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Rasenmäher auf vier BeinenAlpakas grasen rund um die Kläranlage in Sankt Augustin

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In der Zentralen Abwasserbehandlungsanlage der Stadt Sankt Augustin pflegen drei Alpakas die Grünflächen. Die Mitarbeiter kümmern sich um die Tiere: Abwassermeister Lukas Podack (links) und Abwasserfachkraft Alex Killert.

In der Zentralen Abwasserbehandlungsanlage der Stadt Sankt Augustin pflegen drei Alpakas die Grünflächen. Die Mitarbeiter kümmern sich um die Tiere: Abwassermeister Lukas Podack (links) und Abwasserfachkraft Alex Killert beim „Gassigehen“.

Der Einsatz der Paarhufer spart Kosten für die regelmäßige Pflege der Grünflächen.

Wenn Alpakas friedlich miteinander kommunizieren, dann ist das wie ein tiefes, summendes Geräusch. Wenn sie aber genervt oder gestresst sind, dann grummeln oder knurren sie. Und das war ganz klar zu hören, als Betriebsleiter Sebastian Kenter zusammen mit Abwassermeister Lukas Podack und Abwasserfachkraft Alex Killert die neuen Rasenmäher auf vier Beinen offiziell vorstellten. Der ganze Rummel war den Tieren doch ein wenig zuviel.

Auf der Zentralen Abwasseranlage der Stadt Sankt Augustin (ZABA) haben die drei Alpaka-Hengste nun ihre neue Heimat. Sie sind dafür zuständig, dass das Grün nicht die technischen Anlagen überwuchert. „Sie müssen nicht nur im Notfall immer schnell zugänglich sein“, betont Killert. Er kümmert sich zusammen mit Podack um die genügsamen Tiere.

Alpakas sind sehr pflegeleicht, der tägliche Arbeitsaufwand für ihre Pflege beträgt wenige Minuten
Sebastian Kenter, Betriebsleiter

Kentner hatte erfahren, dass Alpakas auf dem Gelände der Kläranalge in Hennef seit drei Jahren erfolgreich grasen. So entstand die Idee, dass dies doch auch in Sankt Augustin von Nutzen sein könnte. „Die regelmäßige Pflege der vielen Grünflächen ist sehr arbeitsintensiv und zeitaufwendig. Durch die Alpakas konnte eine ökologische und autarke Unterstützung bei der Grünpflege gefunden werden, um die Mitarbeitenden der ZABA zu entlasten. Alpakas sind sehr pflegeleicht, der tägliche Arbeitsaufwand für ihre Pflege beträgt wenige Minuten“, erklärt Kentner, der Ingenieur für Umwelttechnologie ist.

Sebastian Kenter, Ingenieur für Umwelttechnologie, ist Betreibsleiter des Klärwerkes.

Sebastian Kenter, Ingenieur für Umwelttechnologie, ist Betriebsleiter des Klärwerkes in Sankt Augustin.

Es sei auch überlegt worden, ob nicht Schafe oder Ziegen diese Aufgabe übernehmen könnten. „Aber die sind lange nicht so robust wie die Alpakas“, berichtet der 38-Jährige über das Ergebnis seiner Recherchen und Gespräche mit Fachleuten. Das kann auch Dominik Müller-Grote bestätigen. Der Pressesprecher von Hennef berichtet, dass früher Schafe auf der Kläranlage der Stadt die Wiesen kurz gehalten hätten. Wegen der Feuchtigkeit auf dem Gelände hätten die Paarhufer aber Klauenfäule bekommen. Als Alternative wurde daraufhin Alpakas gewählt. „Die verrichten seit drei Jahren hier erfolgreich ihren Dienst“, so Müller-Grote.  

Wie auch in Hennef  grasen in Sankt Augustin drei Hengste auf den Wiesen. „Wir wollen hier keine Tierzucht“, sagt Kentner. Die Alpakas im Alter von fünf, sieben und zehn Jahren kommen von einem Züchter aus der Gegend von Münster. Die kleine Herde sollte nicht neu zusammengestellt werden und auch verträglich mit Menschen sein, weil regemäßig  Schulklassen zu Besuch auf die Abwasseranlage kommen. 

Im Umgang mit ihren neuen Schützlingen sind die beiden Betreuer Killert und Podack erst einmal vorsichtig. Alpakas sind nicht nachtragend, wenn  es mal zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Tier und Mensch kommt. Sie haben jedoch ein sehr gutes Gespür und Gedächtnis. Werden sie von bestimmten Personen dauerhaft grob behandelt, können sie Distanz aufbauen und diese meiden. Und das soll auf keinen Fall passieren.

Die Alpakas haben in der Zentralen Abwasserbehandlungsanlage der Stadt Sankt Augustin eine feste Weide mit einem Stall zum Übernachten.

Die Alpakas haben in der Zentralen Abwasserbehandlungsanlage der Stadt Sankt Augustin eine feste Weide mit einem Stall zum Übernachten.

Beim Bau der Holzstalles für die Tiere haben neben den beiden Betreuern auch Abwasserfachkraft Kai Schneider und Marie Isheim aus der Verwaltung geholfen. Sie übernahm das Streichen der Holzbretter, damit diese vor Wind und Wetter geschützt sind. Eine ausrangierte alte Badewanne dient als Tränke. Damit konnte der Zuber einer neuen Verwendung zugeführt werden. Das spart Geld und ist auch Nachhaltig.

Bürgermeister Dr. Max Leitterstorf war dies besonders wichtig. Er bestand auf eine Kostenkalkulation, damit die Alpakas mit ihrem Unterhalt nicht auch noch den Haushalt der Stadt anknabbern. Die aus den südamerikanischen Anden stammenden Tiere brauchen allerdings Kraftfutter mit den Mineralien der Pflanzen, die in den Hochländern von Peru, Bolivien und Chile wachsen. Zusammen mit dem Gras reicht das für sie zum Leben.    

Alpakas in Sankt Augustin müssen regelmäßig geschoren werden

Im Gegenteil zu Schafen oder Ziegen verrichten Alpakas ihr Geschäft immer an derselben Stelle auf der Weide. Das ist ein weiterer Vorteil bei der regelmäßigen Pflege der Grünfläche. Allerdings müssen sie auch regelmäßig geschoren werden. Dies macht demnächst ein Profi. „Aber langfristig möchten wir das hier selber machen“, so Kentner. Bis zu 50 Euro kann für ein Kilogramm Rohwolle erzielt werde, die ideal für Allergiker ist, da sie keine Lanolinfette enthält und nicht kratzt. 

Ein Name für die Drei ist noch nicht gefunden. Diskutiert wird ob sie Max nach Bürgermeister Leitterstorf, Marc nach dem ehemaligen SPD-Fraktionschef Külle und Mike, weil es phonetisch dazu passt, gerufen werden könnten. Bis zum 30. Juni werden nun Vorschläge gesucht. Die Mitarbeitenden der ZABA wählen dann gemeinsam die Namen aus. Die Gewinner können jeweils mit einer kleinen Gruppe die ZABA und auch die Alpakas besuchen. Vorschläge können per E-Mail eigereicht werden: alpakas@sankt-augustin.de.