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In die Stadt, um zu gestaltenIn diesen beiden Studios in Siegburg kann man kreativ werden

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Silja Schüler steht vor Regalen, in denen getöpferte Gefässe stehen.

Silja Schüler möchte den Kunden und Kundinnen des „Drehpunktes“ Wissen zu Keramik vermitteln.

Shoppen verlagert sich in die digitale Welt. Städtische Geschäfte reagieren mit Angeboten vor Ort, bei denen sich Kunden austauschen können.

In Zeiten des Onlinehandels müssen Geschäfte in der Innenstadt kreativ werden, um weiterhin Kundschaft anzulocken. In Siegburg verwirklichen zwei Geschäfte diese Idee, indem sie ihre Kundschaft kreativ werden lassen: das Keramikstudio „Drehpunkt“ an der Holzgasse 52 und das Kunststudio „Manu & Auto“, Markt 40.

Die beiden Geschäfte bieten Kurse an, bei denen Erwachsene und Kinder vor Ort gestalterisch tätig werden können. Nach Angaben der Geschäftsführerinnen Silja Schüler („Drehpunkt“) und Chang Gao („Manu & Auto“) soll es bei den Angebote darum gehen, persönliche Begegnungen zu ermöglichen und selbst etwas zu schaffen. „Man merkt, dass die Leute sich mit etwas beschäftigen wollen, ohne abgelenkt zu sein“, schildert Schüler.

Beide Studios arbeiten mit offenen Räumen, die sich an Laufkundschaft richten. Sie bieten aber auch Reservierungen für Kurse an, in denen Kreativtätigkeiten gelernt und vertieft werden können. Je nach Geschäft unterscheiden sich die Rahmenbedingungen und Kurse allerdings.

Persönliche Begegnungen statt KI

Der „Drehpunkt“ ist keine Töpferei im herkömmlichen Sinn. Es werden dort auch keine Töpferwaren verkauft. Vielmehr soll an den fünf Drehscheiben im Laden in Kursen für Kleingruppen Handwerkskunst vermittelt werden, die in der Kreisstadt schon auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblickt. 

Die berühmten Siegburger Schnellen machten das Steinzeug aus der Kreisstadt seinerzeit in ganz Europa bekannt. Heute ist die Siegburger Keramik in vielen Museen zu finden. Der Internationale Siegburger Keramikmarkt erinnert jedes Jahr am zweiten Juli-Wochenende an das Traditionshandwerk.

Nahaufnahme von getöpferten Schalen in einem Regal

In dem Geschäft Drehpunkt in der Siegburger Innenstadt können Kinder und Erwachsene, lernen zu töpfern.

„Der Bedarf an Siegburger Töpfen und Keramikwaren ist allerdings nicht mehr so wie in früheren Jahren vorhanden,“ schildert Silja Schüler, die ihr Keramikgeschäft mit ihrem Mann Martin Vogt führt. Deshalb setze sie in Zeiten von KI und Internet auf die persönliche Begegnung und Vermittlung des Handwerks. „Das ist eine schöne Art, mit anderen in Kontakt zu treten und gleichzeitig auch etwas mit den Händen zu schaffen“, betont die gebürtige Bonnerin, die in Köln Design bis zum Vordiplom studierte. Keramik selbst machen lautet die Devise.

Im „Drehpunkt“ bietet sie dafür verschiedene Kurse an: vom zweieinhalbstündigen Schnupperkurs zum Kennenlernen der Keramikarbeit an der Drehscheibe (89 Euro) über Grundkurse mit Drehen und Glasieren (210 Euro) bis hin zum Intensivkurs mit zwölf Stunden an Wochenenden (290 Euro). Donnerstags können Interessierte sich zudem zum „Late night“-Töpfern anmelden, keine Vorkenntnisse erforderlich.

Töpfern geht auch auf dem JGA

Die offene Werkstatt kann mit verschiedenen Modellen, etwa einer Einer- bis zur Zehnerkarte für Handaufbau, besucht werden. Die Preise sind online einsehbar. Auch für jüngere Töpfer und Töpferinnen können Zehnerkarten erworben werden. „Die Kinder formen auf Geburtstagsfeiern Einhörner, Ritter und Dinge, aus denen man nicht weiß, was es werden soll“, sagt die 52-jährige Geschäftsführerin und lacht.

Schüler leitet zudem einen Kurs der Volkshochschule in ihrem Studio, bei dem sie Wissen rund um Keramik und deren Verarbeitung vermittelt. „Das geht auch bei einem Junggesellenabschied.“ Die Hauptsache sei, durch die Wissensvermittlung einen Zugang zur Keramik zu schaffen.

Das neue Keramikstudio an der Holzgasse entstand in nur sechs Wochen. Laut Schüler und Vogt hat es dabei einige Schwierigkeiten gegeben, etwa bei der Renovierung und Einweihung. So konnte zum Beispiel der Brennofen erst zum Schluss installiert werden. Aber: „Es läuft gut an“, sagt Silja Schüler. „Viele freuen sich, etwas mit den Händen zu machen.“

Austausch ohne Bildschirm

„Manu & Auto“ hat nach Informationen der Siegburgerin Chang Gao Mitte Januar dieses Jahres eröffnet: „Im Februar ging es dann richtig los.“ Gemäß der studierten Grafikdesignerin ist der untere Abschnitt ihres Geschäfts für die Laufkundschaft vorgesehen. Dort werden neben handgefertigten Produkten Kaffee, Kuchen, Tee, Instantnudeln und weitere Snacks angeboten. Die Räume im ersten Stock können für private Anlässe, wie Geburtstagsfeiern, gebucht werden.

In dem Geschäft von Chang Gao können Kinder das Basteln mit verschiedenen Materialien ausprobieren.

In dem Geschäft von Chang Gao können Kinder das Basteln mit verschiedenen Materialien ausprobieren.

Gao zufolge ist der Laden als Treffpunkt konzipiert, in dem ein Austausch ohne Bildschirme stattfinden soll: „Zuhause läuft oft der Fernseher, da probieren die Kinder weniger aus.“ Die Grafikdesignerin erläutert, ihr sei daran gelegen, einen Gegenentwurf anzubieten, bei dem Kinder sich mit verschiedenen Materialen – „Stofftiere selber machen, Spiegel, Kerzen und Keramik verzieren“ – mit unterschiedlichen kreativen Tätigkeiten beschäftigen könnten. „Die Eltern müssen nicht gleich die notwendigen Bastelsachen einkaufen.“

Im oberen Stock ihres Studios finden laut der Geschäftsführerin auch Bemalkurse für Keramik statt, die vorab reserviert werden müssen. Die Kurse können online, per E-Mail oder unter 02241/3266720 beziehungsweise 0177/5016371 gebucht werden. Das Geschäft ist mittwochs bis sonntags von 11.30 bis 18.30 Uhr geöffnet.