Wetter-Experte Karsten Brandt schreibt in einer regelmäßigen Kolumne über lokale Wetterphänomene.
Wetter-EckeWaldbrandrauch aus dem Venn – höhere Belastung in Rhein-Sieg gemessen

Rauch schwebt über dem schwelenden Boden in der Nähe des Signal de Botrange am Ort des Brandes im Naturschutzgebiet Hohes Venn.
Copyright: Bruno Fahy/Belga/dpa
Im Rhein-Sieg-Kreis ist der Brandgeruch des Feuers im Hohen Venn in Belgien deutlich wahrnehmbar, die Bevölkerung im Rhein-Sieg-Kreis wird seit Montag vor der Geruchsbelästigung gewarnt. Fenster und Türen sollten geschlossen, Klimaanlagen ausgeschaltet bleiben.
Der Transport von Waldbrandrauch über große Entfernungen ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Je nach Größe eines Feuers und der Höhe, in die Rauch und Partikel aufsteigen, können diese über Hunderte oder sogar Tausende Kilometer verfrachtet werden. Im Juni 2025 erreichte beispielsweise Rauch von Waldbränden in Kanada sogar Europa. Damals war die Belastung hier allerdings kaum messbar – der Himmel wirkte lediglich etwas dunstiger und verschleiert, und mit dem Jetstream wurde der Rauch in großen Höhen transportiert.
Feinstaubbelastung in Rhein-Sieg deutlich gestiegen
Anders ist die Situation aktuell beim Rauch aus Eifel und Venn. Durch die westliche Strömung sind die Partikel auch im Rhein-Sieg-Kreis angekommen. Der Waldbrandrauch war bereits am Wochenende durch Wolken und Geruch wahrnehmbar. Am Montag lag ein modrig-feuchter Brandgeruch über weiten Teilen der Region. Dieser dürfte auch in den kommenden Tagen immer wieder wahrnehmbar sein.
Nach Einschätzung vor Ort haben sich die Feinstaubwerte durch den Rauch etwa vervierfacht. Während direkt an den Brandstellen durchaus gesundheitsgefährdende Konzentrationen erreicht werden können, ist die Situation im Rhein-Sieg-Kreis deutlich weniger kritisch. Dennoch ist die Belastung messbar und höher als üblich.
So wurden Werte von etwa 20 bis 30 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Unter vergleichbaren Wetterbedingungen wären normalerweise Werte um fünf Mikrogramm oder darunter zu erwarten.
Interessant ist zudem die Untersuchung des Niederschlags vom Montag. Im Rhein-Sieg-Kreis wurde dabei ein ungewöhnlicher pH-Wert festgestellt. Der Regen war annähernd neutral. Darüber hinaus konnten erhöhte Mengen an Ammonium sowie eine ungewöhnliche elektrische Leitfähigkeit festgestellt werden.
Auch der Regen war belastet
Auch Hinweise auf eine Schwermetallbelastung wurden gefunden. Eine genaue Bestimmung ist allerdings mit unseren vorhandenen Untersuchungsmöglichkeiten nicht möglich. Bei einem Moor- und Waldbrand können unter anderem Metalle und Schwermetalle freigesetzt werden. Entsprechend ist es nachvollziehbar, dass der Regen belastet sein kann, wenn er durch eine Rauch- und Abgaswolke fällt.
Eine extrem hohe Belastung des Niederschlags wurde allerdings nicht festgestellt.
Solange die westliche Wetterlage anhält, kann weiterer Rauch aus dem Brandgebiet in Richtung Rhein-Sieg-Kreis transportiert werden. Je nach Wetterentwicklung kann er dabei erneut zu riechen und zu messen sein.

