Die Diakonie berät Frauen, bei Kinderwunsch oder Schwangerschaftsabbruch. Eine Ausstellung befasst sich mit verschiedenen Seiten von Mutterschaft.
Zwischen Recht, Ethik und SchicksalenRund um die Schwangerschaft – Warum der Druck auf Frauen steigt

Die Künstlerin Dolors Planiol (Ausstellung „On Motherhood“) und Ruth Kippelt, Leiterin der Diakonie an Rhein und Sieg.
Copyright: Lilian von Storch
Seit 50 Jahren berät die Diakonie An Sieg und Rhein rund um das Thema Schwangerschaft. Frauen, die schwanger werden möchten, Frauen, die schwanger sind und sich um die Finanzierung sorgen, Frauen, die eine Schwangerschaft abbrechen möchten. Das Jubiläum sei keine Selbstverständlichkeit, sagt Ruth Kippelt, Leiterin des Fachbereichs Beratungsdienste der Diakonie; im Rahmen rechtlicher und gesellschaftlicher Veränderungen musste sich die Beratungsstelle immer wieder neu erfinden und behaupten.
Ausstellung zeigt Erfahrungen rund um Mutterschaft
„Für uns ist es wichtig, dass wir alle Frauen in ihrer Selbstbestimmung ernstnehmen und unterstützen. Wir arbeiten immer mit den Frauen und nicht gegen sie“, so Ruth Kippelt. Daher passe die Ausstellung „On Motherhood“ der Künstlerin Dolors Planiol so gut zum Alass der Jubiläumsfeier. Noch bis Mittwoch, 30. September, wird sie im Siegburger AOK-Haus an der Theodor-Heuss-Straße zu sehen sein.
Dolors Planiol hat zwanzig verschiedene Frauen zu ihren Erfahrungen mit Mutterschaft interviewt und fotografiert. „Dabei war es mir wichtig, nicht nur mit Frauen mit Kindern zu sprechen – denn wir Frauen werden immer bewertet, egal, ob wir Kinder wollen oder nicht. Daher wollte ich zeigen, was diese Kommentare auslösen. Und dass wir alle Frauen mit ihren Entscheidungen respektieren sollten.“

Die Ausstellung „On Motherhood“ von Dolors Planiol zeigt Lebensrealitäten verschiedener Frauen.
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Die Geschichten der Frauen können absichtlich nicht ihren Fotos zugeordnet werden, erklärt Dolors Planiol: „Wenn wir eine Person sehen, die anders aussieht als wir, identifizieren wir uns vielleicht weniger mit ihrer Geschichte. Aber die Geschichten der Frauen sind universell.“
Wir Frauen werden immer bewertet, egal, ob wir Kinder wollen oder nicht.
In der Schwangerenberatung und Schwangerschaftskonfliktberatung der Diakonie An Sieg und Rhein arbeiten insgesamt fünf Beraterinnen und zwei Verwaltungskräfte. 2025 hat das Team insgesamt um die 850 Personen beraten, die je nach Anliegen auch mehrfach in die Beratungen kommen, so Ruth Kippelt. Rund um die Schwangerschaft und bis zum dritten Lebensjahr des Kindes finden sie Unterstützung. Die Nachfrage sei hoch, das Team könne dem momentan aber gut nachkommen, so Kippelt. Pflichtberatungen für einen Schwangerschaftabbruch biete das Team innerhalb von 24 Stunden an, „das machen wir immer irgendwie möglich, weil wir wissen, dass viele Frauen sehr unter Druck stehen.“

Die Bilder der Frauen sollen absichtlich nicht ihren Geschichten zugeordnet werden.
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Generell arbeitet die Diakonie mit Terminen, „aber auch Frauen, die akut in Panik sind oder denen etwas passiert ist, finden natürlich ihren Platz bei uns.“ Beratungen sind telefonisch, online oder persönlich möglich. Auch Paarberatungen bietet die Diakonie an. Zusätzlich organisiert das Team Online-Informationsveranstaltungen. Beratungsstellen gibt es neben Siegburg auch in Lohmar, Bad Honnef und Bonn-Beuel.
In den Beratungen beobachte sie einerseits, dass Frauen zunehmend selbstbestimmter leben können, so Ruth Kippelt; auf der anderen Seite laste auch heute ein immenser Druck auf Frauen. „Frauen sind immer diejenigen, die alles können und tun müssen. Die Care-Arbeit liegt bei den Frauen, Frauen sind die, die nach Geburt eines Kindes in Elternzeit oder Teilzeit gehen, sie sollen Karriere machen, aber auch für ihre Kinder da sein und eine schicke Wohnung haben.“

Die Ausstellung ist noch bis Ende September zu sehen.
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Auch die Diakonie selbst sei vor allem im Rahmen der Schwangerschaftskonfliktberatung immer wieder unter Druck geraten. „Immer wieder stehen wir politisch und ethisch unter Beschuss“, so Kippelt. Vor wenigen Wochen erst brachte die AfD-Fraktion im Bundestag einen Antrag ein, der fordert, den Träger Pro Familia von der Schwangerschaftskonfliktberatung auszuschließen und ihm die staatliche Förderung zu entziehen. Das zeige, dass das heute gefeierte Beratungssystem keinesfalls selbstverständlich ist, unterstreicht Kippelt. „Unsere Arbeit war nie unpolitisch, und sie ist es bis heute nicht. Sie steht im Schnittpunkt von Recht, Ethik und ganz konkreten menschlichen Schicksalen – und genau deshalb ist sie so anspruchsvoll und so notwendig zugleich.“
Diakonie beobachtet: Familien geraten immer mehr unter finanziellen Druck
Auch Herausforderungen im Zusammenhang mit Flucht und Migration, soziale Problemlagen, Wohnungsnot und finanzielle Not seien Themen, die immer öfter im Rahmen der Schwangerschaftsberatung aufkommen, so Ruth Kippelt. „Dazu natürlich Themen, die vor allem Frauen betreffen, wie Trennungsprobleme, häusliche Gewalt.“ Die Schwangerschaftsberatung pflege ein gigantisches Netzwerk: „Das zeigt, wie viele Institutionen und Menschen es braucht, um die Menschen bestmöglich unterstützen zu können.“
Finanzielle Probleme und Wohnungsnot habe es zwar bei Familien schon immer gegeben, aber ihrem Eindruck nach verschärfe sich dieser Druck, so Kippelt. „Zu uns kommen nicht nur Leute, die von Bürgergeld leben. Bei einem oder mehreren Kindern haben heute auch Familien mit ganz normalem Einkommen finanziellen Druck. Das hat sich verändert.“ Kippelt vermutet einen Zusammenhang zum starken Geburtenrückgang in Deutschland.
Vor drei Jahren hat die Künstlerin Dolors Planiol ihre Ausstellung „On Motherhood“ erstmals gezeigt. Ich habe damals gehofft, in ein paar Jahren wird das nicht mehr so wichtig sein“, so Dolors Planiol. „Leider muss ich sagen, es ist heute noch wichtiger. Der Duck auf Frauen steigt.“
