Die Gretel-Figur aus Bronze wurde unweit der Ilse-Hollweg-Brücke am Mühlengraben gefunden, die Suche nach der Hänsel-Figur dauert an.
Vandalismus am MichaelsbergWertvolle Hänsel und Gretel-Plastik in Siegburg zerstört

Die Plastik Hänsel und Gretel von Karlheinz Goedtke auf dem Michaelsberg wurde beschädigt.
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Vor Metalldieben ist offenbar nichts sicher, zu verlockend ist der Gewinn, mit ein paar Kilo Kupfer oder Bronze schnell Geld zu machen. Ihr Diebesgut finden sie auf Friedhöfen, zuletzt etwa in Kabelsträngen, ohne die die Linie 66 nicht funktioniert. Anders gelagert ist der Fall einer Plastik neben dem Spielplatz auf dem Michaelsberg: Dort beschädigten unbekannte Täter eine Bronzeplastik von Karlheinz Goedtke. Die Darstellung von „Hänsel und Gretel“, die seit mehr als 60 Jahren im Besitz der Kreisstadt ist, nimmt Bezug auf die weltberühmte Oper des in Siegburg geborenen Komponisten Engelbert Humperdinck.
Auf dem Sockel fanden sich nur noch die Füße der beiden Märchengestalten – die Stadt geht von einem Fall von Vandalismus aus. Ordnungsdezernent Martin Rosorius und Nico Novacek konnten gegen Mittag einen Teilerfolg melden: Eine Passantin hatte die Gretelfigur in der Nähe des Mühlengrabens unweit der Ilse-Hollweg-Brücke gefunden.
Strömungsretter suchen nach der Hänsel-Figur im Mühlengraben in Siegburg
„Leider in arg ramponiertem Zustand“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. „Die Täter müssen ihr rohe Gewalt angetan haben.“ Rosorius selbst hatte bei der Polizei die Anzeige aufgegeben. Die Grünflächenabteilung des Bauhofs suchte anschließend nach Hänsel, wozu Strömungsretter in den Mühlengraben stiegen. Zumindest bis Redaktionschluss blieb die Suche ohne Erfolg.

Strömungsretter der Feuerwehr suchen im Mühlengraben nach der fehlenden Hänsel-Figur.
Copyright: Marius Fuhrmann
Fassungslos und wütend ist nach eigenem Bekunden Bürgermeister Stefan Rosemann: „Ein Stück Zeitgeschichte und Kulturgut ist damit verloren.“ Die Stadt habe Strafanzeige erstattet. Hinweise zu den Tätern erbittet er per E-Mail an rathaus@siegburg.de.
„Das tut einem in der Seele weh“, sagt Susanne Haase-Mühlbauer, Vorsitzende der Humperdinck-Freunde Siegburg e.V. Die „grazilen und anmutigen“ Formen des Kunstwerks seien ihm offenbar zum Verhängnis geworden: Oberhalb der schmalen Fußgelenke seien die Figuren abgebrochen. Die Plastik gehöre zur Siegburger Identität und sei bereits von vielen Bürgerinnen und Bürgern auf den Vorfall angesprochen worden. „Das bewegt die Stadt und hat uns zutiefst verletzt.“
„Unbedingt“ müsse die Plastik restauriert oder ersetzt werden, wobei Susanne Haase-Mülbauer die Hoffnung hegt, dass sich im Nachlass des Künstlers noch die alte Gießform findet. Der Verein werde sich an den Kosten für einen neuen Bronzeguss beteiligen. Sicherlich werde man dann aber über den Standort noch einmal nachdenken müssen. Offenbar habe die Plastik am Michaelsberg zu verborgen gestanden.
Plastik war Geschenk zum 900-jährigen Bestehen Siegburgs
Für die Stadt ist die Plastik von hohem ideellen Wert: Rosemann zufolge stammt sie von dem Bildhauer Karlheinz Goedtke. Die Phrix-Werke machten sie der Kreisstadt 1964 zum Geschenk, anlässlich des 900-jährigen Bestehens der Kreisstadt 1964. Zunächst stand sie an der Stadthalle, seit 1968 rechts des Rathauseingangs. Im Zusammenhang mit der Sanierung der Stadtverwaltung wechselte sie den Standort zum Spielplatz auf dem Michaelsberg.

Die Plastik neben der Treppe hinauf zum Katholisch-Sozialen Institut.
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Karlheinz Goedtke (1905–1995) schuf zahlreiche Plastiken, die bis heute das Stadtbild vieler Orte prägen: die „Badende“ in Timmendorfer Strand, den Eulenspiegelbrunnen in Mölln und den „Segler“ in Kiel. Ab 1930 absolvierte er eine Ausbildung an der Meisterschule des Kunsthandwerks in Stettin bei dem ehemaligen Bauhausschüler Kurt Schwerdtfeger. 1940 wurde Goedtke zum Kriegsdienst eingezogen und kehrte schwer verwundet zurück. Anschließend nahm er seine künstlerische Arbeit in Farchau bei Ratzeburg wieder auf, bevor er 1951 nach Mölln zog.
Dem Freundeskreis Karlheinz Goedtke zufolge erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf, die Peter-Paul-Rubens-Medaille, den Kulturpreis Oberschlesien des Landes Nordrhein-Westfalen, den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen sowie den Kulturpreis der Stiftung Herzogtum Lauenburg.
