Auf dem Weg zur eigenen Photovoltaikanlage hilft seit März das ehrenamtliche Team der Bürger-Solar-Beratung Siegburg.
Bürger-Solar-BeratungSiegburger Berater setzen auf die Sonne

Photovoltaikanlage auf dem Dach des Siegburger Rathauses: Die Kreisstadt unterstützt auch eine ehrenamtliche Bürger-Solar-Beratung.
Copyright: Andreas Helfer
Photovoltaik gilt als Schlüsseltechnologie für eine bessere CO2-Bilanz und den Ausstieg aus fossilen Energien und auf den ersten Blick besser zugänglich als noch vor einigen Jahren: Die Preise für die Anlagen sind gefallen, die Montage durch Fachfirmen ist eine Alltäglichkeit. Doch auf den zweiten Blick steckt der Teufel oft im Detail, wenn die PV-Anlage zu den eigenen vier Wänden und Vorstellungen passen soll.
„Es gibt viele Stolperfallen“, gibt PV-Berater Kurt Böttner zu bedenken. Das könne ein Gerüst für die Montage einer PV-Anlage sein, das im Angebot nicht auftauche, die richtige Kapazität für einen Wechselrichter oder einen Speicher. Böttner weiß, wovon er spricht: Er gehört zum ehrenamtlichen Team der Bürger-Solar-Beratung Siegburg. Mit sieben weiteren Kollegen versucht er, den Weg zur eigenen Photovoltaikanlage so einfach wie möglich zu machen.
Neutralität wird groß geschrieben
Wichtig ist den Beratern ihre Neutralität. Sie klären mit den Interessenten den Bedarf für eine Photovoltaikanlage, besprechen technische Anforderungen und erstellen eine detaillierte Ertrags- und Wirtschaftlichkeitsprognose. Dann können die Kundin oder der Kunde Angebote einholen. Das Team rät bei der Auftragsvergabe zu verlässlichen Firmen aus der Region und hilft bei Bedarf beim Vergleich der Angebote. Aber: „Wir geben keine Empfehlung“, hebt Böttner hervor.
Metropol Solar, ein gemeinnütziges Netzwerk für erneuerbare Energien, hat die Schulung der Berater übernommen. Unterstützt werden die Ehrenamtler durch die Kreisstadt, die folgendermaßen für das Angebot wirbt: „Die Beratung ist kostenfrei und ohne Verkaufsinteressen, sie soll eine fundierte Entscheidungsgrundlage geben. Denn in den meisten Fällen rechnet sich eine PV-Anlage bereits nach überschaubarer Zeit: Sie senkt dauerhaft die Stromkosten, macht unabhängiger von steigenden Preisen der Energieversorger und leistet gleichzeitig einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.“

Bürger-Solar-Beratung Siegburg, von links: Dieter Strothmann, Norbert Meurer, Thomas Zirngibl, Michael Bösing und Kurt Böttner.
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40 Beratungen hat das Team seit März auf den Weg gebracht, vom Balkonkraftwerk bis hin zu großen Anlagen auf Wohnhausdächern mit Speichern, die auch eine Wärmepumpe versorgen. Ausrichtung, Dachneigung und Verschattung werden berücksichtigt, wobei eine Spezialsoftware hilft. Komplette Lösungen können die Berater planen und, so Berater Michael Bösing, für eine Wärmepumpe einen Deckungsgrad berechnen. „Bei einem E-Auto ist es ähnlich.“
Interessenten sollten Strom und gegebenenfalls Gasabrechnungen und, falls vorhanden, Informationen zum Dachaufbau, geplanten Sanierungen oder eventuellem Denkmalschutz eines Gebäudes vorlegen können. Auch Bilder vom Sicherungskasten können hilfreich sein. Besonders ernst werde der Datenschutz genommen, betont Bösing.
Große Motivation im Team
Aus Sicht der Berater muss ein ziemlicher Aufwand betrieben werden. „Das kann schon einen ganzen Arbeitstag in Anspruch nehmen“, sagt Böttner. Groß ist allerdings auch die Motivation im Team: „Man tut etwas für Natur und Umwelt“, das ist dem Elektroingenieur Bösing wichtig. „Ich interessiere mich aber auch grundsätzlich für Technik.“

Balkon-Photovoltaikanlage an der Straße Auf der Papagei in Siegburg-Wolsdorf.
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„Eine Photovoltaikanlage ist ein Stück Freiheit von ideologisch gesteuerter Politik“, findet Dieter Strothmann. Dem ehemaligen Sachverständigen für Immobilienbewertung ist der Umweltaspekt wichtig: „Jedes Partikel, das nicht in die Atmosphäre gelangt, ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Er schätzt bei der Beratung, immer wieder neue Leute kennenzulernen. „Man kommt rum, das ist immer wieder spannend.“ Da er seit dem 1. Juli in Rente ist, kann er sich dafür noch mehr Zeit nehmen.
„Ich zahle fast nichts mehr für meinen Strom, darauf bin ich stolz“
Alle Berater haben langjährige Erfahrung mit eigenen PV-Anlagen, bei Norbert Meurer sind es rund 20 Jahre. „Ich zahle fast nichts mehr für meinen Strom, darauf bin ich stolz“, sagt der gelernte Elektrotechniker im Ruhestand. „Die Sonne hat mir noch nie eine Rechnung geschickt.“ Ihm wäre es lieb, wenn es noch viel mehr Gleichgesinnte geben würde. „Wenn wir in Deutschland alle kleinen Dachflächen für Photovoltaik nutzen würden, hätten wir schon eine Menge getan.“ Böttner schätzt, dass die meisten Anlagen, zu denen er beraten habe, sich in unter zehn Jahren amortisierten. Bösing zufolge trägt vor allem der Eigenverbrauch dazu bei, dass sich die Investition in eine Photovoltaikanlage rechnet, weniger die Einspeisung ins Netz.
Thomas Zirngibl, bis vor kurzem als Polizist berufstätig, beteuert: „Wir alle haben positive Erfahrungen mit der Technologie gemacht.“ Viele Leute seien dagegen verunsichert, nicht zuletzt durch die wenig verlässliche Energiepolitik. Ihm ist auch wichtig, sich mit Stromerzeugung und einem leistungsstarken Speicher für eine gewisse Zeit unabhängig zu machen, etwa bei einem größeren Stromausfall, wie er ihn vor Jahren auf Streife in Neunkirchen-Seelscheid erlebte. „Dann kommt man besser mit einer Notfallsituation zurecht.“ Mit der Hitzewelle Ende Juni rückt noch eine reizvolle Variante in den Fokus: „Die Klimaanlage für umsonst“, formuliert es Zirngibl, für die Photovoltaik den nötigen Strom liefert.
Metropol Solar wurde als Netzwerk im Rhein-Neckar-Raum 2006 gegründet und ist heute nach eigenen Angaben bundesweit tätig, um „neutrale wirtschaftlich und parteipolitisch unabhängige Aufklärungsarbeit“ zu leisten, durch „praktische Information und Beratung, Entwicklung von Konzepten, Unterstützung von Organisationsgründungen, Netzwerk-Aktivitäten und Kampagnen“. Seit 2021 gibt es die Schulungen für Bürger-Solar-Berater.
Ein offenes Treffen der Siegburger Berater-Gruppe findet jeden ersten Mittwoch im Monat von 17 bis 19 Uhr statt. Anmeldung und nähere Informationen per E-Mail.
