Die andauernde Verzögerung bei der Wiederinbetriebnahme der Bonner Stadtbahnen stößt auf scharfe Kritik in der Kreispolitik.
„Nur noch blamabel“Politik in Rhein-Sieg kritisiert SWB wegen Stadtbahn-Krise scharf

Seit dem 2. September fahren Ersatzbusse mit der Bezeichnung BE 67 für die Stadtbahnlinie 66 zwischen Siegburg und Vilich.
Copyright: Anica Tischler
Die Politik im Rhein-Sieg-Kreis kritisiert deutlich die immer wieder auftretenden Verzögerungen bei der Wiederinbetriebnahme der fehlenden 60 Bonner Stadtbahnen, die im Bonner Stadtgebiet und im Umkreis unterwegs sind.
Vor dem Wochenende hatten die Bonner Stadtwerke das erste der außer Betrieb gesetzten Fahrzeuge wieder freigegeben, eine Freigabe für ein weiteres Fahrzeug war in Arbeit. Schon am Montag musste die freigegebene Bahn aber wieder von der Schiene genommen werden, weil weitere Prüfungen erforderlich sind. Kurzfristig wurden deshalb alle weiteren Freigaben für die restlichen Bahnen ausgesetzt, teilten die Stadtwerke mit. Das hat massive Folgen für den Pendel- und Schulverkehr zum Ende der Ferien und Fahrgäste müssen sich auf viel Bahnersatzverkehr einrichten.
Das muss irgendwann auch personelle Konsequenzen für die Verantwortlichen nach sich ziehen.
„Man kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus“, kommentiert Michael Richter, SPD-Kreisfraktionsgeschäftsführer in Rhein-Sieg, die erneuten Probleme bei den Stadtwerken. Am Freitag sei die Freigabe als Meilenstein verkündet worden, am Montag sei das Fahrzeug schon wieder außer Betrieb. Natürlich müsse Sicherheit Vorrang haben. „Für Pendlerinnen und Pendler ist die Situation aber nur noch ein nicht enden wollender Albtraum“, so Richter. Dass Bad Honnef, Königswinter, Sankt Augustin und Siegburg seit Mittwoch vom Stadtbahnverkehr abgeschnitten seien und die Öffentlichkeit davon erst am Vorabend erfahre, „ist schlicht nicht hinnehmbar“.
„Erneut haben sich die Ankündigungen der Stadtwerke als nicht belastbar erwiesen. Das muss irgendwann auch personelle Konsequenzen für die Verantwortlichen nach sich ziehen“, betont Michael Richter.
Auch die Grünen im Rhein-Sieg-Kreis richten scharfe Worte an die Stadtwerke: „Es wird mehr und mehr deutlich, dass die Managementebene aktuell überfordert ist und dringend Unterstützung benötigt und die Bonner Stadtspitze stattdessen schweigt“, so die Grünen in einer Mitteilung.
Mangelhafter Ersatzverkehr ist keine Alternative für die Nachferienzeit
„Was den Fahrgästen von der SWB zugemutet wird, habe ich Dienstagmorgen um 8 Uhr in der Linie 66 nach Siegburg selber erlebt“, sagt Ingo Steiner, Fraktionsvorsitzender und Planungs- und Verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Kreistagsfraktion. „Auch am Montag im Versuch im strömenden Regen in einen SEV-Bus am Olof-Palme-Platz zu kommen, war ein Erlebnis. 20 Minuten warten, ein vollbesetzter Solo-Bus kommt und 30 Personen wollen noch rein.“
Das Ganze werde sich jetzt weiterziehen. „Was wurde eigentlich in den sechs Wochen Sommerfereien konkret unternommen, um die zeitnahe Wiederinbetriebnahme aller Stadtbahnen zu erreichen“, fragt Rolf Beu, Grünen-Ratsmitglied in Bonn. „Es wird dringend zu klären sein, wie es zu der mangelhaften Kommunikation vor allem gegenüber den Fahrgästen und zum Fehlen eines mit ausreichendem Vorlauf vermittelten akzeptablen Ersatzangebots kommen konnte.“
Politik kritisiert kurzfristige Kommunikation der Stadtwerke Bonn
Es müsse schnellstens daran gearbeitet werden, dass die Fahrgäste in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis wieder alle Stadtbahnen für ihre Wegstrecken nutzen können. Ein mangelhafter Ersatzverkehr ohne ausreichende Fahrgastinformationen dürfe keine Alternative über Wochen in der Nachferienzeit bleiben.
Die mangelnde und zu kurzfristige Kommunikation kritisiert auch Otis Henkel, SPD-Kreistagsmitglied aus Wachtberg. Es müssten wenigstens die digitalen Fahrgastinformationen zuverlässig sein, wenn schon keine Stadtbahnen führen. „Doch selbst Ausfälle und Ersatzverkehre werden in den Apps teilweise nicht korrekt angezeigt“, so Henkel. „Das ist das absolute Minimum, das funktionieren muss.“
Im gesamten rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis fahre seit Mittwoch keine einzige Stadtbahn mehr, so die SPD. Dass es dazu gekommen sei und die Information erneut so kurzfristig erfolgt sei, sei „nur noch blamabel“.
Gerade in Anbetracht der gesperrten Nordbrücke müsse den Stadtwerken Bonn bewusst sein, dass der ÖPNV gerade die wichtiste Methode sei, um über den Rhein zu kommen, sagt Björn Franken, Kreistagsfraktionsvorsitzender der CDU Rhein-Sieg, auf Anfrage der Redaktion. „Es muss eigentlich selbstverständlich sein, dass solche Fehler nicht passieren. Die Stadtwerke Bonn haben hier gerade eine besondere Verantwortung, der sie im Moment nicht gerecht werden.“
Ersatzverkehr
Aufgrund der erneut zurückgerufenen Stadtbahn und dem Aussetzen weiterer Freigaben, kommt es zu einigen Einschränkungen im ÖPNV in Bonn und Umgebung: Die Linie 66 fährt derzeit nur noch zwischen Bonn Hauptbahnhof und Vilich. Von dort pendelt der Bahnersatzbus BE 67 nach Siegburg und zurück. Zwischen Bonn Hauptbahnhof und Ramersdorf fahren die Busse BE 68. Nach Königswinter und Bad Honnef sollen Fahrgäste den Ersatzverkehr BE 66 ab Bonn Hauptbahnhof nutzen, nach Oberkassel die Linie 62. Die Linien 63, 67, und 68 werden bis auf weiteres nicht bedient. (at)
