Laut Gründer Tim Engelbrecht hat das Team von Cookit mittlerweile 1200 Rezepte entwickelt. Die Auswahl wechselt wöchentlich.
HelloFresh in regional„Cookit“ bietet Kochtüten am Siegburger Markt – Lieferungen bis nach Köln

Firmengründer Tim Engelbrecht stellt sich seit 2013 mit dem Cookit-Wagen an den Bonner Markt.
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Am Markt liegen frisches Obst und Gemüse aus der Region aus. Im Hintergrund sind Rufe von Verkäuferinnen und Verkäufern zu hören, die ihre Waren anpreisen. Es ist Samstagvormittag, und an einem Wagen unterhalten sich Menschen unterschiedlichen Alters mit einem Verkäufer, der von braunen Papiertüten umringt ist.
Tim Engelbrecht, Geschäftsführer von „Cookit“, steht im fahrbaren Stand, zupft während der Gespräche Koriander ab und packt ihn zu den Kochtüten – aber nur, falls gewünscht. Danach erkundigt er sich vorher. „Damit seid ihr für das Wochenende bestens versorgt“, sagt der 42-Jährige nach der Übergabe von drei Kochtüten an einen Mann (32) und eine Frau (28) mit einem breiten Lächeln.
Wie funktioniert das Geschäft mit den Kochtüten in der Region?
Das Konzept von Cookit ist mit dem Prinzip des Unternehmens Hellofresh vergleichbar: Die Unternehmen bieten wöchentlich wechselnde Gerichte an, die für zwei bis vier Personen bestellt und an diese zugeliefert werden können. Die Mahlzeiten sind allerdings nicht fertig zubereitet. Stattdessen werden die Zutaten in entsprechenden Mengen zum Selbstkochen verpackt, bei Hellofresh in Boxen, bei Cookit in Tüten.

Einer der beiden Cookit-Wagen auf dem Bonner Markt
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Es gibt aber größere Unterschiede bei den Anbietern: Die Firma Cookit mit Sitz in Bonn nutzt im Regelfall weniger Plastikverpackungen, da die Zutaten im regionalen Liefergebieten kürzere Wege zurücklegen, als es bei den deutschlandweiten Lieferungen von Hellofresh der Fall ist. Auch die Zutaten stammen laut Geschäftsführer Tim Engelbrecht größtenteils aus der Region. Außerdem können die Kochtüten im Gegensatz zu den Kochboxen an Verkaufswagen in Siegburg und Bonn zur Abholung vorbestellt oder vor Ort spontan gekauft werden.
Das Familienunternehmen lief erst mühsam an
Tim Engelbrecht und sein Bruder Fabian gründeten das Unternehmen 2011. Cookit habe als eine Projektarbeit in seinem BWL-Studium begonnen, sagt Tim Engelbrecht. Kochen als Hobby habe er in das Projekt eingebracht. „Zwei Jahre später stand der erste Wagen auf dem Bonner Marktplatz. 2013 gab es Hellofresh noch nicht“, erinnert sich der 42-Jährige: „An den Märkten und Bauernhöfen haben wir keine offenen Türen vorgefunden. Erstmal mussten wir den Leuten erklären, was eine Kochtüte ist.“ In den ersten fünf Jahren nach der Gründung sei es zwar schleppend gelaufen, aber das Unternehmen sei stetig gewachsen. Auch auf dem Siegburger Markt ist Cookit zu finden.
Die beiden Brüder sind in Altendorf in Meckenheim aufgewachsen. Sie hätten sich in der Anfangsphase ihres Unternehmens gefragt, welche saisonalen Zutaten es in der Region gebe. „Es kommt total viel von hier“, kann Engelbrecht diese Frage inzwischen beantworten: „Den Kräutern aus Bornheim können wir beim Wachsen zusehen.“

Die Kochtüten werden in Bonn verpackt.
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Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen nach Angaben Tim Engelbrechts 22 Mitarbeitende: „In den Marktständen, in den Vorbereitungsräumen und als Fahrer im Lieferdienst. Mein Bruder kümmert sich um die Hintergrund-Logistik. Meine Themen sind die Rezeptentwicklung und das Marketing.“ An den Ständen und Packtischen finde man sie beide.
Unter dem gemischten Publikum sind viele junge Familien
„Wir decken eine lokale Nische ab“, erläutert Engelbrecht: „Viel läuft über Mundpropaganda.“ Die Gespräche an den Ständen seien fast familiär, berichtet der vierfache Vater: „Wir haben unglaublich viele Stammkunden. Das Publikum ist irre gemischt.“ Die Hauptzielgruppe sei im Alter von Ende 20 bis Ende 40. Dazu gehörten viele junge Paare, teils mit Kindern, die ernährungsbewusst und lokal einkaufen wollten. Daran sei auch die Größe der Portionen orientiert: „Es sollte immer ein Kind mitessen können.“ Und: „Auch zwei starke Esser sollen von zwei Portionen satt werden.“
Außer Bonn und Siegburg beliefert das Unternehmen auch das Kölner Stadtgebiet. „Wir liefern vom Kölner Norden bis in den Bonner Süden und an alles, was dazwischen liegt.“ Für den Kölner Raum seien seit Kurzem mehr Fahrer im Einsatz. „Die Stände und der Lieferdienst sind unsere zwei Standbeine“, sagt Engelbrecht.
Mitarbeitende haben inzwischen 1200 Rezeptideen entwickelt
In der Bonner Firma entwickle das Team regelmäßig neue Gerichte für die Kochtüten. 1200 seien es mittlerweile. „Die beliebtesten Gerichte kommen immer wieder“, berichtet Engelbrecht: „Es dauert aber schon ein Jahr, bis sich etwas wiederholt.“

Im Firmengebäude hängen einige Rezepte analog an der Wand, aber alle Rezepte sind digital abgespeichert.
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Wie werden die Rezepte entwickelt? „In erster Linie gehe es um die Verfügbarkeit: Was ist gerade da? Womit wollen wir arbeiten?“, antwortet Engelbrecht. Inspirieren lasse sich das Entwicklungsteam auch von Länderküchen. „Mittlerweile sind wir gut darin, einzuschätzen, was funktioniert: Neun von zehn Gerichten sitzen im zweiten Anlauf. Wenn ein Gericht im dritten Anlauf nicht klappt, wird es verworfen – egal, wie nah dran man ist.“
Die Kundenmeinung zu den gekochten Gerichten fragt die Firma über Social Media ab. Auch an den Ständen gebe es viel direktes Feedback: „So haben wir die Rezepte seit Jahren verbessert.“ Eine Serie zu Backmischungen für Brote sei so gut angekommen, dass sie im monatlichen Wechsel fortgeführt werde.
Auf den Zubereitungsanleitungen, die den Kochtüten beigefügt werden, verzichte man bewusst auf Kalorienangaben. „Die Gerichte sollen nicht danach ausgesucht werden“, erläutert Engelbrecht: „Wir achten auf die Nährwerte.“ Die saisonale Ernährung passe im Regelfall zum körperlichen Bedarf in der entsprechenden Jahresphase. Was allerdings auf den Rezeptkarten steht, sind die genauen Grammangaben der Zutaten. „Die Kundinnen und Kunden sollen die Gerichte nachkochen können“, begründet Engelbrecht.
Wir wollen regional verwurzelt bleiben.
Auf die Fragen, wie es mit seinem Unternehmen weitergehen wird, antwortet Engelbrecht: „Wir wollen regional verwurzelt bleiben. Wir sind nicht franchise-kompatibel.“ Das Unternehmen wachse zwar, solle aber „schlank“ bleiben. Über die Jahre und aufgrund der Vernetzung mit Erzeugern in der Region wisse das Team, wann die Zutaten verfügbar und besonders günstig seien.
Derzeit sei eine Gewürz-Serie in Arbeit, bei der erklärt werden soll, wie aus 15 Grundgewürzen unterschiedliche Mischungen hergestellt werden können. „Jeder kann das selber nachbauen“, sagt Engelbrecht: „Wir wollen das Küchen-Know-how vermitteln.“ Mit der Serie sei ab dem Sommer zu rechnen. In naher Zukunft sei zudem ein Foodblog mit übergreifenden Projekten geplant: „Unser Team geht zum Beispiel in den Asia-Markt und zeigt, wo man Kokosblütenzucker herbekommt.“
Einzelne Tüten oder Rezeptmixe können online vorbestellt werden. Hier findet sich auch eine Wochenkarte der Gerichte. Der Wagen am Bonner Wochenmark ist mittwochs und freitags von 8.30 bis 18 Uhr geöffnet. An Samstagen steht der Wagen bis 16 Uhr am Markt. In Siegburg bietet der Stand mittwochs und samstags von 9.30 bis 15 Uhr Kochtüten an.
