UmgestaltungWie der Alte Friedhof in Siegburg in Zukunft umgestaltet werden soll

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Drei Grabmale aus hellem Stein auf dem alten Siegburger Friedhof an der Johannesstraße

Alter Siegburger Friedhof an der Johannesstraße

Der alte Friedhof an der Siegburger Johannesstraße soll attraktiver werden und Aufenthaltsqualität bekommen.

Als verwunschen oder verwahrlost, je nach Sicht der Dinge, lässt sich der Zustand des alten Friedhofs an der Johannesstraße beschreiben: Wildgräser sprießen unterhalb der Nepomukkapelle, im Inneren der Anlage wachsen neben Gras und Büschen auch Brennnesseln. Müll und Kippen finden sich vor der Kapelle ebenso wie vor vielen Gräbern.     

Natur-Erlebnis-Raum mitten in Siegburg

Neue Ideen für den Friedhof stellte jetzt im Planungsausschuss die Landschaftsarchitektin Birgit Scharf vor: Der 1807 geweihte Friedhof soll zum „Natur-Erlebnis-Raum“ und ein Leisepark werden. Genutzt wird er schon lange nicht mehr: 1990 endete die Laufzeit der letzten Grabstelle.

Wichtig ist der Architektin eine Neugestaltung des Eingangs an der Johannesstraße, mit einer Infowand und einem Lärm- und Sichtschutz zu der viel befahrenen Straße hin. Sitzstufen, Hängematten und Sitzliegen sollen Aufenthaltsqualität schaffen, ebenso wie zwei Schachtische und eine Boulebahn sowie ein Trinkwasserbrunnen und Kunstobjekte.

Alter Siegburger Friedhof an der Johannesstraße, Nepomuk-Kapelle

Alter Siegburger Friedhof an der Johannesstraße, Nepomuk-Kapelle

Künftig soll es einen zentralen Platz geben, wobei die Grabmale unberührt bleiben sollen. Durch eine temporäre Wasserfläche, gezielte Saaten und Wildbienenhotels soll der Park ökologisch aufgewertet werden. Vom Radweg entlang der alten Bahntrasse aus soll ein neuer Zugang geschaffen werden, den die Architektin potenziell als neuen Haupteingang sieht.

Im Ausschuss stieß der Entwurf auf Bedenken, vor allem wegen eines weiteren Zugangs von der Johannesstraße aus auf Höhe der Kapelle. Ursula Muranko (CDU): „Der Friedhof ist für uns immer ein Ort der Stille gewesen, ich habe ein bisschen Angst, dass er jetzt ein Hundepark wird.“ Am Radweg sehe sie Gefahr von Zusammenstößen, die Nepomuk-Kapelle soll nicht noch mehr zum Treffpunkt werden.

Eine Frage der Pietät

Der Erholungszwecke müsse sicher eine Rolle spielen, so ihr Parteifreund Eckhard Schwill. Die Planung sei aber auch „eine Frage der Pietät“. Auch Raymund Schoen (Die Linke) mochte sich nicht vorstellen, dass über den Köpfen der Beerdigten Boule gespielt werden könnte.

Ein schwarzes Kreuz aus Stahl erinnert an Maximilian Jacobi

Grab von Maximilian Jacobi auf dem alten Siegburger Friedhof

Birgit Scharf verteidigte ihre Planung, die Erfahrung zeige, dass gerade durch eine Öffnung ungewollte Nutzungen verhindert werden könnten. Der Technische Beigeordnete Stephan Marks wies darauf hin, dass der Friedhof bereits seit 2023 Bestandteil einer Grundförderung im Zuge des ISEKs (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept) für Siegburg sei. Mit Blick auf die Planung bat er um Vertrauen. Über Details könne man sich noch austauschen.


Noch keine vier Jahre alt war Catharina Reuter, als auf dem Friedhof an der Johannesstraße beigesetzt wurde, am zweiten September 1807 war es die erste Bestattung auf der Ruhestätte, nachdem die Siegburger über Jahrhunderte auf dem Kirchhof St. Servatius beigesetzt wurden. Ihre Mutter, Anna Reuter, sollte Stadtgeschichte schreiben, als sie 1812 maßgeblich dafür sorgte, dass der Kirchenschatz samt Anno-Schrein in der Stadt blieb - und nicht an die Birker übergeben wurde, die darauf Ansprüche angemeldet hatten.

Ein schwarzes eisernes Kreuz erinnert an Maximilian Jacobi (1775 bis 1858), den Leiter der Irrenheilanstalt auf dem Michaelsberg, der als Mitbegründer der modernen Psychiatrie gilt.

Die Familie Rolffs, die mit der Kattunfabrik maßgeblich zu Industrialisierung und Wohlstand der Stadt beitrug, liegt ebenfalls unweit der Nepomukkapelle. Chemiker Ernst Rolffs gründete 1906 die Deutsche Photogravur als eine der ersten Tiefdruckanstalten, aus der später das Siegwerk wurde.

Der Grundstein für die Nepumuk-Kapelle wurde bereits 1722 gelegt, auf dem Grundstück einer Probstei, die der Abtei auf dem Michaelsberg gehörte und die  1320 erstmals erwähnt wurde. Als Friedhofskapelle  diente sie zwischen 1807 und 1909.

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