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Anklage gegen SchleuserSex-Inserat brachte Ermittlungen in Gang – „Salons“ auch in Rhein-Sieg

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Ein Spender und ein Handtuch liegen in einem Bordell auf einem Bett, während eine Prostituierte im Hintergrund sitzt.

Ein Spender und ein Handtuch liegen in einem Bordell auf einem Bett, während eine Prostituierte im Hintergrund sitzt.

Insgesamt sollen die beiden Organisatoren mehr als 1.485.150 Euro eingenommen haben.

Die chinesischen Massagesalons machten einen unverdächtigen, durchaus seriösen Eindruck. Tatsächlich jedoch sollen in den Etablissements mit den blumigen Namen zahlreiche chinesische Frauen als Prostituierte gearbeitet haben, die sich illegal in Deutschland aufhielten, professionell organisiert von einer chinesischen Zuhälterbande, die NRW-weit agiert haben soll. Davon jedenfalls geht die Bonner Staatsanwaltschaft aus, die vier mutmaßlichen Mitgliedern der Gang gewerbs- und bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern vorwirft. Die Anklage liegt jetzt dem Bonner Landgericht vor, wie Behördensprecher Stephan Schulz auf Anfrage bestätigte.

Angeklagt ist der mutmaßliche Chef der Organisation, ein 48-jähriger Chinese, der mit seiner 39-jährigen Ex-Frau, seine „rechte Hand“ und zuständig für die finanzielle Abwicklung, ab Juni 2024 bis Januar 2026 in den angeblichen Massagesalons eine Vielzahl von Chinesinnen angestellt und hierdurch ihren illegalen Aufenthalt in Deutschland unterstützt haben soll.

Mitangeklagt sind eine 64 und eine 33 Jahre alte Frau

Insgesamt wurden 27 Prostituierte erfasst, die keine Aufenthaltsgenehmigungen hatten und die in 14 Bordellen ihrer Arbeit nachgingen. Darunter waren Salons in Bonn, Sankt Augustin, Troisdorf und Bad Honnef. Weitere Standorte befanden sich im Ruhrgebiet: in Castrop-Rauxel, Bochum, Oberhausen sowie in Wuppertal und Düsseldorf.

Mitangeklagt sind zwei weitere Frauen chinesischer Herkunft (64 und 33 Jahre alt), die die Salons in Oberhausen und Mülheim an der Ruhr geführt haben sollen. Auch sie seien enge Mitglieder der Bande, da sie im Auftrag des Chefs die Frauen vor Ort betreut und über einen Messengerdienst Termine mit den Freiern vereinbart haben sollen.

Laut Anklage durften die Prostituierten von ihren Einnahmen die Hälfte behalten, die zweite Hälfte musste an die Organisation abgegeben werden. Das Geld wurde in der Regel vom Bandenchef persönlich  abgeholt und auf diverse Strohmannkonten eingezahlt oder sogar mittels eines Online-Bezahldienstes nach China transferiert. Insgesamt sollen die beiden Organisatoren mehr als 1.485.150 Euro eingenommen haben. Die zwei mitangeklagten Bordell-Leiterinnen haben entsprechend weniger bekommen, da sie lediglich an den Prostituierten-Honoraren des jeweiligen Etablissements beteiligt wurden.

Die Spur führte zu einem „Massagesalon“ nach Sankt Augustin

Dem chinesischen Schleuserring auf die Spur kamen Rotlicht-Ermittler im Sommer 2024 durch ein Inserat auf einer Internetplattform, in dem sexuelle Dienstleistungen angeboten wurden. Der Kontakt sollte über eine Rufnummer in WhatsApp eingefädelt werden, die die Ermittler schließlich zu einem „Massagesalon“ nach Sankt Augustin geführt hat: Bei einer Polizei-Kontrolle gab es erste Hinweise, dass es sich bei den Prostituierten um illegal in Deutschland lebende Chinesinnen handelt.

Von diesem Moment an stand die Schleuserbande unter verdeckter Beobachtung, unter anderem wurden ihre Mobiltelefone überwacht. Hierdurch erfuhren die Fahnder Details über die Organisations-Strukturen, auch dass der „Chef“ zahlreiche Chinesinnen mit falschen Zusagen nach Deutschland gebracht haben soll. Am Ende wurden sie als Prostituierte ausgenutzt. Da die Frauen keinerlei Papiere hatten, zumeist auch kein Deutsch sprachen, waren sie den Angeklagten vollständig ausgeliefert.

Nach zwei Jahren, am 21. Januar 2026, schlugen die Ermittler schließlich zu. Laut einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Bonn und der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis durchsuchten 120 Polizeikräfte insgesamt 20 Objekte. Sie nahmen vier der Angeklagten fest, beschlagnahmten zwei Eigentumswohnungen in Troisdorf und Neuss, zwei Autos, Bargeld und Schmuck. Alle vier kamen in Untersuchungshaft und sitzen seitdem in der JVA Siegburg oder Köln.

Der „Chef der Bande“ – er soll sich selbst so genannt haben – hat bislang geschwiegen; seine Ex-Frau soll ihre Beteiligung verharmlost haben, sie sei lediglich „Telefonistin“ gewesen. Von den beiden angeklagten Salon-Leiterinnen soll sich nur die 64-Jährige geständig gezeigt haben; sie wurde daraufhin im April 2026 haftverschont.

Die Anklage liegt derzeit beim Oberlandesgericht in Köln, um eine Haftverlängerung für die drei Angeklagten, die bereits länger als sechs Monate hinter Gittern sitzen, zu erwirken. Wie Gerichtssprecher Schulz mitteilte, ist das Verfahren vor dem Bonner Landgericht bislang noch nicht eröffnet und der Prozess noch nicht terminiert.