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WDR-LegendeDietmar Schott aus Lohmar ist im Alter von 88 Jahren gestorben

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Radio Moderator und WDR-Legende Dietmar Schott (88) ist am Montagabend gestorben.

Radio Moderator und WDR-Legende Dietmar Schott (88) ist am Montagabend gestorben. 

WDR-Reporterlegende erholte sich von einem Sturz im September 2025  nicht mehr und ist am Montagabend (11. Mai) in Linz gestorben.

Noch vor gut zwei Jahren saß Dietmar Schott in seinem Fachwerkhaus in Lohmar-Höhnchen mit seinem Hund Friso auf dem Schoß und zeigte stolz seine Mitgliedschaftskarte beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV. Jetzt ist der langjährige WDR-Sportreporter am Montagabend im Alter von 88 Jahren in Linz im Krankenhaus gestorben. 

Über 70 Jahre Mitglied beim Hamburger SV

Nach einem Sturz im September hatte er massive gesundheitliche Probleme. Nach langen Aufenthalten in verschiedenen Krankenhäuser lebte er seit Dezember vergangenen Jahres in einem Pflegeheim in Aegidiengberg. Außerdem musste er im vergangenen Herbst den Tod seines geliebten Cockerspaniels verarbeiten, der im Alter von 14 Jahren eingeschläfert werden musste. Jetzt sei er froh, bei seinen Hunden und Pferden zu sein, berichtete eine Betreuerin im vergangenen Jahr. 

Die Stimme Dietmar Schotts ist vielen Fußballfans bekannt aus unzähligen Bundesliga-Radiokonferenzen am Samstagnachmittag. 41 Jahre lang arbeitete er beim WDR und wurde bundesweit als Hörfunk-Journalist bekannt. Seine samstägliche Radiosendung „Sport und Musik“ begleitete Millionen Fans. 

Nachfolger Sven Pistor eingearbeitet

Er moderierte mehr als 2000 Sendungen und war Nachfolger des legendären Kurt Brumme. 2004 übergab er den Staffelstab an Sabine Töpperwien. Sven Pistor, der die heutige Bundesliga-Konferenz am Samstagnachmittag moderiert, arbeitete er noch bei den Bundesliga-Sendungen ein.

Bei den Basketballern des ASV Köln war er in den 80er Jahren die rechte Hand von Mäzen Fritz Waffenschmidt. Gemeinsam feierten sie drei Pokalsiege und vier Deutsche Meisterschaften. In Wahlscheid moderierte er 25-mal das Schörreskarrenrennen auf der Kirmes und sorgte dafür, dass zahlreiche Prominente daran teilnahmen. 

Der Grund für den Besuch vor zwei Jahren auf dem Gestüt Höhnchen war Schotts 70-jährige Mitgliedschaft beim Hamburger SV, die er im März 2024 im Auler Hof mit zahlreichen Weggefährten groß feierte.

Erstes Spiel war gegen FC St. Pauli

Besonders gefreute haben wird ihn die Tatsache, dass sein Hamburger SV im vergangenen Jahr nach einer siebenjährigen Leidenszeit in der 2. Liga den Sprung zurück in die Beletage des deutschen Fußball geschafft hat.   

Schott berichtete damals im Detail, wie er dazu gekommen war, so lange Mitglied beim HSV zu sein. Sein erste Spiel seines Lieblingsvereins sah er am 5. September 1953 als damals 16-jähriger Schüler. Das Ticket für das Derby gegen den FC St. Pauli habe 55 Pfennig gekostet.   

„Der Hamburger SV war haushoher Favorit, aber St. Pauli gewann das Spiel mit 2:0“, berichtete Schott damals.  Trotz der Niederlage schlug fortan sein Herz für den HSV, und ein halbes Jahr später entschied er sich für eine Mitgliedschaft, die seit dem 17. März 1954 besteht. 2024 wurde er auf der Jahreshauptversammlung zum Ehrenmitglied ernannt und erhielt die goldene Ehrennadel.

Als Sportler und Reporter war Fußball eigentlich gar nicht sein Steckenpferd. „Ich habe nur zwei Fußball-Reportagen in meiner langen Berufslaufbahn gemacht. Das war Viktoria Köln gegen RW Essen und Gladbach gegen Nürnberg“, berichtete damals der Spezialist für Basketball und Pferdesport. Selbst sei er in der Jugend ein ordentlicher Sprinter und Kugelstoßer gewesen. Mit dem ASV Köln spielte der 1,92 Meter große Schlaks in den 1960er Jahren immerhin in der 2. Liga. Beim Fußball in einer Prominentenmannschaft habe er sich mal im Köln-Pesch das Schien- und Wadenbein gebrochen, erinnerte sich Dietmar Schott.

Moderator bei elf Olympischen Spielen

Im Sport hat er neben den vielen Spielen mit dem Hamburger SV wohl alles erlebt, was möglich ist. Er war bei elf Olympischen Spielen von Sapporo 1972 über München bis Barcelona 1992. Viermal moderierte er bei Fußball-Weltmeisterschaften, 32-mal beim legendären Trabrennen Prix d’Amérique in Frankreich.

Sein letzter Hund Friso war sein mittlerweile sechster Cockerspaniel und wie alle seine Vorgänger stets sein Wegbegleiter. Früher waren es allerdings die Pferde. Nachdem er 1974 aus einem alten Bauernhof das Gestüt Höhnchen in Lohmar aufgebaut hatte, züchtete er mit seiner Frau Beate zahlreiche erfolgreiche Pferde. Beate Schott starb 2015 nach 47 Ehejahren. „Wir hatten hier bis zu 15 Boxen und haben 352 Sieger großgezogen“, erinnert er sich. Und als Amateur saß er sogar selbst im  Sulky und holte 14 Siege.

Nun trauern seine vielen Freunde und Weggefährten um ihn. Um einen wahren Sportsmann, der immer ein freundliches Grinsen auf den Lippen hatte und trotz des Jobs auch ein hervorragender Zuhörer war.