Abo

Aufnahme von VerkehrsunfällenIm Rhein-Sieg-Kreis gibt es kein eigenes Team mehr

3 min
Verkehrunfallaufnahme

Nach schweren Unfällen kam bislang das VU-Team des Kreises zum Einsatz. Jetzt werden 17 VU-Teams landesweit arbeiten.

Rhein-Sieg-Kreis – Seit April 2008 hat das Team zur Verkehrsunfallaufnahme (VU-Team) der Kreispolizei bei schweren Unfällen mit Toten und Verletzten auf den Straßen an Rhein und Sieg Spuren gesichert und Hergänge von Zusammenstößen rekonstruiert. Die Beamten haben Sachbeweise festgehalten und Akten bearbeitet, um dem Gericht harte Fakten zu präsentieren. Denn nicht nur körperliche und seelische Schäden eines solchen Ereignisses bleiben lange wirksam, manchmal ein ganzes Leben. Auch finanziell kann das weitreichende Konsequenzen haben. Und kleine Fehler oder Versäumnisse bei der Unfallaufnahme können bei einem Rechtsstreit fatale Folgen haben.

Am 1. September 2022 ist Schluss damit. Das VU-Team Rhein-Sieg ist dann Geschichte, obwohl die vier Mitarbeiter auf dem neuesten Stand sind, ihre Ausrüstung modern ist, sie gar Standards auf Landesebene gesetzt haben. Ihre Expertise allerdings geht nicht verloren. Ihr Wissen werden sie im Verkehrskommissariat weiter einbringen bei der Bearbeitung von Unfällen und der Ursachenforschung.

17 Teams decken ganz NRW ab

Ab diesem Zeitpunkt nämlich werden 17 Teams auf die Straßen des Landes gebracht. „Hintergrund ist, in Nordrhein-Westfalen eine flächendeckende, gleiche Qualität bei der Aufnahme schwerster Unfälle aufzubauen“, erklärt Rainer Müller, Leiter der Direktion Verkehr in Siegburg, in einem Gespräch mit dieser Zeitung. „24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, egal ob in Höxter oder Siegburg.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Bislang gab es das in dieser Form nämlich nicht überall. Dafür hat das Land qualitative und regionale Berechnungen angestellt. Aus den vergangenen Jahren wurden die Zahlen analysiert, wie viele dieser schwersten Unfälle es wo gegeben hat. Gemeint sind solche mit lebensgefährlich Verletzten, Toten, mit Unfallflucht und nach Autorennen. Außerdem gab es eine Betrachtung der Verteilung mit Wege- und Zeitberechnungen.

Daraus ergab sich eine Matrix, wo am sinnvollsten VU-Teams angesiedelt werden sollen. Die werden in kommenden Monaten aufgebaut, wo es sie noch nicht gibt. Einige bestehende Gruppen dagegen werden aufgelöst, wie das im Kreis. Die Siegburger haben bei dieser Vergabe keinen Zuschlag erhalten.

Künftig reist ein Team aus Köln oder Oberberg an

Einen Nachteil sieht Müller darin aber nicht. Künftig wird die Arbeit von Köln oder Oberberg aus erledigt, sind die schon im Einsatz, kommen die Spezialisten aus Aachen oder Euskirchen. „Die neuen Teams bekommen eine völlig aktualisierte Ausstattung und Logistik“, ist er sicher. Die Qualität der Unfallaufnahmen werde vereinheitlicht. „Wir können die bestellen, die nehmen uns Arbeit ab“, versichert der Direktionsleiter.

3D-Scanner

Über einen 3D-Scanner verfügt das VU-Team des Rhein-Sieg-Kreises.

Die vier Experten aus dem Kreis bekommen fortan die Ergebnisse angeliefert, werten sie aus und bearbeiten sie weiter. „Wir verschlechtern uns nicht, die Kollegen auch nicht“, betont Müller. Die haben übrigens fast 1900 Unfälle in den vergangenen 13 Jahren aufgenommen und mehr als 3700 Einsätze rund um Unfallanalysen erledigt. Sie haben eine Drohne angeschafft, Lackspuren unter dem Mikroskop verglichen und mit dem 3D-Scanner gearbeitet. Noch ein Jahr, dann ist Schluss damit.