Abo

Weltfrauentag 2026Frauen achten auf die Rolle der Väter

4 min
Daniela Machein ist Leiterin des Fachbereiches Kinder, Jugend und Familie der Stadtverwaltung in Sankt Augustin vor dem Plan der Kindergärten.

Daniela Machein ist Leiterin des Fachbereiches Kinder, Jugend und Familie der Stadtverwaltung in Sankt Augustin vor dem Plan der Kindergärten.

Jugendamtsleiterin Daniela Machein sieht verändertes Rollenbild und dennoch viel Arbeit.

„Die Sicht der jungen Frauen auf die Aufgabenverteilung in der Familie hat sich geändert.“ Das hat Daniela Machein, Leiterin des Fachbereiches Kinder, Jugend und Familie der Stadtverwaltung in Sankt Augustin, in  den vergangenen Jahren beobachtet. Es gebe heute klarere Vorstellungen, wie sich auch der Vater um Kinder und Haushalt zu kümmern habe. Die Familie verstehe sich als Team. Die klassische Rollenverteilung, wie es die 57-Jährige und Mutter von zwei Kindern in ihrer Jugend erlebt hatte, bestehe so nicht mehr.

Doch sie macht eine Einschränkung: „Nach wie vor finden sich Partnerschaften, bei denen der Mann arbeiten geht und die Frau zu Hause bleibt.“ Das sei besonders in Familien mit drei und mehr Kindern zu beobachten. Das bedeute jedoch nicht, dass die Frau ein Leben lang keinem Beruf nachgehe. Wenn die Kinder älter oder aus dem Haus seien, arbeiteten diese Mütter meist wieder.  

Beim Thema Vereinbarung von Familie und Beruf hat Frauen die Kindertagesbetreuung geholfen

Machein ist ein Beispiel dafür. Nach dem Abitur hat sie Verwaltungswissenschaften studiert. Im Alter von 28 Jahren bekam sie das erste Kind, zwei Jahre später das zweite. Sechs Jahre war sie in Elternzeit, machte nebenbei noch den Abschluss in Qualitätsmanagement Betriebswirtschaft. In Teilzeit stieg sie wieder bei der Stadtverwaltung in Koblenz ein, begleitete dort 2011 als Projektmanagerin die Bundesgartenschau.     

„Frauen hat geholfen, dass um das Jahr 2000 die Kindertagesbetreuung festgeschrieben wurde. Damit war gesichert, dass der Nachwuchs versorgt wird. Ein wichtiger Schritt für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Mit der Einführung der U-3-Kindertagespflege kam eine wichtige zweite Säule hinzu: „Auch alleinerziehende Frauen konnten so wieder früher ins Berufsleben einsteigen, meist in Teilzeit“, berichtet Machein.

Für sie ist aber wichtig, dass „Frauen sich nicht unter Druck gesetzt fühlen dürfen, arbeiten gehen zu müssen“. Wichtiger sei, dass es für die Familie gut funktioniere. Wer sich entscheide, nur für die Kinder da zu sein, dürfe nicht belächelt werden. Und heute gehört es zur Lebenswirklichkeit, dass dies auch der Vater sein könne.

In Partnerschaften machen heute auch die Mehrzahl der Männer Elternzeit und kümmern sich um die Kinder

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2022 waren damals 69 Prozent der Mütter minderjähriger Kinder erwerbstätig, 2005 waren es lediglich 60 Prozent. Grund sei, dass seit sich der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 der rechtliche Rahmen geändert habe. In Partnerschaften machen heute auch die Mehrzahl der Männer Elternzeit. Die wirtschaftliche Stabilität der Familie bleibe dadurch sichergestellt. Der gesellschaftliche Hintergrund habe sich zum Glück geändert. „Als meine Kinder geboren wurden, gab es so etwas noch nicht“, erinnert sich Machein. „Mein Mann musste Urlaub nehmen, um nach den Geburten wenigstens drei Wochen Zeit für die Familie zu haben.“  

20 Prozent der Kinder in Deutschland werden von nur einem Elternteil erzogen. 85 Prozent davon sind Frauen. „Diese alleinerziehenden Mütter sind von Armut bedroht“, betont Machein. Die Stadt unterstütze die Frauen bei der Vergabe von passenden Kitaplätzen, damit sie die Möglichkeit hätten, arbeiten zu gehen - meist in Teilzeit. Alleinerziehende Mütter gebe es in allen Gesellschaftsschichten und Lebenssituationen. Ihr Anteil habe in den vergangenen Jahren stetig zugenommen.

Eine Frauenquote bei Führungspositionen lehnt die Chefin von 300 Menschen ab

Der Weltfrauentag ist für ein Anlass zur Reflexion: Chancengerechtigkeit muss aktiv gestaltet werden. Global betrachtet hat er seine Berechtigung. Ein Blick über die eigenen Grenzen hinaus zeigt, dass gleiche Rechte und Chancen für Frauen noch längst nicht überall selbstverständlich sind. Eine Frauenquote bei Führungspositionen lehnt die Chefin von 300 Menschen ab. Für die Fachbereichsleiterin ist die Wertschätzung untereinander auf der Arbeit wichtiger. Chancengleichheit müsse jedoch aufmerksam beobachtet werden. Und ob man Chefin oder Chef werde, solle von der Persönlichkeit und Fachlichkeit des Menschen und nicht vom Geschlecht abhängen.

Eines ist Machein besonders wichtig: die Förderung junger Menschen. „Sie sind entscheidend für die Zukunft.“ In Zeiten knapper Kassen müsse die Versorgung der Kinder- und Jugendhilfe verlässlich bleiben. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um Mädchen oder Jungen handele. „Unsere Gesellschaft trägt Verantwortung für alle jungen Menschen.“