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Verkohlte RuinenWarum so viele Brandruinen in Rhein-Sieg jahrelang noch stehen

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Die ehemalige Pizzeria in Sankt Augustin-Menden brannte im Oktober 2024. Hier stand der Denkmalschutz dem Abriss im Weg.

Die ehemalige Pizzeria in Sankt Augustin-Menden brannte im Oktober 2024. Hier stand der Denkmalschutz dem Abriss im Weg.

Anwohnende fragen sich, warum die Gebäude nicht abgerissen werden.  Stadtverwaltungen sind aber oft die Hände gebunden.

Der brennende Dachstuhl erhellt den Nachthimmel, Funken schlagen empor. Mit einem enormen Kräfteaufgebot gelingt es der Freiwilligen Feuerwehr, die Flammen zu löschen. Übrig bleibt von dem Wohnhaus nur eine verkohlte Ruine – und die bleibt stehen, oft jahrelang. Warum das so ist und Stadtverwaltungen gegen diese Schandflecken im Stadtbild nur schwer vorgehen können.

Ehemalige Pizzeria in Sankt Augustin: Immer noch stehen Zäune um die Brandruine

Eine Nacht im Oktober 2024: Ein Fachwerkhaus an der Mendener Straße in Sankt Augustin brennt, seitdem stehen Zäune um die ehemalige Pizzeria „La Mamma“. An der Kölnstraße in Hangelar brannte im August 2023 ebenfalls ein Wohnhaus. Das Gebäude ist teilweise abgebrochen. Gewöhnen müssen sich die Anwohnerinnen und Anwohner des Karpenbachwegs in Lohmar-Donrath auch an die Ruine des Wohnhauses, das im Juni dieses Jahres in Flammen aufging.

Beim ehemaligen „Haus im Park“ in Neunkirchen-Seelscheid sind seit zwei Jahre seit dem Brand im Juli 2024 vergangen, ehe es abgerissen wurde. Doch warum ist das so?

Wenn ein Gebäude durch einen Brand zerstört wird, suche die Verwaltung regelmäßig das Gespräch mit den Eigentümern, um zu bewerten, wie das Gebäude oder das Grundstück weitergenutzt werden könnten, sagt Christopher Laudan von der Pressestelle der Stadt Sankt Augustin. Doch den Eigentümer einer solchen Brandruine zum Abriss zu zwingen, sei rechtlich nicht möglich: „Derartige Maßnahmen können ausschließlich in einem ordnungsbehördlichen Verfahren erfolgen, wofür jedoch ein konkreter Anlass wie Gefahr für Leib und Leben vorliegen muss.“ Selbst tätig werden und die Kosten dem Eigentümer in Rechnung stellen dürfe die Kommune nur, wenn die Beseitigung der Gefahr keinen zeitlichen Aufschub duldet. „Ästhetische Gründe rechtfertigen keine Gefahrenlage“, sagt Laudan.

Auch ein ausgebranntes Gebäude kann noch denkmalgeschützt sein

Bei der ehemaligen Pizzeria fielen Teile von der Fassade auf den Gehweg. „Die städtische Bauaufsicht hat deswegen sofort die Absicherung der beschädigten Gebäudeteile gefordert.“ Auch ein Zaun wurde entlang der Mauern aufgestellt. „Eine darüber hinaus gehende Gefahr geht von dem Haus aber nicht aus.“ Ein weiteres Problem: Auch ein ausgebranntes Gebäude kann noch denkmalgeschützt sein, so auch das an der Siegstraße. „Anhand einer Schadenskartierung ist festgestellt worden, dass das Denkmal trotz der beträchtlichen Verluste der originalen Bausubstanz noch zu restaurieren ist“, sagt Laudan. In einem zweiten Schritt sei geprüft worden, ob der Erhalt des Denkmals für den Eigentümer zumutbar sei – was jedoch nicht zutraf, der Eigentümer darf die Ruine Laudan zufolge abreißen.

„Die Obere Denkmalbehörde des Landschaftsverbands Rheinland ist an dem Prozess beteiligt. Der Abriss darf nur unter Vorlage einer Baudokumentation stattfinden. Diese dient der Überlieferung eines Baudenkmals in seinem historischen Bestand, wenn der Verlust unumgänglich ist.“ Heißt, die Stadt wolle beim Abriss eines Denkmals zumindest eine Abbildung der Mauern und Pläne archivieren. „Die Erstellung der Dokumentation an der Siegstraße befindet sich in den letzten Zügen, sodass wir mit einer Freigabe des Abbruchs durch die Untere Denkmalbehörde in den nächsten Wochen rechnen“, so Laudan.

Das Haus an der Kölnstraße in Hangelar brannte vor drei Jahren, mittlerweile ist der Dachstuhl abgetragen worden.

Das Haus an der Kölnstraße in Hangelar brannte vor drei Jahren, mittlerweile ist der Dachstuhl abgetragen worden.

Auch das Haus an der Kölnstraße war nach dem Feuer vor drei Jahren nicht mehr bewohnbar. „Der Eigentümer äußerte seinerzeit, dass er einen Neubau auf dem Grundstück beabsichtige.“ Die Abrissgenehmigung sei, verbunden mit den notwendigen behördlichen Auflagen, bereits im vergangenen Jahr erteilt worden. Der Eigentümer habe auch bereits einen konkreten Bauantrag gestellt. „Meist führen Bauherrn den Abriss erst mit Beginn einer Neubebauung durch, um Kosten und Auswirkungen auf die Nachbarschaft gering zu halten“, so Laudan. Hier hat der Abriss inzwischen begonnen.

Häufig müssen versicherungsrechtliche Fragen geklärt werden

Auch Elke Lammerich, Sprecherin der Stadt Lohmar, weist daraufhin, dass die Verwaltung erst einen Abriss vornehmen könne, wenn eine Gefahr für angrenzende Grundstücke oder den öffentlichen Raum bestehe. Meist reiche schon ein Bauzaun aus, um diese Gefahr zu begrenzen. „Bis zur Beseitigung einer Brandruine sind zudem häufig versicherungsrechtliche Fragen zu klären. Diese Verfahren können längere Zeit in Anspruch nehmen und Einfluss auf das weitere Vorgehen haben. Die Kosten für einen Abriss hängen unter anderem vom Gebäude, dem Schadensumfang sowie dem Aufwand für Entsorgung ab.“

Am 18. Juni 2026 brannte dieses Wohnhaus in Lohmar - die Ruine steht seitdem verlassen da.

Am 18. Juni 2026 brannte dieses Wohnhaus in Lohmar - die Ruine steht seitdem verlassen da.

Während der Löscharbeiten bei dem Feuer vergangenen Juni hatte die Feuerwehr befürchtet, dass sich Asbest in der Bausubstanz befinde. Die Stadt wisse davon nichts, teilt Lammerich mit. „Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern liegen der Stadt bislang nicht vor.“ Ob und wann das Grundstück neu bebaut wird, ist also weiter unklar.

Das ehemalige „Haus im Park“ in Neunkirchen-Seelscheid wurde Ende August abgerissen.

Das ehemalige "Haus im Park" in Neunkirchen-Seelscheid wurde Ende August abgerissen.

Das „Haus im Park“ stand in einer Julinacht vor zwei Jahren in Flammen. Die beiden Bewohner, die ein Restaurant betrieben, wurden schwer verletzt. Die Polizei vermutete einen fremdenfeindlichen Anschlag, konnte die Brandursache aber nie aufklären. Die ehemaligen Restaurantbetreiber sind mittlerweile weggezogen. Die Ruine stand seitdem unberührt an der Zeithstraße. Ein Investor hatte im vergangenen Jahr gegenüber der Gemeinde Pläne für einen Neubau vorgestellt, allerdings auch die Bäume auf dem Gelände gefällt. Ob er dafür ein Bußgeld bezahlen musste, beantwortete die Pressestelle Neunkirchen-Seelscheids nicht.

Im Sommer, heißt es in einer Pressemitteilung, sei die Ruine entrümpelt worden, vor wenigen Wochen begann der Abriss. Mittlerweile ist eine leere Baugrube auf dem Gelände zu sehen. Dort sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 16 Wohnungen entstehen. Der Bauantrag werde aktuell von der Gemeinde geprüft. Wann die Arbeiten beginnen sollen, steht noch nicht fest, der Bauantrag werde aktuell von der Gemeinde geprüft. „Die Einzelheiten der Planung werden im Zusammenhang mit dem Bauantrag weiter abgestimmt und hiernach in den zuständigen politischen Gremien beraten“, heißt es.