Der Professor an der Hochschule in Sankt Augustin geht auf die besondere Begegung der historischen Persönlichkeiten ein und was sie verband.
Treffen mit Hollywood-IkoneHektor Haarkötter aus Sankt Augustin schreibt Buch über Marilyn Monroe

Handschriftliche Notizen Marilyn Monroes lassen den Schluss auf eine Affäre mit Anna Freud zu. (Archivbild)
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Die eine galt als die schönste Frau ihrer Generation, die andere als eine der klügsten Köpfe ihrer Zeit. Im Spätsommer 1956 treffen Hollywoodstar Marilyn Monroe (1926-1962) und die Psychoanalytikerin Anna Freud (1895-1982) für eine Woche in London aufeinander – eine Begegnung, die lange unbeachtet blieb. In seinem neuen Buch „Marilyn Monroe liegt auf der Couch und spricht über Sex“ (Carl Ueberreuter Verlag) rekonstruiert Hektor Haarkötter, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg Sankt Augustin, diese ungewöhnliche Annäherung.
Dass zwischen Monroe und der deutlich älteren Tochter Sigmund Freuds die Chemie stimmte, überrascht Haarkötter nicht: „Auf den ersten Blick passen sie nicht zusammen – die zurückhaltende, gealterte Dame und die glamouröse Hollywood-Ikone. Doch biografisch gibt es viele Parallelen: Beide führten ein Leben voller Krisen und Brüche, beide litten unter einer unerfüllten Sexualität.“
Autor deutet Affäre zwischen den weltbekannten Frauen an
Haarkötter zeichnet die Lebenswege der beiden Frauen sorgfältig nach. Hinter dem ikonischen Bild Marilyn Monroes zeigt er die verletzliche, hochintelligente und hypersensible Norma Jeane, überfordert von ihrer inneren Zerrissenheit. Auch Anna Freud kämpft mit den Schatten ihres übermächtigen Vaters, mit Bindungsproblemen und ihrer unterdrückten Homosexualität.

Der Kommunikationswissenschaftler Hektor Haarkötter hat über das Zusammentreffen von Marilyn Monroe und Anna Freud geschrieben.
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Während der Dreharbeiten zu „Der Prinz und die Tänzerin“ treffen sie sich zu mehreren vertraulichen Therapiegesprächen. Haarkötter versucht, diesen Austausch behutsam zu rekonstruieren: „Alle Sätze, die Marilyn Monroe in diesem Buch äußert, hat sie auch tatsächlich irgendwann gesagt. Ob sie in der Therapie fielen, weiß niemand. Aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch – genau darüber spricht man in der Psychoanalyse.“ Mehr als 350 Fußnoten, gestützt auf Archivarbeit und Vor-Ort-Recherchen, bilden das Fundament seiner Darstellung.
Ob sich aus der Nähe der beiden eine Affäre entwickelte, wie der Autor andeutet, bleibt offen. Handschriftliche Notizen Monroes lassen diesen Schluss zumindest zu. Haarkötter betont: „Ich mache sehr deutlich, was Hypothese ist und was belegt ist.“ Nach den sieben Tagen sehen sich Monroe und Freud nie wieder. Freud verfolgt Monroes Karriere jedoch weiter; später fließt sogar Geld aus Marilyns Nachlass in ihr Institut. Die Analytikerin hätte Monroe nicht retten können, glaubt Haarkötter: „Klinisch konnte man ihr vermutlich nicht helfen. Sie hatte gravierende psychische Probleme, für die die Psychoanalyse nicht gedacht war.“
Haarkötter schreibt eine Mischung aus Sachbuch, Essay und Fiktion
Die gewagte, aber gelungene Mischung aus Sachbuch, Essay und Fiktion komme bei Leserinnen oft besser an als bei Männern, beobachtet Haarkötter: „Vielleicht, weil etwas am Mythos Monroe gesägt wird – und das gefällt nicht jedem.“ Für den Wissenschaftler, dessen Schwerpunkt die politische Kommunikation ist, hat der akademische Alltag längst wieder begonnen: „Die nächsten Veröffentlichungen werden wieder rein wissenschaftlich sein.“ Der Campus Sankt Augustin bleibt seine Basis: „Ich fühle mich hier wohl – ständig trifft man hochinteressante Leute.“
Hektor Haarkötter: „Marilyn Monroe liegt auf der Couch und spricht über Sex. Sieben außergewöhnliche Tage mit Anna Freud“, Carl Ueberreuter Verlag, 216 Seiten, 28 Euro.
