeben werden. Für die Erzbischöfliche Gesamtschule St. Josef seien der Stadtverwaltung 108 Anmeldungen mitgegeilt worden. Für die Privatschule Schloss Hagerhof gebe es keine Angaben.

An den Grundschulen sieht es wie folgt aus: Gemäß Florijn wurden 79 Kinder für die Theodor-Weinz-Schule angemeldet. Es gab 46 Anmeldungen für die St.-Martinus-Grundschule, 56 für die Montessori-Grundschule, 20 für die Löwenburgschule Rhöndorf und 50 für die Löwenburgschule Rommersdorf.

In Hinblick auf die Anmeldezahlen für OGS liegen laut Florijn 552 Anmeldungen bei einer Kapazität von 550 Plätzen vor. „Am Standort Löwenburgschule-Rommersdorf ist nach derzeitigem Stand davon auszugehen, dass eine Warteliste mit voraussichtlich 14 Kindern eröffnet werden muss“, sagt die Pressesprecherin. Für die Bis-Mittag-Betreuung lägen 88 Anmeldungen vor. Florijn: „Am Standort Theodor-Weinz-Schule müsste nach derzeitigem Stand eine Warteliste mit 10 Kindern eröffnet werden.“

Bornheim

An den weiterführenden Schulen in Bornheim sind laut dem städtischen Pressesprecher Christoph Lüttgen für das kommende Schuljahr 429 Schülerinnen und Schüler aufgenommen worden. 141 der Kinder gehen demnach an die Heinrich-Böll-Gesamtschule (HBG), 168 werden die Europaschule besuchen, und am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium finden 120 Schülerinnen und Schüler einen Platz.

Schule Bornheim Heinrich-Böll-Gesamtschule

An der Heinrich-Böll-Gesamtschule wurde für das kommende Schuljahr eine zusätzliche Klasse gebildet.

An der HBG seie eine „Mehrklasse“, sprich eine zusätzliche Klasse gebildet worden. An beiden Gesamtschulen habe man die Schülerzahl der Eingangsklassen erhöht. Lüttgen: „Zudem haben einige Schülerinnen und Schüler einen Platz in Schulen in Brühl, Wesseling, in Bonn und der Ursulinenschule in Hersel gefunden.“ Weniger als zehn Schülerinnen und Schüler hätten keinen Platz bekommen. Die Verwaltung stehe aber im Austausch mit der Bezirksregierung Köln, um sicherzustellen, dass alle Kinder mit einem Schulplatz versorgt würden.

Für die Grundschulen der Stadt Bornheim sind nach Aussage von Christoph Lüttgen insgesamt 525 Kinder angemeldet worden. „Lediglich an der Nikolaus-Grundschule in Waldorf haben 12 Kinder keinen Platz bekommen“, sagt Lüttgen. Die betroffenen Kinder hätten aber die Möglichkeit, an wohnortnahen Schulen aufgenommen zu werden.

Meckenheim

Der Meckenheimer Stadtverwaltung liegen nach Angaben der Pressesprecherin Marion Lübbehüsen noch keine Anmeldezahlen vor. Die Anmeldungen liefen über die Schulen selbst, so Lübbehüsen. 

Bei den Anmeldungen an der Meckenheimer Theodor-Heuss-Realschule traten weitreichende Probleme auf. Nach Angaben von Lübbehüsen musste die Schule ein Losverfahren anwenden, nachdem zu viele Anmeldungen eingegangen waren. „Insgesamt mussten 23 Bewerbungen danach abgelehnt werden, davon 19 aus Meckenheim“, teilt Lübbehüsen mit. 38 Anmeldungen seien aus dem benachbarten Wachtberg eingegangen. Das gesetzlich geregelte Losverfahren sieht vor, dass alle Kinder unabhängig vom Wohnort gleichbehandelt werden müssen.

Schule Meckenheim Auf dem Campus Meckenheim gibt es die Theodor-Heuss-Realschule und das Konrad Adenauer Gymnasium.

Auf dem Campus Meckenheim gibt es die Theodor-Heuss-Realschule und das Konrad Adenauer Gymnasium.

Die Stadtverwaltung Meckenheim wirft der Stadt Wachtberg vor, sich nicht hinreichend gekümmert zu haben, eine eigene Realschule zur Verfügung zu stellen. Auch eine fehlende Kommunikation wird bemängelt. Der Wachtberger Bürgermeister Swen Christian entgegnete im Gespräch mit dieser Zeitung, dass seine Gemeinde sich der Verantwortung nicht entziehe. „Bereits von 2018 bis 2020 hat die Gemeinde Wachtberg eine Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung der Hans-Dietrich-Genscher-Schule einberufen“, sagt Christian. Das Ergebnis:  Die Neugründung einer anderen Schulform sei aufgrund der rechtlichen Anforderungen nicht möglich.

Im Meckenheimer Rathaus ist man hingegen der Ansicht, dass „sich die Gemeinde Wachtberg nicht um eine entsprechende Beschulungsmöglichkeit in der eigenen Kommune gekümmert hat, obwohl der Gemeinde Wachtberg dazu Optionen seitens der Bezirksregierung erstmals bereits vor zwei Jahren aufgezeigt wurden“.

Laut Swen Christian verfügt neben Meckenheim aktuell lediglich die Stadt Bonn über ein entsprechendes Realschulangebot. Derzeit befindet sich die Stadt Meckenheim in Abstimmungsgesprächen mit der Bezirksregierung und der Landespolitik.

Swisttal

An der Gesamtschule Swisttal sind nach Auskunft der Pressesprecherin Anna Peters 134 Anmeldungen im Februar 2026 eingegangen. Davon seien 108 Kinder aufgenommen und 26 abgelehnt worden. 

Schule Swisttal Gesamtschule Swisttal in Heimerzheim

Die Gesamtschule Swisttal in Heimerzheim musste etwa jedes fünfte Kind ablehnen.

Für die Grundschulen der Gemeinde liegen zum Redaktionsschluss noch keine Angaben vor.

Rheinbach

Nach Angaben von Norbert Sauren, Leitung Stabsstelle Kommunikation für die Stadt Rheinbach, hat das städtische Gymnasium eine „sehr zufriedenstellende Anmeldesituation gemeldet“. Derzeit prüfe man, ob die Schule auf fünf Züge erweitert werden kann. Die Gesamtschule Rheinbach habe alle Plätze vergeben. Sauren zufolge liegen bei den weiterführenden Schulen keine bekannten Ablehnungen von Kindern aus Rheinbach vor. Allerdings seien Kinder aus umliegenden Kommunen wie Swisttal oder Euskirchen abgelehnt worden.

Schule Rheinbach Städtisches Gymnasium Rheinbach

Das Städtische Gymnasium Rheinbach ist sehr zufrieden mit der Anmeldesituation.

Die Anmeldung an den Rheinbacher Grundschulen wurde laut Sauren bereits im Herbst abgeschlossen. Demnach konnten die Zügigkeiten wie geplant umgesetzt werden. „Nach aktuellem Stand können alle angemeldeten Kinder an ihrer jeweiligen Wunschschule aufgenommen werden“, so Sauren. Einige Verfahren, um einen sonderpädagogischen Förderbedarf festzustellen, stünden noch aus. Die städtische Verwaltung gehe aber davon aus, dass diese bald abgeschlossen sind.

Wachtberg

„Keine Engpässe und auch nicht zu wenig. Alles perfekt“, beschreibt die städtische Pressesprecherin Anja Rüdiger die Anmeldungssituation in Wachtberg. In Zahlen ausgedrückt, haben sich an der Hans-Dietrich-Genscher-Schule (Profilierte Hauptschule) 53 Kinder angemeldet.

Für die Grundschulen teilte Rüdiger folgende Anmeldezahlen mit: Berkum (68), Niederbachem (44), Adendorf (24), Villip (34) und Pech (25).

Siegburg

„Zumindest rein rechnerisch sind alle Siegburger Schülerinnen und Schüler versorgt“, gibt Björn Langer aus der städtischen Pressestelle Auskunft. Faktisch sei die Auskunft allerdings noch mit einer geringen Ungewissheit behaftet: In einzelnen Fällen, so Langer, stünden noch die Rückmeldungen von Eltern aus, die ihre Kinder außerhalb der Kreisstadt oder auf einer privaten Ersatzschule angemeldet haben. Unter Umständen hätten sie sich auch bislang noch gar nicht um die Anmeldung gekümmert.

Noch gebe es an zwei weiterführenden Schulen in Siegburg freie Plätze, so Langer. Das Schulamt stehe bereits mit der Stadtverwaltung Lohmar im Kontakt. Nach der Versorgung der Siegburger Kinder könnten Schülerinnen und Schüler aus Lohmar möglicherweise hier aufgenommen werden. 

Troisdorf

Einen „Anmeldeüberhang“ verzeichnen auch die beiden Gesamtschulen in Troisdorf. Wie Rathaussprecher Marc Eickelmann mitteilte, mussten die Gertrud-Koch-Gesamtschule in Sieglar und die Europaschule am Bergeracker insgesam 71 Ablehnungsbescheide verschicken. Dem standen allerdings 92 freie Schulplätze an Real- und Hauptschule gegenüber, so dass allen Kindern ein Schulplatz angeboten werden konnte.

Fußgänger gehen auf einem Bürgersteig neben der Gertrud-Koch-Gesamtschule.

Die Gertrud-Koch-Gesamtschule in Sieglar musste mehre Schüler und Schülerinnen ablehnen.

Das gilt auch für Jungen und Mädchen, die im kommenden Schuljahr ein Gymnasium besuchen wollen: Das Heinrich-Böll-Gymnasium im Schulzentrum Sieglar hatte 30 mehr Anmeldungen als freie Plätze. Ein Überhang, den das Altenforst-Gymnasium ausgleichen kann. Es gebe in Troisdorf keinen Bedarf, an weiterführenden Schulen zusätzliche Züge einzurichten, erklärte Eickelmann. Für alle Troisdorfer Kinder könne ein Schulplatz angeboten werden, der ihrer Schulformempfehlung entspricht.