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KlangfabrikAnwohner klagen über Disco-Besucher in Siegburg

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Die Diskothek Klangfabrik befindet sich im Turm auf dem Phrixgelände.

Siegburg – Blau unterm Baum verhieß dieser Tage ein Abend in der Klangfabrik, alle offenen Getränke waren in der ersten Stunde für 50 Cent zu haben.

Das Problem: Wenn ein solcher Abend auf dem Gelände am Turm für den einen oder anderen zu lang und er selbst zu blau wird, bekommen das immer wieder die Anwohner im angrenzenden Wohngebiet zu spüren, an der Wilhelm-Ostwald-Straße, der Alfred-Keller-Straße und der Hopfengartenstraße.

Einmal mehr ärgerte sich jetzt Dirk Bernstein, der an der Alfred-Keller-Straße wohnt. Er hatte im Vorgarten eine mehrere Meter lange Lichterkette drapiert, die er morgens in Stücke gerissen vorfand.

Dirk Bernstein

Dass die Übeltäter Nachtschwärmer waren, steht für ihn außer Frage, und er könnte sogar darüber hinwegsehen, wie er betont. Aber die kaputte Lichterkette fügt sich zu den vielen Besoffenen, die schon in seinen Vorgarten urinierten, über den Kleinwagen seiner Frau trampelten, das Verdeck aufhebelten und schon mehrmals Spiegel abbrachen. „3500 Euro haben die Reparaturen gekostet“, ärgert sich Gudrun Bernstein, die den Wagen mittlerweile abseits der Straße parkt. Sogar ein mehr als einen Meter hoher und schwerer Terrakotta-Pflanzenkübel wurde umgeschmissen.

„Die mussten sich richtig anstrengen“, sagt sie bitter. Für zusätzliche Verunsicherung sorgen ernsthafte Vorfälle wie ein Raubüberfall auf der Hopfengartenstraße, bei dem Anfang November zwei junge Hennefer von zwei weiteren Männern mit Messern bedroht und um ihr Bargeld gebracht wurden.

Sicherheitsdienst soll Straßen im Blick haben

Dabei hatte vor fünf Jahren, als neue Besitzer aus der Diskothek „Steffi“ die „Klangfabrik“ machten, alles besser werden sollen. Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes wurden beauftragt, nicht nur das Gelände der Klangfabrik, sondern auch die Nebenstraßen im Blick zu behalten. Zudem wurde ein Shuttle-Bus zum Bahnhof eingerichtet, so dass Besucher gar nicht zu Fuß durch das Viertel laufen müssten.

„Wir verzeichnen einen auf die Jahreszeit zurückzuführenden Anstieg der Besucherzahlen der Disco“, so Jan Gerull, Pressesprecher der Stadt auf Anfrage der Redaktion. Das Ordnungsamt fahre an den Wochenenden regelmäßig am Abend und in der Nacht die Straßen und Wege von der Innenstadt zur Klangfabrik ab und stehe in engem Austausch mit der Polizei.

Die Kollegen seien bemüht, „Störungen für die Anwohner durch eine erhöhte Kontrolldichte weitestgehend auszuschließen, was natürlich faktisch nicht rund um die Uhr machbar ist.“

Im Rathaus wisse man von zwei abgetretenen Autospiegeln, zwei abgeknickten Verkehrsschildern und zwei Fällen „wilden Urinierens“, im Zeitraum von Mitte September bis Mitte November. Gerull zufolge wird der Shuttlebus nach wie vor eingesetzt. Er bestätigt, dass der Weg zur Klangfabrik, insbesondere die Hopfengartenstraße, durch den eigenen Sicherheitsdienst „je nach Besucheraufkommen zwischen 21 und 5 Uhr bestreift“ werde. Bei dem Bus-Angebot und der Kontrolle durch den Sicherheitsdienst handele es sich um „ordnungsbehördliche Auflagen“, betont der Sprecher.

Anwohner sollen Vorfälle melden

Der Geschäftsführer der Klangfabrik, Pascal Frangenberg, appelliert an die Anwohner, solche Vorfälle bei ihm zu melden. Aus den Protokollen, die der Sicherheitsdienst fertige, gehe allerdings hervor, dass eher weniger denn mehr geschehe als früher.

Und etwa 50 Prozent der angetroffenen Personen in den benachbarten Straßen seien nicht Besucher seiner Disco. Frangenberg betont, dass am Turm nicht nur die Klangfabrik ansässig sei, sondern auch ein Musik-Club, der länger geöffnet habe, und ein Saal für große Festgesellschaften, die bis in den frühen Morgen dauern könnten.

Vom Ordnungsamt habe er die Zusage, dass mit den Betreibern des Clubs gesprochen werde. „Ich gehe davon aus, dass das auch passiert.“ Das Gelände am Turm sei schon eine „Unterhaltungsmeile“ geworden. Sachbeschädigungen oder gar Einbrüche will er nicht mit seinen Gästen in Verbindung bringen.

Die gleichen Auflagen

Das Steffi sei damals auf zwei Etagen und bis zu 3000 Besuchern weit größer als die Klangfabrik gewesen, in der er auf einer Etage bis zu 300 Besucher begrüße. Dennoch habe er die gleichen Auflagen.

Ein Motto wie „Blau unterm Baum“ müsse man auch mit einer gewissen Ironie sehen. Jugendliche fänden das als „Party-Gag“ lustig. „Aber das ist kein Flatrate-Saufen, um Gottes Willen“, betont Frangenberg. Die Devise werde ebenso wenig ernst genommen, wie das Motto einer „Fremdgeh-Party“ in der Klangfabrik.

„95 Prozent der Besucher sind wahrscheinlich völlig in Ordnung“, glaubt Dirk Bernstein. Doch Ruhe werde wohl erst einkehren, wenn die Disco eines Tages geschlossen werde. Seine Frau jedenfalls fühlt sich angesichts der ständigen Ärgernisse von der Siegburger Politik im Stich gelassen.