Seit knapp anderthalb Jahren ist der Taubenwagen in der Stadt im Einsatz. Der Verein Taubenhaus Management zeigt sich mit der Entwicklung zufrieden.
Neues Zuhause am BusbahnhofStadttaubenmanagement in Siegburg funktioniert

Das heutige Team (v.l.n.r.): Silvia Preißner, Sabine Kallergis und Conny Unterberg.
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Sabine Kallergis erreicht den Siegburger Taubenwagen vollbepackt: In der einen Hand trägt sie einen Käfig mit einer gerade aufgepäppelten Brieftaube, in der anderen hält sie eine Chipsdose mit zwei Taubeneiern. Die Tierschützerin kommt gerade von der Mahrstraße. Dort brüten die Tiere auf einem schmalen Kabelschacht, der unterhalb der Eisenbahnbrücke verläuft. Das Team vom Taubenhaus Management tauscht daher alle zwei Wochen die Eier aus. Mit Erfolg: die Brutpaarzahl hat sich um die Hälfte auf sechs Paare reduziert. „Früher haben wir viele Jungvögel, die da runtergefallen sind, bekommen. Das haben wir eigentlich gar nicht mehr“, sagt Kallergis.
Siegburg: Ehrenamtler schauen täglich nach den Tauben
Im Taubenwagen rumoren währenddessen bereits Silvia Preißner und Conny Unterberg. Die beiden Frauen gehören – wie Sabine Kallergis – zu den insgesamt zwölf Ehrenamtlichen, die sich um die Stadttauben kümmern. Täglich werden der Wagen und die umliegende Fläche gereinigt, zudem bekommen die Tauben frisches Wasser und Futter. Die Tiere sind reine Körnerfresser. Wenn sie artgerechtes Futter bekommen, bereite ihr Kot auch nicht so große Probleme, mahnt Silvia Preißner. „Der ist dann trocken, fest und geht mit einem Windstoß weg“, fährt sie fort.

Conny Unterberg macht den Wagen sauber.
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Derweil kreist der Taubenschwarm über dem Siegburger Busbahnhof und wartet darauf, wieder in den Wagen zurückkehren zu können. Ein Vorteil sei, dass Tauben Gesichter erkennen könnten, erklärt Preißner. „Die wissen, wer regelmäßig hier ist und wissen, dass jetzt der Roomservice da ist“, sagt sie lachend. Das Futter und die Wassertränken werden von der Stadt finanziert, falls sie ersetzt werden müssen. Die Tierarztkosten trägt der Verein selbst, weshalb er auch auf Spenden angewiesen ist, so Silvia Preißner.
Schlafen, fressen, nisten: Taubenwagen wird gut angenommen
Laut Sabine Kallergis sitzen und schlafen mittlerweile 70 bis 80 Tauben in dem Wagen. „Zum Fressen kommen tagtäglich bestimmt bis zu 160“, ergänzt Silvia Preißner. Geplant ist, dass jede der 178 Zellen des Wagens auch als Nistplatz genutzt wird. Tauben seien sehr individuell: „Einige brüten ganz oben, manche wollen ganz viel Heu, manche sammeln sich im Herbst das Laub von draußen“, erzählt Kallergis.
Bislang sind nur rund 10 bis 12 Nistschalen belegt. „Das braucht halt, bis jede Taube dann auch wirklich anfängt zu brüten“, fährt sie fort. Gerade tauscht Kallergis das 49. Taubenei gegen ein Gipsei aus – im Jahr 2025 wurden insgesamt 150 Eier ersetzt.

Im Vergleich: ein Gipsei (l.) und ein Taubenei.
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Schon jetzt sind die Frauen mit der Annahme des Taubenwagens zufrieden. Sie erinnern sich an die Anfänge, als das Team die Tauben noch mit Futterschalen zum Wagen locken musste. „Das ist dann nachher ein Selbstläufer, wenn die ersten anfangen, das anzufliegen, folgen die anderen automatisch“, sagt Preißner. Es spreche sich schnell herum, wo es ausreichend Futter gibt. „Die Tauben laufen ja auch nicht aus Spaß an der Freude durch die Stadt, sondern weil sie Hunger haben und wirklich nach jedem Brotkrumen oder Currywurststück schauen – was ja noch nicht mal gut für sie ist“, ergänzt Sabine Kallergis.
Auch den Menschen in Siegburg fällt auf, dass die Taubensituation in der Innenstadt und rund um den Bahnhof entspannter geworden ist. Zudem funktioniere die Zusammenarbeit mit der Stadt gut, berichten Preißner und Kallergis.
Präventivarbeit: Ehrenamtler mehrmals in der Woche rund um den Bahnhof unterwegs
Mehrmals in der Woche sind die Ehrenamtlichen rund um den Bahnhof unterwegs. Die Präventivarbeit sei wichtig, betont Preißner. Man müsse auch die umliegenden Nester ausfindig machen und dort die Eier austauschen, damit die Population in Schach gehalten wird. Stadttauben seien absolute Opportunisten, die trotz Hunger oder Krankheit brüten, erläutert Kallergis. Dieser Brutzwang sei den Vögeln von den Menschen angezüchtet worden.

Der Siegburger Taubenwagen kurz nach seiner Eröffnung im Oktober 2024. (Archivbild)
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Zuletzt wurde eine Zwischendecke am Siegburger Bahnhof über der Linie 66 geschlossen, in der einige Tauben geschlafen und genistet haben. Zwei der Küken wurden von Sabine Kallergis von Hand aufgezogen und sollen sich jetzt an den Taubenwagen gewöhnen.

Silvia Preißner hält eines der Jungtiere in der Hand, welches als Küken aus der Zwischendecke im Siegburger Bahnhof gerettet wurde.
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Nicht nur die Stadt, auch Privatpersonen können sich bei Problemen mit Tauben an den Verein wenden. Das Team vom Taubenhaus Management versucht dann, eine artgerechte Lösung zu finden. „Im letzten Jahr hatten wir eine Pizzeria, wo Tauben auf dem Vordach gebrütet haben oder eine Eisdiele hier in Siegburg, die ein brütendes Paar direkt über ihren Sitzplätzen hatte“, berichtet Preißner.
Mit viel Leidenschaft dabei: Sabine Kallergis und Silvia Preißner
Sabine Kallergis kümmert sich seit 20 Jahren um Tauben. „Du bist wahrscheinlich mit dem Taubenblut geboren“, scherzt Silvia Preißner. Kallergis sei damals über eine verletzte Taube gestolpert und habe dann gemerkt, dass sich keiner für die Tiere interessiere. „Ich habe die Taube dann aufgezogen und gemerkt, was das für wundervolle Tiere sind. So bin ich da dann reingerutscht. Irgendwer muss sich doch für die Tiere engagieren“, berichtet Kallergis.
Silvia Preißner ist seit sechs Jahren dabei. Am Rhöndorfer Bahnhof wurden damals die Nistplätze mit Gittern verschlossen, und die Tiere wussten nicht mehr, wohin, berichtet Preißner. Gemeinsam mit dem Tierschutz Siebengebirge konnte sie daraufhin ein Taubenhaus am Rheinufer in Bad Honnef einrichten.
Stadttaubenmanagement: Ein Wagen für Siegburg ausreichend
Ihr großes Herz für Tauben sorgt auch dafür, dass niemand an einer verletzten Taube vorbeigehen kann, sagt Kallergis. Häufig meldeten sich das Ordnungsamt, die Feuerwehr oder die Polizei. „Natürlich können sich auch Privatleute melden, wobei wir in erster Linie wirklich für das Stadttaubenmanagement da sein wollen und nicht Taubenrettungsdienst sind“, sagt Kallergis.
Für Siegburg reiche der eine Taubenwagen vollkommen aus, hier sei kein zweiter nötig. In größeren Städten wie Bonn oder Köln sehe das aufgrund der höheren Taubenpopulation jedoch ganz anders aus, erklärt Preißner.

