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Sozialberufe in Rhein-SiegZeit reicht nur für die brennendsten Krisen

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250 Beschäftigte beteiligten sich am Protest in Siegburg. 

Siegburg – „Arbeitgeber, schläfst du noch“, sangen die Protestierenden; „Schnauze voll, Akku leer“ stand auf Schildern ebenso wie: „Das ist keine Betreuung, das ist Survivaltraining“. Vor der nächsten Verhandlungsrunde in der Tarifrunde für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst sind in Siegburg nach Gewerkschaftsangaben rund 250 Menschen auf die Straße gegangen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen – und beileibe nicht nur Beschäftigte aus den Kitas, wie Verdisekretär Stephan Dreesbach betonte.

Beschäftigte klagen über zu wenig Zeit

Aus der Arbeit in den Jugendämtern berichtete eine Kollegin bei der abschließenden Kundgebung auf dem Markt. Dort nehme die Fülle der Aufgaben und die Menge an Arbeit ständig zu, für die „eigentlich schöne Tätigkeit“ bleibe viel zu wenig Zeit. Nur die „brennendsten Krisen“ könnten bewältigt werden. Eine Obergrenze für die Fallzahlen je Beschäftigtem gehört daher zum Forderungskatalog der Streikenden.

Den Fachkräftemangel sprach Stefanie Kirsten an, die Leiterin der städtischen Kita Rathausstraße in Troisdorf. Seit zweieinhalb Jahren habe sie dort die Leitung inne, erst seit dem 1. März aber seien alle Planstellen besetzt. „Ohne Nachwuchs müssen wir Betreuungszeiten kürzen und Gruppen schließen“, warnte sie. Überdies verlangten die Aufgaben der Inklusion eine höhere tarifliche Eingruppierung.

„Niemand scheut sich vor den Aufgaben“

Die forderte auch Felix Schnitzler, Sozialassistent an der Kita Niederkasseler Straße in Troisdorf. Immer mehr Kinder „mit besonderem Bedarf“ würden in den Gruppen betreut, „niemand uns scheut sich vor den Aufgaben“. Tariflich aber seien die „Ergänzungskräfte“ in den Gruppen teilweise den hauswirtschaftlichen Angestellten gleichgestellt.

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Von einer „Flucht aus dem Beruf“ sprach Gewerkschaftssekretär Stephan Dreesbach, „weil die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung nicht attraktiv sind“. Die Politik, so Dreesbach, habe „seit Jahren geschlafen“. Ausbaupläne für die Kitas, aber auch der Rechtsanspruch auf Betreuung für Kinder unter drei Jahren und auf einen Platz im Offenen Ganztag lägen schließlich schon lange auf dem Tisch.