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Neubau ab 2027Wirtschaft in Bonn und Rhein-Sieg fordert Tempo bei Nordbrücken-Krise

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Die Abrissarbeiten an der Vorlandbrücke sollen bis November beendet sein. Noch in diesem Jahr soll der Auftrag für den Neubau vergeben werden.

Die Abrissarbeiten an der Vorlandbrücke sollen bis November beendet sein. Noch in diesem Jahr soll der Auftrag für den Neubau vergeben werden.

IHK und Sparkasse Köln Bonn hatten zum Wirtschaftstalk spezial eingeladen.

Wie riesige Insekten fressen sich schwere Bagger mit ihren Greifarmen durch Stahl und Beton der linksrheinischen Vorlandbrücke der Nordbrücke; Luftbilder, die im Internet zu sehen sind, zeigen, wie seit dem 7. August jeden Tag ein Stück mehr der 600 Meter langen Straße in spezielle Betten aus Sand fällt. Bis Mitte November soll der Zubringer zu der Rheinquerung abgerissen sein, Anfang des kommenden Jahres soll der Neubau beginnen.

Das Ziel ist ehrgeizig und hat höchste Priorität bei der Bauherrin, der Autobahn GmbH. Deren technischer Geschäftsführer Dirk Brandenburger sagte jetzt bei einer Veranstaltung von Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Sparkasse Köln Bonn („Wirtschaftstalk spezial“) im Kammermusiksaal des Beethovenhauses, das Vergabeverfahren solle so schnell durchgezogen werden, dass der Wiederaufbau der Vorlandbrücke noch 2026 vergeben und in zwei Jahren fertig sei. „Normalerweise dauert das dreieinhalb bis vier Jahre“.

Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH

Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH

Die Entscheidung, die Nordbrücke komplett zu sperren, sei richtig gewesen, erklärte Brandenburger, der kurz vor der Veranstaltung noch auf der Baustelle war. Dort sah der Fachmann, wie gravierend die Schäden gewesen waren, welche die Autobahn GmbH veranlasst hatten, am 3. Juni ab 15 Uhr dieses Teilstück der A 565 komplett dichtzumachen. Damals habe er morgens eine gutachterliche Bewertung über den Zustand der Rheinquerung auf den Schreibtisch bekommen, die Expertise gelesen und dann Michael Puschel, Leiter der Abteilung Bundesfernstraßen im Bundesverkehrsministerium, angerufen: „Wir laufen in ein großes katastrophales Problem in Bonn rein“, berichtete Brandenburger dem Ministerialdirektor.

Autos im Stau auf einer Brücke.

Der tägliche Stauf der Kennedybrücke ist eine Folge der Brückensperrung.

Das war das Stichwort für einen Diskussionsbeitrag von IHK-Präsident Stefan Hagen, dem die Formulierung „katastrophal“ noch „zu höflich“ war. Hagen schilderte aus Sicht des Wirtschaftsvertreters, was in der Region seit der Brückensperrung nicht mehr funktioniere: Großbäckereien könnten ihre Waren nicht über den Rhein transportieren, Haribo bekomme seine Süßigkeiten vom Standort Kessenich nicht mehr außer Haus, weil die Lkw tagsüber im Stau stünden und nach 22 Uhr aus Lärmschutzgründen nicht durch den Ort fahren dürften.

IHK und Kreishandwerkerschaft hörten „jeden Tag Hiobsbotschaften“. Thomas Radermacher, Schreinermeister aus Meckenheim und Präsident der Handwerkskammer zu Köln, bezifferte den wirtschaftlichen Schaden, der einem Zehn-Mann-Sanitärbetrieb durch die Nordbrückenkrise entstehe, auf 100.000 Euro im Jahr. Hagen steuerte die Summe von 1,2 Millionen Euro bei, mit der ein Mittelständler wegen der Straßensperrung rechnen müsse: „Am Ende des Tages zahlt das der Bürger“.

Ein Mann mit weißen Haaren und Bart, er trägt eine schwarze Brille.

Katastrophal sei noch zu höflich, sagte IHK-Präsident Stefan Hagen.

Handwerkspräsident Radermacher sorgte sich, dass die DAX-Unternehmen Bonn verlassen könnten, wenn die Verkehrsbelastung länger dauere. Er forderte „Tempo, Tempo, Tempo“. Ähnlich äußerte sich unlängst die Arbeitgeber-Taskforce Verkehr – ins Leben gerufen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).  Bei der Lösung von Verkehrsproblemen müsse es mehr Schnelligkeit und Pragmatismus geben. Nach einem Treffen teilte Bafin-Chef Mark Branson mit: „Wir Arbeitgeber sind besorgt. Wir müssen die Mobilitätskrise und vor allem die frustrierte Stimmung bei unseren Mitarbeitenden und innerhalb der Bevölkerung ernst nehmen.“

Dem Gesprächsforum gehören unter anderem die Deutsche Telekom, die DHL Group, die Uni und die Uniklinik Bonn sowie die IHK an. Sie vertreten rund 50.000 Beschäftigte. Autobahn-Fachmann Brandenburger und Abteilungsleiter Puschel sicherten Tempo zu. Puschel: „Wir wollen vor die Welle kommen.“ Brandenburger: „Wir machen der Bauindustrie Stress“, Innovationen, die den Neubau beschleunigten, seien ausdrücklich erwünscht.

Die Stadt Bonnn tue das Ihre, um die Probleme zu bewältigen, sagte Oberbürgermeister Guido Déus (CDU), sie stoße aber auch auf Widerstände, mit denen sie nicht gerechnet habe. So könne die Fahrbahn auf der Kennedybrücke statt ab dem 20. September erst nach den Herbstferien umgebaut werden, weil sich auf die Ausschreibung der Verwaltung nur eine Firma gemeldet habe, welche die Bordsteine links und rechts der Bahngleise beseitigen wolle – und das zu einem Preis, der viermal über den Schätzkosten gelegen habe.

Folge: Der Abriss der Bordsteinanlagen, die wegmüssen, damit Busse zur Verkehrsbeschleunigung auf der in der Mitte der Brücke liegenden Bahntrasse fahren können, kann nach erneuter Ausschreibung erst ab Anfang November beginnen. Der OB: „Wir sind seit drei Monaten in einem Reallabor“.