Narrenspekatakel in der Kreisstadt: Zoch bringt 2000 Jeckinnen und Jecke auf die Beine.
Besuch aus Schwäbisch GmündFastnet-Hexen spuken durch den Siegburger Zoch

Premiere im Siegburger Zoch: Die Taubentalhexen gehören zur 1. Wexhainer Narrenzunft
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Es muss nicht immer und unbedingt Kölle sein: Robin Kucher, seines Zeichens Zunftmeister der 1. Wexhainer Narrenzunft aus Schwäbisch Gmünd, hatte schon als kleiner Bub den Rosenmontagszug in der Domstadt geschaut und davon geträumt, einmal dabei zu sein.
Doch dann war es eine Bekannte aus Siegburg, die ihm den Weg zu einem kleineren, aber nicht minder feinen Spektakel bahnte: 60 schaurige Gestalten aus der Fastnet waren jetzt zum ersten Mal in der Kreisstadt mit von der Partei, die „Wilde Wefzg“, eine Wespe mit zwei Aufpassern, „Gloggenglauer“, „Hofgoischder“ und Taubentalhexen, die mit handgeschnitzten Masken so souverän durch den Zoch spukten, als wären sie von jeher dabei gewesen.
2000 Jeckinnen und Jecke sind in Siegburg auf den Beinen
Rund 2000 Jeckinnen und Jecke brachte der Tross auf die Beine, schwarz-grüne und grüne-weiße Husaren, Ehrengardisten, Siegburger Musketiere und Clowns, einen Abteilung gelber Entchen vom Kinderheim Dr. Ehmann und Radakrobaten vom Siegburger RV, um nur einige der 41 Gruppen zu nennen, die gut vier Kilometer Strecke zurücklegten.

Musik kam unter anderem vom Regimentsspielmannszug TC Thomasberg.
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So farbenprächtig wie gewohnt zeigte sich der Zug diesmal nicht, hatten doch viele ihre Kostüme mit Plastiküberzügen vor dem schon lange zuvor befürchteten Regen geschützt. Oliver Schmidt von den Funken Blau-Weiß fürchtete um die Federn auf seinem Dreispitz. „Wenn die nass werden, sind die nur noch für die Tonne“, sagte er bei der Aufstellung an der Brückberg-Kaserne mit skeptischem Blick gen Himmel. Immerhin 200 Euro koste ein neuer Federschmuck.
Kostüme eigens für Rosenmontag gefertigt
Lange überlegt hatten auch die Frauen von der DKG Sonnenschein, ob sie ihre frisch genähten Kostüme, liebevoll gestaltete Kleider mit weiten Röcken und Zylinderhüten in Türkis, dem Regen aussetzen sollten. Und sich letztlich doch dafür entschieden, wie Mitglied Anja Göbel erzählte – immerhin habe man die Kostüme eigens für Rosenmontag gefertigt.

Stimmung und sogar Sonnenbrillen am Zugweg.
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Ein wichtiges Utensil fehlte den Jecken in diesem Jahr: Die Stadt hatte ein Konfettiverbot verhängt, Anja Göbel zufolge wurde gar eine Strafe von bis zu 1000 Euro bei Zuwiderhandlung angedroht.
Konfettiverbot in Siegburg kommt bei den Jecken nicht gut an
Und das kam bei „Der Harte Kern“ nicht gut an: „Normales Papier-Konfetti richtet doch keinen Schaden an“, fand Käthe Laschke, Mitbegründerin der Gruppe. Stattdessen bewerfe jetzt wohl das Publikum die Närrinnen mit Konfetti statt andersherum. Und ihre Gruppe verwende ja weder Plastik-Schnipsel noch Konfettikanonen. Aufsehen erregten sie auch so: Ihre selbstgemachten roten Kostüme hatten sie mit Hunderten von Legosteinen verziert.

In närrischer Hochform: Die DKG Vergissmeinnicht
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Im Zug war auch der schwere Unfall von Niederkassel-Rheidt ein Thema, bei dem am Sonntag drei Männer von einem Wagen gestürzt waren. „Die Wagen im Siegburger Zug sind in einem perfekten Zustand“, versicherte Zugleiter Rafael Sola Schröder. In der Kreisstadt habe es einen so schweren Zwischenfall noch nie gegeben. Zudem: „Der Tüv ist immer sehr streng.“ Man müsse jetzt erst auf Erkenntnisse zur Unfallursache in Niederkassel warten und daraus gegebenenfalls Schlüsse ziehen.
