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„Nur noch Vorrat für anderthalb Tage“Blutkonserven werden in Rhein-Sieg knapp – DRK warnt

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Die Verwaltung der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid war zum Blutspenden aufgerufen. Das DRK war mit dem Blutspendedienst West in einem neuen und moderen Fahrzeug auf den Parkplatz der Gesamtschule Neunkirchen gekommen. Auch Kristina Schik aus der Presseabteilung spendete Blut.

Blutspendetermin der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid in einem speziellen DRK-Fahrzeug des Blutspendediensts West.

Das Gesundheitssystem sei auf regelmäßige Spenden angewiesen, erklärt der Vorstand des DRK Rhein-Sieg. 

Schwere Operationen, Krebsbehandlungen, Herstellung lebenswichtiger Medikamente, Hilfe nach einem Unfall: Der Einsatz von Blutkonserven ist vielfältig. Doch nun ist der Bestand besorgniserregend geschrumpft. „Wir haben noch einen Lagerbestand für 1,5 Tage in Nordrhein-Westfalen“, sagt der geschäftsführende Vorstand des Deutschen Roten Kreuzes Rhein-Sieg, Frank Malotki. „Bei bestimmten Operationen oder auch Krebsbehandlungen braucht man schnell 15 bis 20 Konserven.“

Normalerweise reichten die Konserven für fünf Tage, erläutert Malotki; durch die Weihnachtsfeiertage, den Wintereinbruch und eine Erkältungswelle sei die Zahl der Spenden aber deutlich gesunken. Viele Termine seien ausgefallen oder seien nur spärlich besucht gewesen.

Spenden sind nicht lange haltbar

Hinzu komme, dass die Spenden nicht lange haltbar seien. Aus dem gespendeten Blut werden zum Beispiel bestimmte Präparate hergestellt, die zur Therapie bei schweren Krankheiten genutzt werden und die schnell verfallen. Sie könnten aber nicht künstlich hergestellt werden, erläutert der geschäftsführende Vorstand des DRK in Rhein-Sieg. Umso wichtiger seien regelmäßige Spenden.

„Ein kleiner Piks, anderthalb Stunden Zeit, drei- oder viermal im Jahr - da tut man was Gutes“, fasst Malotki zusammen. Und zwar nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für sich selbst. Denn mit der Blutspende ist immer eine Untersuchung verbunden. Es komme durchaus vor, dass eine Spenderin oder ein Spender im Nachhinein kontaktiert werde, weil es Auffälligkeiten im Untersuchungsergebnis gegeben habe. 

Lange Wartezeiten werden durch ein Anmeldesystem vermieden, das der Blutspendedienst West einführte: Mit der Anmeldung wird gleich eine Zeit für die Spende vergeben. Spontane Besuche seien aber weiterhin möglich. Auch das Blutspendemobil sei weiterhin unterwegs. In größeren Städten, berichtet Malotki, probiere man das Konzept von Pop-up-Lokalen aus: In Einkaufszentren oder ‑straßen würden für einige Wochen oder sogar Monate leer stehende Ladenlokale angemietet und für Blutspenden genutzt. „Die Zahl der Erstspender ist hoch“, sagt Malotki, sie dauerhaft zu halten, sei jedoch schwierig.

Bundesweit weniger Spenden durch Corona-Pandemie

Kritische Versorgungssituationen seien bislang nicht entstanden, sagt Sarah Wallpott, kaufmännische Direktorin der GFO-Kliniken Troisdorf: „Die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten mit Blutkonserven und hier insbesondere die Versorgung mit Notfallkonserven für akute Blutungsnotfälle war beziehungsweise ist in den GFO-Kliniken Troisdorf bislang jederzeit sichergestellt.“ Allerdings sei das Blutspendenaufkommen seit der Corona-Pandemie bundesweit zurückgegangen und bislang nicht wieder auf das frühere Niveau gestiegen.

Die Verteilung der Blutkonserven laufe über überregionale Blutspendedienste, Krankenhäuser würden direkt von Blutspendediensten oder über Großhändler beliefert. Neben Troisdorf und Sieglar betreiben die GFO-Kliniken in der näheren Region Krankenhäuser in Bad Honnef, Bonn und Bonn-Beuel. GFO steht für die Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH.

Die GFO-Kliniken Troisdorf arbeiteten mit Großhändlern zusammen; vereinzelt seien in den vergangenen Jahren Kontingente gekürzt worden. Das gelte insbesondere für traditionell spendeschwache Zeiten wie die Sommerferien oder die Weihnachtsfeiertage. „Diese Kürzungen betreffen immer alle Krankenhäuser gleichermaßen und nicht spezifisch unsere beiden Standorte“, teilt Wallpott mit.

Blutsparende Maßnahmen als Alternative

Im Fall von Engpässen würden unverzüglich alle Chefärztinnen und Chefärzte sowie die Transfusionsbeauftragten der Abteilungen informiert. „Ob Fremdblut benötigt wird oder nicht, prüfen wir ohnehin grundsätzlich bei uns streng. Wenn möglich, wenden wir blutsparende Maßnahmen an, zum Beispiel sogenannte Autotransfusionen bei geeigneten OPs und Patientinnen und Patienten, um weniger mit Fremdblut arbeiten zu müssen.“

Johannes Wingenfeld, Hauptamtsleiter bei der Stadt Lohmar, spendet seit 32 Jahren Blut.

Johannes Wingenfeld, Hauptamtsleiter bei der Stadt Lohmar, spendet seit 32 Jahren Blut.

Spender Johannes Wingenfeld: Den 100. Spendetermin schon fest im Blick

Der Lohmarer Johannes Wingenfeld zählt zu den Zeitgenossen, die dafür sorgen, dass Engpässe gar nicht erst auftreten. „Ich spende, seitdem ich 18 Jahre alt bin“, sagt der 50-Jährige, der bis vor Kurzem das Bürgermeisterbüro in Siegburg leitete und als Hauptamtsleiter zur Stadt Lohmar wechselte. Seine Mutter habe ihn damals zu seiner ersten Spende mitgenommen. Seitdem sehe er die Blutspende als gute Möglichkeit, etwas Gutes zu tun – und entsprechend habe er noch nie Geld für sein Blut genommen.

„Ich versuche mittlerweile, sechsmal im Jahr zu spenden, und nehme dafür Anfahrten bis zu 15 Kilometern in Kauf“, sagt Wingenfeld, der dazu gern mit dem E-Bike anreist, aber auch darauf achtet, gemütlich zu fahren und sich nicht zu überanstrengen. „Abends noch kicken sollte man nicht.“ Besonders freue er sich, wenn er jemanden für das Spenden habe begeistern können, der dann festgestellt habe, dass das gar nicht so schlimm sei. „Es macht Spaß, die Leute auf das ganze Umfeld vorzubereiten.“

Wingenfeld spendet für das Deutsche Rote Kreuz. Die Kritik, dass damit Geld verdient wird, zähle für ihn nicht. „Dass das wirtschaftlich sein muss, ist doch gar keine Frage.“ 78-mal spendete er bislang, und den 100. Termin hat er schon fest im Blick.


Kommende Spendetermine im Rhein-Sieg-Kreis

Kostüme und Frohsinn sind zur Närrischen Blutspende erwünscht, die am Dienstag, 20. Januar, 15.30 bis 20 Uhr, in der Kulturhalle Kabelmetal in Windeck-Schladern organisiert wird.

Für Sonntag, 25. Januar, lädt das Rote Kreuz in Much von 9 bis 13 Uhr zur Blutspende ein. Erstmals findet die Aktion in der Turnhalle Sülzberg, Klosterstraße 4a, statt.

Für Dienstag, 3. Februar, wird zur Spende auf den Marktplatz in Königswinter-Eudenbach gebeten, von 16 bis 19.30 Uhr, an der Schulstraße 10-12.

Ebenfalls am Dienstag, 3. Februar, 16.30 bis 19.30 Uhr, ist die Blutspende im Schulzentrum/Pädagogischen Zentrum an der Alten Marktstraße in Sankt Augustin möglich.

Weitere Termine: Mittwoch, 4. Februar, 16 bis 19 Uhr, Windeck-Leuscheid, Evangelisches Gemeidehaus Moesstraße 6, Freitag, 6. Februar, 15 bis 19 Uhr, Siegburg, Gymnasium Alleestraße, Alleestraße 2, und Montag, 9. Februar, 16 bis 19.30 Uhr, Niederkassel-Mondorf, Katholische Grundschule, Beckergasse 49, sowie im Internet.

Bei Online-Terminreservierung sind Spenden ohne Wartezeit möglich.