Die Gäste im Provokateur sollen dazu angeregt werden, wortwörtlich über ihren Tassenrand zu schauen und beim Kaffee Neues zu entdecken.
Gastro-TippSchokolade und Papaya – Rösterei Provokateur in Sankt Augustin bietet besondere Kaffees

In der Rösterei/Café Provokateure dreht sich alles um die gerösteten Bohnen, auch die Speisen sind so ausgesucht, dass sie immer zum Kaffee passen und dessen Geschmack ergänzen.
Copyright: Anica Tischler
Der Kaffeeduft zieht durch den Raum, sobald man die Rösterei Provokateur in Hangelar betritt – und zwar nicht nur, weil dort minütlich Tassen mit Kaffeekreationen über die Theke gehen, sondern vor allem, weil im Kaffeehaus die Bohnen auch geröstet werden.
Die Röstmaschine dominiert den Raum nicht, doch sie fällt auf und ist integrierter Bestandteil des Cafés. Das betont Martina Brandau. Sie betreibt mit ihrem Mann Sven Brandau die Rösterei und das angeschlossene Café.
In der Rösterei ist alles darauf ausgelegt, dass es zum Kaffee passt
„Wir sind Kaffeeröster mit Herzblut“, sagt Martina Brandau. „Aber wir wollten für unsere Röstungen auch gern direktes Feedback von den Kunden haben, deshalb haben wir das Kaffeehaus direkt angeschlossen.“ Kaffee solle für die Gäste hier zu einem Erlebnis für alle Sinne werden.

Im Café-Bereich der Provokateure ist es minimalistisch-gemütlich. Es riecht herrlich nach Kaffee, auch wegen der Röstmaschine, die zur Einrichtung dazugehört.
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„Specialty Coffee“ heißt das im Barista-Vokabular, was bei Provokateur angeboten wird. „Kaffee ist ein Luxusgut“, sagt Martina Brandau, und sie wolle ihn „von allerhöchster Güte“ anbieten. Hier werde alles darauf ausgelegt, dass es „zum Kaffee passt“, erklärt sie – auch die Mehlspeisen.
Gebäck-Rezepte kommen von Mutter und Großmutter
„Mehlspeisen“ und „Kaffeehaus“, die österreichischen Begriffe kommen nicht von ungefähr. Martina Brandau stammt aus Salzburg, was man am charmanten Zungenschlag hört. „Alle Kuchen, die wir zum Kaffee anbieten, sind selbst gemacht. Und bei den Rezepten halte ich mich an meine Mutter und meine Oma“, sagt Martina Brandau. So gibt es immer wieder Rezepte aus ihrer Heimat, mal traditionell, mal mit kleinen Abwandlungen. Auf der Theke stehen an diesem Tag unter anderem Guglhupf, Schokoladenkuchen und Buchteln. „Die schmecken hervorragend mit Marillen-Marmelade“, schwärmt Brandau.

Passend zum Kaffee gibt es immer eine wechselnde Auswahl an selbstgemachten Mehlspeisen wie Schokoladenkuchen, Guglhupf und sogenannte Buchteln, eine Spezialität aus Salzburg, der Heimat von Martina Brandau.
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Alle Rezepte entstünden im Sinne des „Coffee-Pairings“, müssten also zum Kaffee passen und ihn ergänzen. „Es gibt bei mir zum Beispiel keine Sahnekuchen, denn das Fett überdeckt die Aromen des Kaffees.“
Kein Zweifel: Der Kaffee spielt die Hauptrolle. Aktuell gibt es zehn immer wieder wechselnde Sorten. Hinzu kommen sogenannte „Meisterstücke“, besondere Kaffeesorten, die es nicht immer gibt und mitunter auch nur mit einer Charge, zum Beispiel von speziellen Projektkaffees. „Wir haben eine Standardlinie Kaffees mit verschiedenen Sorten“, erläutert die Salzburgerin.

Martina Brandau betreibt zusammen mit ihrem Mann Sven Brandau die Rösterei und das Café.
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Dazu gehören zum Beispiel Kaffeesorten mit kreativen Namen wie „die erkenntnis“, „die eroberung“ oder „die liebe“. Die Eroberung heiße beispielsweise so, weil bei dem Blend aus Arabica- und Canephora-Bohnen Aromen von Milchschokolade, Karamell und Braunem Zucker herausträten, so Martina Brandau. „Milchschokolade ist so cremig und vollmundig, sie erobert eben den ganzen Mundraum“, erklärt sie.
Saisonale und internationale Kaffeespezialitäten ergänzen die Klassiker
Auf der Karte gibt es zusätzlich saisonale oder internationale Kaffeespezialitäten wie den österreichischen „Maria Theresia“, einen Kaffee mit Grand Marnier, Orientalischer Café Cortado mit Gewürzen, „Karibischer Winter“ mit Kokosdrink und Schokolade, „Biedermeier-Kaffee“ mit Marillenlikör und Sahne oder die Eigenkreation „Der Gaisberger“ (Salzburger Hausberg) mit Eierlikör.
Ein kreatives Schmankerl: Auf die Pakete aller Kaffeesorten, die auch als ganze Bohne oder gemahlen für die Zubereitung zu Hause erworben werden können, ist ein Gemälde aus den Museen der Welt aufgedruckt. Das Gemälde habe immer etwas mit dem Titel der Sorte zu tun. „Wir retuschieren immer Kaffeekirschen mit auf die Bilder, man kann sie wie in einem Wimmelbild suchen“, sagt Martina Brandau und lacht.
Der Kaffee wird in ihrer Röstmaschine im Laden schonend im Trommelverfahren geröstet. Die Röstung dauere länger als bei Industriekaffee, wodurch er besser bekömmlich werde und die Säure sich stärker reduziere.
Es mache ihr und ihrem Mann einfach Freude, Neues zu probieren und zu entdecken, sagt Martina Brandau. Die Rösterei hätten sie „Provokateur“ genannt, eben weil sie die Gäste auch auf positive Art dazu provozieren wollten, etwas Neues zu entdecken, „ über den Tassenrand zu schauen“.
Provokateur Rösterei, Kölnstraße 112-114, Udet-Passage, Sankt Augustin. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr. www.kaffee-provokateur.de
