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EhrenamtSiegburger Lotsinnen helfen bei Anträgen, Formularen und persönlichen Krisen

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Seit einem Jahr gibt es den Siegburger Lotsenpunkt in den Räumen der Sankt-Elisbeth-Kirche.

In den Räumen der Sankt-Elisbeth-Kirche beraten Ehrenamtlerinnen alle, die Hilfe benötigen.

Seit einem Jahr gibt es den Siegburger Lotsenpunkt. Zwölf Frauen unterstützen hier Menschen in den verschiedensten Problemlagen. 

Sie helfen beim Ausfüllen von Anträgen jeglicher Art, beim Verstehen von Behördenschreiben und hören zu, wenn es um Krisensituationen im Alltag geht. Seit einem Jahr gibt es den Siegburger Lotsenpunkt. Zwölf ehrenamtliche Lotsinnen unterstützen alle, die Hilfe benötigen, in den unterschiedlichsten Lebenslagen. Jeden Montagvormittag sind jeweils zwei von ihnen in der früheren Werktagkapelle der Sankt-Elisabeth-Kirche anzutreffen.

Ihr Angebot ist offen für alle Menschen, unabhängig von Alter, Religion oder Sprache, betonen die Lotsinnen. Anmeldungen sind möglich, aber nicht notwendig; in den offenen Zeiten kann jeder zu einer vertraulichen  Beratung vorbeikommen. „Am Anfang hatten wir den Eindruck, dass das Angebot direkt super angenommen wird“, sagt die Lotsin Birgit Bartmann (66). „Dann wurde es weniger. Wir sind noch nicht da, wo wir gerne wären.“            

Siegburger Lotsenpunkt wünscht sich noch mehr Bekanntheit

Die Erfahrung, dass sich ihr Angebot erst einmal herumsprechen muss, machen auch viele andere Lotsenpunkte, sagt Bartmanns Kollegin Doris Früh-Naumann (68): „Die Menschen müssen von sich aus das Gefühl haben, dass sie wirklich mit all ihren Sorgen hierher kommen können.“ 

Birgit Bartmann berichtet von einem älteren Ehepaar, das sie kürzlich beriet, das früher selbstständig und daher privat versichert war. „Im Alter stellten sie fest, dass sie ihre Versicherung gar nicht mehr zahlen können und hatten hier bereits Schulden. Es gab aber einen für sie sinnvollen Tarif, für den sie aber in der Grundsicherung sein mussten.“ Als Lotsin telefonierte sie mit verschiedenen Behörden, bis sie die Formulare zum Antrag auf Grundsicherung erhielt. „Der umfasst 13 Seiten plus zig Anlagen. Gerade Menschen, die älter sind und keine Kinder haben, die sie unterstützen können, kann solche Bürokratie einfach überfordern.“ 

Birgit Bartmann vom Siegburger Lotsenpunkt

Birgit Bartmann (66) ist ehrenamtliche Lotsin in Siegburg.

Häufig gehe es in den Beratungen um das Verstehen und Ausfüllen von Anträgen, zum Beispiel auf Kindergeld oder Wohngeld. „Wir vermitteln auch an andere Stellen, wenn wir zum Beispiel den Eindruck haben, jemand bräuchte eine professionelle Schuldnerberatung“, sagt Birgit Bartmann. Auch Fragen rund um das Thema Pflege von Angehörigen spielen eine große Rolle.

Der Siegburger Lotsenpunkt wird von der Kirchengemeinde Sankt Servatius, der Caritas und der Bürgergemeinschaft Siegburg-Deichhaus getragen und gefördert. „Wir haben das Glück, dass wir hier so viel Unterstützung bekommen, sodass wir uns um die Inhalte kümmern können“, sagt Bartmann.

Unser Sozialsystem ist unglaublich kompliziert. Wie sollen das dann Menschen schaffen, die zum Beispiel die Sprache nicht sprechen – oder auch nicht lesen und schreiben können?

Denn die Inhalte sind sehr unterschiedlich, immer wieder arbeiten sich die Lotsinnen in neue Themen ein. Ihrer Arbeit geht eine kurze Ausbildung voran, in der sie beispielsweise Tipps für die Kommunikation mit Behörden bekommen. Zu ihren Treffen laden sie regelmäßig Personen aus anderen Beratungsstellen und Ämtern ein, um hier gut vernetzt zu sein.

„Wenn wir hier montags aufschließen, wissen wie nie, was passiert“, sagt Birgit Bartmann. Nicht selten kommen auch Menschen, die kein Deutsch sprechen, in die Beratungen, sagt Doris Früh-Naumann; dann arbeite man mit online Übersetzern. „Manchmal sitzt man auch hier, und es kommt keiner – aber die Momente, wo man wirklich merkt, geholfen zu haben, die motivieren zum Weitermachen“, sagt Birgit Bartmann. „Schon mehrfach hatte ich Begegnungen, wo mir sehr viel Dankbarkeit entgegenkam.“ 

„Kleinigkeiten, die man von seiner eigenen Erfahrung und Kompetenz mitgeben kann, können für andere dann doch existenziell sein“, sagt Doris Früh-Naumann. „Unser Sozialsystem ist unglaublich kompliziert. Wie sollen das dann Menschen schaffen, die zum Beispiel die Sprache nicht sprechen – oder auch nicht lesen und schreiben können?“


Die Siegburger Lotsinnen sind immer montags von 10 bis 12 Uhr in der Sankt-Elisabeth-Kirche, Eingang Frankfurter Straße anzutreffen. Eine Anmeldung telefonisch unter 0159/06249322 oder per E-Mail an lotsenpunkt@servatius-siegburg.de ist möglich, aber nicht notwendig.