ADFC gibt der Kreistadt nur die Note 3,9 – Bahnhofstraße und Humperdinckstraße werden als Fahrradstraßen ausgewiesen.
Beschlüsse im MobilitätsausschussFahrradstraßen auf der Nord-Süd-Achse Siegburgs

Die Bahnhofstraße in Siegburg wird als Fahrradstraße ausgewiesen.
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Gerade einmal eine Schulnote von 3,9 hatte der ADFC der Kreisstadt im Fahrradklimatest 2024 gegeben, der jetzt mit etwas Verzögerung den Mobilitätsausschuss beschäftigte. Den Schnitt hatten die Breite der Radwege (4,9), die Ampelschaltungen für Radler und die Verkehrsführung an Baustellen (4,7) verhagelt, ebenso wie Falschparken-Kontrollen auf Radwegen (4,6), Fahren im Mischverkehr mit Kfz (4,6) oder die Oberflächen von Fahrwegen (4,4), um nur einige Kriterien zu nennen. Allerdings: Die Kreisstadt liegt sogar leicht über dem Bundesdurchschnitt von 3,92.
Als positiv genannt wurden öffentliche Fahrräder/Fahrradverleih (2,2), die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,4), für Räder geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung (2,4) und zügiges Radfahren (2,8). Autofahrer überholten meist zu eng (4,6), es herrsche eher ein aggressives Klima im Verkehr (3,9), und es werde eher nicht für ein rücksichtvolles Verhalten im Verkehr geworben (4,2), waren Einzelbewertungen, die sich ebenfalls negativ niederschlugen. Zwischen Radfahrern gebe es allerdings eher selten Konflikte (2,5).
Siegburg in der oberen Hälfte seiner Ortsgrößenklasse
179 Teilnehmende hatten sich an der Umfrage für den Fahrradklimatest beteiligt. Die Zahl ist rückläufig: 2020 lag sie bei 246 Teilnehmenden, 2022 bei 211. Mit der Note bewegt sich Siegburg in der oberen Hälfte seiner Ortsgrößenklasse und landete auf Rang 183 von 429. Die 3,9 gab es auch bei der Umfrage 2022, 2020 lag sie bei 4,0. Der schlechteste Wert wurde 2018 mit 4,2 erreicht.
„In den letzten Jahren haben wir uns nicht wirklich fortentwickelt“, räumte Andreas Franke (SPD) ein, er hoffe auf die nächsten Jahre mit neuen Konzepten und der Ablösung wenig sicherer Schutzstreifen durch Fahrradstraßen und getrennte Radwege. „Wir haben einiges getan“, sagte Jürgen Peter (CDU), das sei offensichtlich aber noch nicht so wirksam, dass man es entsprechend wahrnehmen könne. Das Testergebnis sehe er als Auftrag, an dem Thema weiterzuarbeiten.
Fahrradstraßen für die Radpendlerroute
Die mäßige Note verwundert, da das Thema Radfahren im Mobilitätsausschuss üblicherweise großen Raum einnimmt, so auch in der vergangenen Sitzung. Dort stand einmal mehr das Thema Radpendler-Route Lohmar-Siegburg-Sankt Augustin auf der Tagesordnung, für die in Nord-Süd-Richtung Fahrradstraßen geschaffen werden sollen. Für die Humperdinckstraße zwischen Kaiserstraße und Friedrich-Ebert-Straße sowie die Bahnhofsstraße zwischen Wilhelmstraße und Markt fasste der Ausschuss jetzt die notwendigen Beschlüsse.
Auf einer Fahrradstraße dürfen laut Straßenverkehrsordnung ausschließlich Fahrräder und Elektrokleinstfahrzeuge wie E-Roller fahren. Es sei denn, andere Fahrzeuge sind durch Zusatzzeichen gestattet. Dabei gilt auch für Fahrräder eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden, Nebeneinanderfahren ist für Räder erlaubt, auch für Elektrokleinstfahrzeuge.
Philipp Starke (Die Grünen) sprach von „einem kleinen Aufschlag“, den er begrüße, er wünsche sich aber mehr Mut, mehr umzusetzen. Ähnlich sah es Andreas Franke: „Ich hoffe, dass das nur ein Anfang ist.“ Oguz Cekin, Leiter des Amts für Mobilität und Infrastruktur, zeigte sich wegen verkehrsrechtlicher Vorgaben skeptisch, was zusätzliche Fahrradstraßen angeht. Erkenntnisse hierzu würden in der nächsten Sitzung des Gremiums vorgestellt.

Soll stärker beworben werden: Fahrradgarage an der Konrad-Adenauer-Allee in Siegburg
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Deutlich hinter den Erwartungen bleibt die neue Fahrradgarage an der Konrad-Adenauer-Allee zurück. Reagiert werden soll jetzt mit günstigeren Tarifen und einer neuen App für die Buchung. Jürgen Peter sagte, er erachte die entsprechenden Vorschläge für sinnvoll, er sei zudem überrascht, dass die Garage „nicht richtig ankommt“. Sie führe zu einem erheblichen Kostenapparat, auf der anderen Seite aber zu einem nur geringen Deckungsbeitrag durch geparkte Fahrräder. Andreas Franke geht davon aus, dass die Garage an einem „schlechten Ort“ stehe.
„Wir geben das nicht auf“, bekräftigte der Technische Beigeordnete Stephan Marks. Die Garage sei einerseits zwar nur schwer zu sehen, andererseits aber unmittelbar an der Straßenbahnlinie 66 gelegen. Abhilfe soll Werbung schaffen, mit großen Schildern an der Konrad-Adenauer-Allee. Erfahrungsgemäß seien die ersten Jahre die schwierigsten, sagte Oguz Cekin.

