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Mitsingen im TrendSchunkeln, Tanzen, Singen – Frau Höpker mit erfolgreichem Gastspiel in Siegburg

3 min
Katrin Höpker bei ihrem Konzert in Siegburg

Katrin Höpker bei ihrem Konzert in Siegburg

„Verzichten Sie aufs Fotografieren und Filmen, sondern bauen sie aufs Analoge“, sagte Katrin Höpker dem Publikum in Siegburg. Und es funktionierte.

Das Ziel aller Künstlern und Künstlerinnen: Ich muss das Publikum erreichen. Das schaffte Frau Höpker bei ihrem Gastspiel im Rhein-Sieg-Forum schon mit der Einstiegsmoderation, bei der sie 700 Gäste für sich gewann.

Auch wenn es bisweilen wie eine Warnung klang, wenn sie etwa über ihren Fundus aus 190 genreübergreifenden Liedern sprach, von denen es einige Dutzend gemeinsam zu singen galt. Das sei eine „ganz ordentliche Hausnummer“, weshalb gleich zwei Pausen notwendig wären. Ihr warnendes „Und die brauchen sie auch“, habe einen Kölner Gast sogar zweifeln lassen „ob ich hier wirklich richtig bin.“

Ein weiterer Rat Höpkers: „Verzichten sie aufs Fotografieren und Filmen, sondern bauen sie aufs Analoge, was sie seit Ihrem ersten Atemzug bei sich haben.“ Was das ist, erklärte sie mit einem Schlag auf die Brust und auf den Kopf. Es funktionierte; bis auf wenige Ausnahmen waren die Handys an diesem Abend arbeitslos.

Katrin Höpker ist seit 18 Jahren mit ihrem Mitsing-Konzept erfolgreich

Ihre verschmitzte Empfehlung, wie man seine Nachbarn für das gemeinsame Tun gewinnt, trug ebenfalls nach und nach Früchte. „Schauen Sie nach links und schauen sie nach rechts und loben sie. Sagen Sie einfach, ‚Es macht Spaß mit Ihnen zu singen‘.“

Seit 18 Jahren ist Höpker mit ihrem Konzept überaus erfolgreich unterwegs und füllt in kurzer Taktung die großen Hallen landauf, landab. Logistisch ist es eher eine überschaubare Aufgabe. Ihr Handwerkszeug sind Keyboard, Mikrofon und ein Notenständer, die gemeinsam zum Kommandostand der jovialen Kölnerin auf der sonst leeren Riesenbühne werden. Im Rücken hat die Mutter von fünf Töchtern eine große Leinwand, auf der die Texte synchron zum jeweiligen Lied mitlaufen.

Abrupte Genre-Wechsel: Von „Que sera, sera“ über Abba bis Robbie Williams

Die Abläufe waren bestens vorbereitet, die Mitsinglaune bei allen geweckt. Gleich mit Reinhard Meys „Über den Wolken“ baute sich ein überraschend stimmiger Gesamtklang auf, der die Inhalte sehr verständlich vermittelte. Und selbst das „Pour un flirt“ von Michel Delpech, das sie zur Überraschung der wohl meisten in Französisch anstimmte, hörte sich nach formidablen Gesang an.

An einem der vielen Stehtische, die zwischen den Sitzplätzen wie ein zur Bühne hin spitz zulaufender Pfeil angeordnet waren, hieß es zunächst auch: „O weh.“ Doch schon nach wenigen Minuten zollten sich die befreundeten Paare Danica Montuori und Markus Puschin sowie Claudia Krechel und Thomas Morkramer gegenseitig Respekt für ihre Leistung.

v.l. Danica Montuori, Markus Puschin, Claudia Krechel, Thomas Morkramer singen feierwillig mit.

v.l. Danica Montuori, Markus Puschin, Claudia Krechel, Thomas Morkramer singen feierwillig mit.

„Das hätten wir nicht gedacht“, stellten sie fest. Überhaupt seien sie überrascht gewesen, wie gut auch die sonst eher verschmähten Genres beim Quartett klangen. „Viel Spaß“ habe es der stimmsicheren und feierwilligen Runde jedenfalls gemacht.

Die abrupten Genrewechsel bei Katrin Höpker waren durchaus wild. So wurde etwa das Volkslied „Kuckuck, Kuckuck ruft’s aus dem Wald“ wenig später von Max Giesingers „80 Millionen“ scharf kontrastiert. Oder der begeisterte Saalchor stimmte, im Dreivierteltakt schunkelnd, laut in Doris Days „Que sera, sera“ ein, erweckte schwärmerisch Abbas „Dancing Queen“ zum Leben oder verlieh Robbie Williams’ „Angels“ hymnische Kraft

Für Höpker bedeutete das viel Arbeit. Sie musste gleichzeitig das Keyboard spielen, ihren eigenen Gesang im Blick behalten und vor allem das Tempo kontrollieren. Denn das Publikum neigte dazu, bei komplexeren und weniger geläufigen Texten das Tempo der Lesegeschwindigkeit anzupassen. Die Mitsing-Maestra korrigierte das jedoch souverän – je nach Situation legte sie mit kräftigeren Klavierakkorden einen Zahn zu oder passte sich dem Chor an. Auch gesanglich leistete die gebürtige Dorstenerin Schwerstarbeit, vor allem in den Höhen. Gleichwohl meisterte ihre Stimme, die ebenso Schmelz und Timbre wie Schlagerbelting beherrscht, diese Aufgabe souverän.