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„Sperrzeit effizient nutzen“Verbände fordern direkten Neubau der gesamten Bonner Nordbrücke

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Ein Teil der linksrheinischen Vorlandbrücke ist bereits abgerissen worden. Bis Ende des Jahres soll die Vorlandbrücke komplett abgerissen sein, um mit dem Ersatzneubau beginnen zu können.

Ein Teil der linksrheinischen Vorlandbrücke ist bereits abgerissen worden. Bis Ende des Jahres soll die Vorlandbrücke komplett abgerissen sein, um mit dem Ersatzneubau beginnen zu können.

Verbände aus der Region Bonn/Rhein-Sieg appellieren an den Bundesverkehrsminister kurz vor seinem Besuch an der Bonner Nordbrücke.

Verbände in Bonn und der Region wenden sich mit einem dringenden Appell an das Bundesverkehrsministerium. Am Donnerstag, 17. September, ist Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, für einen Besuch an der Nordbrücke in Bonn angekündigt, um über den aktuellen Stand der Bauarbeiten zu informieren. Die betroffenen Verbände fordern eine „koordinierte und moderne Verkehrspolitik“. Im Fokus steht der Vorschlag eines Ersatzneubaus statt breiterem Neubau der Brücke.

Schon in einem gemeinsamen Schreiben des ADFC Bonn/Rhein-Sieg, der VCD Bonn-Rhein-Sieg-Ahr, des BUND Rhein-Sieg und der Bürgerinitiative „Wir für 4“ von Ende August traten die Verbände mit ihrer Bitte an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger heran und erinnern jetzt an die Forderungen. 

Verbände fordern Ersatzneubau der Strombrücke während des Neubaus der Vorlandbrücke

Wichtig ist den Initiatoren vor allem, dass beim Neubau der Nordbrücke auf einen direkten Ersatzbau gesetzt werden solle, also die bestehende Nordbrücke eins zu eins durch einen Neubau zu ersetzen – „und zwar parallel zum laufenden Neubau der Vorlandbrücke.“ Dabei sollte wie bisher die Auffahrt in Richtung Beuel erhalten bleiben. Voraussichtlich könne bei einem echten Ersatzneubau dann ein Planfeststellungsverfahren entfallen.

„Ziel ist es, die aktuelle, durch den Bau der Vorlandbrücke bedingte, etwa zweijährige Sperrzeit der Brücke bereits zeitlich effizient für den Neubau an der Rheinbrücke selbst mit zu nutzen,“ heißt es in der Mitteilung der Verbände. Dadurch könne die Gesamtsperrzeit der Nordbrücke deutlich verkürzt werden. „Dieses zentrale Anliegen sollte im Sinne aller Verkehrsteilnehmenden in der Region sein.“

Der jetzt bereits ohne öffentliches Planverfahren veranlasste Ersatzneubau der linksrheinischen Vorlandbrücke solle zudem nicht um 70 Prozent verkleinert erfolgen. Der Vorgriff mit einer reduzierten Breite der Vorlandbrücke auf eine noch lange nicht planfestgestellte Planung des Brückennaubaus der Gesamtbrücke führe in eine absehbare Konfliktlage, hieß es schon im Schreiben von Ende August. „Die rechtliche Legitimation für den aktuellen Bau auf offenbar nur 70 Prozent der Breite des Bestandsbaus bleibt uns bis heute im Dunkeln“, so die Unterzeichner. 

Laut aktueller Ausschreibung soll die Vorlandbrücke schmaler gebaut werden als sie jetzt ist, um erst zu einem späteren Zeitpunkt die restlichen Fahrspuren zu ergänzen. Das führt aber dazu, dass die Auffahrt in Bonn-Castell in Richtung Beuel nicht mehr zur Verfügung steht, lediglich in die Gegenrichtung wird es dann eine Auffahrt geben. Die fehlende Auffahrt solle erst später wieder hergestellt werden, vermutlich wenn die gesamte Brücke erneuert wird, hatte die Autobahn GmbH erklärt. Das deutet daraufhin, dass die Auffahrt bis in die späten 2030er Jahre fehlen könnte – das rief unter Betroffenen massive Kritik hervor. 

Straßenplanungen sollten laut der Verbände zeitgemäß sein

Die Unterzeichner bitten die Verantwortlichen also darum, die bisherige Planung noch einmal zu überdenken. Die aktuelle, im laufenden Planfeststellungsverfahren geplante Variante mit einem Neubau zweier paralleler Rheinbrücken, verbunden mit dem Abriss von circa 90 Wohnungen und extrem hohen Kosten erscheine langwierig und nicht zeitgemäß, erklären die Verbände.

Sie regen daher einen Runden Tisch an, „der die verschiedenen Planinteressen auch unter Mitwirkung der lokalen Verkehrs- und Umweltinitiativen abstimmt und koordiniert sowie langfristig harmonisiert.“ 

„Dass Bonn und sein Umland sich als Fahrradregion mit einem ausgeprägten ÖPNV bestens eignet und dadurch gerade der individuelle Personenkraftverkehr langfristig deutlich gemindert werden kann, ist unstrittig“, so die Mitteilung der Verbände. „Darauf sollten Straßenplanungen durch entsprechende Zurückhaltung Bezug nehmen, ein einfacher Ersatzbau der Nordbrücke eins zu eins reicht daher zur Bewältigung zukünftiger Kfz-Verkehre aus.

Ursprüngliche Entscheidung zur Verbreiterung der Brücke stammt aus 2016

Hintergrund der Forderung ist, dass offiziell nach wie vor geplant ist, die Nordbrücke zu verbreitern, anstatt sie so neu zu bauen, wie sie jetzt besteht. Die Brücke soll von aktuell rund 30 Metern auf insgesamt 60 Meter verbreitert werden, um Platz für mehr Fahrspuren und Verkehr zu haben. Es gibt laut Autobahn GmbH einen „gesetzlichen Planungsauftrag für den Ersatzneubau mit sechs Fahrstreifen“.

Der ursprüngliche Auftrag, die Brücke auf sechs Fahrspuren zu verbreitern, stammt aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030, der 2016 beschlossen wurde. Daran müsse sich die Autobahn GmbH halten, hatte das Unternehmen mehrfach mitgeteilt, nachdem in Ausschüssen im Rhein-Sieg-Kreis und vonseiten der betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner gefragt wurde, ob der ursprüngliche Plan nicht noch geändert werden könne. 

Auch andere Kritiker der Planungen für eine verbreiterte Nordbrücke weisen darauf hin, dass eine rund 20 Jahre alte Entscheidung noch einmal auf Aktualität und Notwendigkeit überprüft werden müsse. Vom Bundesverkehrsministerium hieß es zuletzt im Juni, dass noch einmal entschieden werde, ob die gesamte Nordbrücke tatsächlich verbreitert wird oder nicht. Ob diese Entscheidung bereits endgültig getroffen ist, ist nicht bekannt.