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„Ich gehe nicht arbeiten, ich gehe Musik machen“Björn Heuser spielt Mitsingkonzert auf Jubiläumstour in Hennef

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Eni Mann mit Hut und Gitarre auf einer KOnzertbühne.

30 Jahre Bühnenkarriere feiert Björn Heuser, im Hennefer Kur-Theater war er zum dritten Mal zu Gast.

Schon mit 14 schrieb der Kölner erste eigene Songs, mit 44 blickt er auf 30 Jahre Bühnenerfahrung zurück.

„Ich habe das Glück, dass ich noch nie im Leben mit Lampenfieber zu tun hatte.“ Man nimmt es Björn Heuser ab, ist er doch bei Auftritten vor 50.000 Menschen im Kölner Stadion ebenso souverän-jovial wie vor 20.000 in der Köln-Arena. Auch unmittelbar vor seinem Hennefer Mitsing-Konzert im beschaulichen Kur-Theater, das vor 200 Gästen eine mitreißende Geburtstagsfeier werden soll und seiner „30 Jahre Jubiläumstour“ in jeder Hinsicht gerecht wird, ruht er in sich. Bequem in der Garderobe im Sessel sitzend, schlägt er ein paar Akkorde auf der Gitarre an und lässt mit freundlichem Lächeln sogar noch einige Reporterfragen zu.

800 Mitsingkonzerte spielte er allein im Kölner Brauhaus am Dom

Er verrät, lediglich „eine gewisse Anspannung, ob alles klappt“, zu verspüren, ordnet dies aber der Kategorie „keine Nervosität, eher kribbelige Vorfreude“ zu. Einen Grund für die Gelassenheit sieht der Kölsch-Sprooch-Barde, der auf 800 Mitsingkonzerte im Gaffel am Dom und unzählige Groß- und Kleinevents zurückblickt, in der Erfüllung seines Lebenstraums: „Ich träumte immer davon, von der Musik leben zu können, unterwegs zu sein, Songs zu schreiben und mit den Menschen zu singen.“

Seine Begeisterung überträgt sich im Kur-Theater von den ersten Takten und Worten an aufs Publikum, das sich geübt im Singen präsentiert, wissend, dass es bei Heuser kein „Mitmach-Muss“ gibt. Wer will, der kann, auswendig bei den Fööss- oder Höhner-Klassikern oder mit Textheft bei Heusers Songs. Der 44-Jährige ist Vollprofi durch und durch und bekannt dafür, bei jedem Konzert sein letztes Hemd zu geben.

Auch im Kur-Theater, wo er und sein kongenialer Gitarrenpartner Dennis Kleimann (Heuser: „Er zählt für mich zu den besten Gitarristen Kölns“) auf hohem musikalischen Niveau agieren, gleichwohl mit spürbarem Spaß, der in den Sitzreihen auf großes Echo stößt. Was Heusers Moderation forciert, der den Smalltalk mit dem gesamten Auditorium genauso charmant führt wie mit der jungen Frau in der ersten Reihe, die sich als Kölsch-Expertin entpuppt. Sie kennt nämlich den richtigen Begriff Kuckelebäum für sein im gleichnamigen Song verwendetes „Purzelbäum“.

Heusers Erklärung, wie man leicht das Mundharmonikaspiel erlernt, sorgt nicht minder für Erheiterung: „Trecke, blose, trecke, blose“ (ziehen, blasen). Die Liedauswahl ist ein Best-of von kölschen Evergreens wie den frenetisch vom Saalchor unterstützten „Ich ben ne Räuber“, „Du bes die Stadt“ oder „Stääne“ und den Ohrwürmern und neuen Songs.

Mitsingkönig aus Köln würdigt BAP-Gründer Wolfgang Niedecken

Niedeckens „Do kanns zaubre“ ist eine Hommage an den BAP-Gründer, dem er viel zu verdanken habe, sagt Heuser: „Ohne Wolfgang wäre ich nie Singer Songwriter geworden, er war der Mensch, der mich dahin gebracht hat.“ Dass der „kölsche Mitsingkönig“, wie Heuser oft genannt wird, zum gefeierten Sänger wurde, hat die Ursprünge in seiner Kindheit, in der er bald die Quetsch bediente und auch am Mikrofon Familie und Gäste begeisterte.

En Kind in weißem Hemd und mit Fliege spielt Akkordeon.

Schon in der Kindheit spielte Björn Heuser die Quetsch und erfreute die Familie am Mikrofon.

„Von der Pike auf habe ich gelernt Musik zu machen, trat als Jugendlicher mit meinem Vater auf“, erzählt der Familienvater. Mit 14 Jahren schrieb er den ersten Song, was für ihn der Beginn seiner Karriere-Zeitrechnung sei – weshalb er schon mit 44 Lebensjahren auf die 30er Jubiläumstour gegangen sei. „So eine Karriere kann man nicht planen“, sagt Heuser, „man muss zur richtigen Zeit am richtigen Fleck sein.“

Ich führe ein Leben, wie ich es mir immer vorgestellt habe
Björn Heuser

Das seien die frühen Brauhaus-Mitsingabende gewesen, später die Auftritte bei den Heimspielen des FC und sein Format „Kölle singt“, das seit zehn Jahren erfolgreich in der Lanxess-Arena läuft, wo er mit 20.216 verkauften Tickets den Besucherrekord hält. „Ich hatte unglaublich viel Glück, habe nie etwas anderes als Musik gemacht mit ein bisschen Talent und viel Fleiß“, stellt der Liedermacher und Komponist fest. Er sehe das nicht als Beruf an: „Ich gehe nicht arbeiten, ich gehe Musik machen.“

Die begeistert auch beim dritten Kur-Theater-Auftritt, der ausgiebig bejubelt wird. Heuser genießt das Bad in den Ovationen, und sein Lachen redet dem letzten Satz des Garderobengesprächs das Wort: „Ich führe ein Leben, wie ich es mir immer vorgestellt habe.“