Die angehende Restauratorin Johanna Baldus investierte rund 30 Arbeitsstunden in die Marienfigur der Kapelle an der Mühlenstraße.
Frischer Glanz mit VorsichtWie die Siegburger Marienfigur restauriert wurde

Johanna Baldus hat die Marienfigur in der kleinen Kapelle an der Siegburger Mühlenstraße restauriert.
Copyright: Andreas Helfer
Pünktlich zur Einsegnung ist die Marienfigur an der Mühlenstraße fertig geworden. Nur noch ein paar weiße Stellen auf dem ansonsten strahlend blauen Kleid der Madonna musste Restauratorin Johanna Baldus überpinseln, um ihre Arbeit abzuschließen. Den letzten Tag der Restaurierung hat sie als öffentliches Atelier gestaltet, zu dem sie und Andrea Korte-Böger, Vorsitzende des Vereins Freunde und Förderer des Michaelsbergs, Fragen beantworteten.
Eine Passantin äußerte sich spontan: „Ich bin immer wieder begeistert, wie sich um die Kapelle gekümmert wird“, sagte sie. „Es ist ganz toll, dass das hier gemacht wird.“ Immer wieder beobachte sie, wie Menschen an der Kapelle innehielten, Kerzen oder Blumen brächten.
Jedes Projekt ist anders.
Johanna Baldus schätzt, dass sie rund 30 Arbeitsstunden in die Restaurierung investiert hat. „Jedes Objekt ist anders“, weiß die Studentin aus Erfahrung. Innerhalb einer Woche absolviert sie ihre mündlichen Prüfungen an der TH Köln und hat dann ihren Master für Konservierung und Restaurierung.

Zwei Tage gestaltete Johanna Baldus (rechts) als offens Atelier, mit Andrea Korte-Böger (2. von rechts).
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Andrea Korte-Böger geht davon aus, dass die 1755 angeschaffte Figur dem Barock zuzuordnen ist. Eigentlich erwarte man für diese Zeit in Siegburg eher eine Holzfigur, nicht die teure Ausführung in Sandstein. Die Marienfigur sei mehrfach umgezogen, habe ursprünglich an der Mühlenstraße, aber auch in der Nachkriegszeit zeitweise an der Ringstraße gestanden. Den Ort in der Nähe des früheren Stadttors habe der Abt auf dem Michaelsberg wohl gewählt, um Siegburg als Wallfahrtsort attraktiver zu machen.
Marienfigur wurde mindestens zweimal überstrichen
Zu sehen sei eine durchaus typische Darstellung Marias mit dem Christuskind. Dieses wirke, „den Blick in die Welt gerichtet“, eher wie ein kleiner Erwachsener, auch durch die Geste seiner segnenden rechten Hand. Typisch seien auch Zepter für die Gottesmutter und Weltkugel für den Heiland. „Die Figur passt gut zu den Proportionen der Kapelle“, befindet Korte-Böger, die 35 Jahre lang das Archiv der Kreisstadt leitete.
Baldus geht davon aus, dass die Marienfigur mindestens zweimal überstrichen wurde. Stellenweise scheint eine ursprünglich gelbe Bemalung durch. Die Schichten darüber haben einiges zu erzählen: In Kniehöhe findet sich auf Marias Kleid eine Art Krokodilhaut, die auf Kerzenruß und Hitze hinweist, der die Farbe zeitweise ausgesetzt gewesen sein muss.

Stellenweise sind noch alte Farbschichten erkennbar.
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Dort, wo die Farbe abzublättern drohte, musste die Restauratorin die Farbschicht vorsichtig anheben, um darunter einen speziellen Klebstoff anzubringen, der jetzt für neuen Halt sorgt. Mit kleinen Pinseln müsse sie dabei behutsam vorgehen, die Arbeit erfordere hohe Konzentration. Helfen könne auch, die Farben durch etwas Wärme und Feuchtigkeit wieder flexibel zu machen. „Manchmal reicht es, dazu einen Finger aufzulegen.“
Während der Restaurierung kam ein neues Detail hinzu: Maria und Jesus halten einen langen Rosenkranz mit fliederfarbenen Glasperlen, den jemand an die Gittertür der Kapelle gehängt hatte. „Das sieht aus, als würde er dazugehören“, findet Johanna Baldus, und auch Korte-Böger gefällt die Dekoration. Sie sieht darin gar einen Bezug zu einer hochmittelalterlichen Tradition: Gläubige hätten früher Schmuckstücke gestiftet, um die prächtigen Heiligenschreine zu gestalten, die heute in der Schatzkammer St. Servatius zu sehen sind.
Pfarrer Karl-Heinz Wahlen, leitender Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Servatius Siegburg, wird die frisch restaurierte Kapelle am Freitag, 31. Juli, segnen. Beginn ist um 15 Uhr.
