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AufgerüstetSiegburger Gericht bekommt neue Sicherheitsschleuse -  „Wir finden täglich etwas“

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Einen Wurfstern wollte ein Mann mit ins Gericht bringen.

Einen Wurfstern wollte ein Mann mit ins Gericht bringen. In der Schleuse fiel er den Wachtmeistern auf.

Wurfstern, Dolch, Elektrotaser: Im Gericht lagert ein ganzes Waffenarsenal, herausgefischt an der Sicherheitsschleuse. Diese wurde technisch aufgerüstet.   

Bitte Abstand halten, Denis Saluza lässt die Funken sprühen: „Der Elektrotaser funktioniert noch“, demonstriert der Leiter der Wachtmeisterei. In der gelben Waffenkiste liegt ein ganzes Arsenal gefährlicher Gegenstände, herausgefischt aus Rucksäcken und Hosentaschen an der Sicherheitsschleuse des Amtsgerichts. „Wir finden täglich etwas“, schildert Saluza.

Es seien nicht nur Delinquenten, die auf dem Weg zu ihrem Strafprozess Verbotenes mit sich führten. Auch Zeugen hätten oft Messer oder Schlagstock in der Tasche, ebenso wie Besucher, die in Erb- oder Betreuungssachen das markante Gebäude unweit des Siegburger ICE-Bahnhofs aufsuchten. 

Schleuse des Amtsgerichts Siegburg funktioniert wie am Flughafen

Jeder muss einzeln durch die Drehtür, die automatisch stoppt. In dem schmalen, verglasten Vorraum stehen zwei Bedienstete in dunkelblauer Uniform, darüber tragen sie hieb- und stichsichere Westen. Vor ein paar Jahren verschärfte das nordrhein-westfälische Justizministerium die Sicherheitsvorschriften, um das Personal - im Siegburger Amtsgericht gibt es 15 Justizwachtmeister - im Konfliktfall besser zu schützen.

Die Besucher müssen Hosentaschen leeren. Die Gegenstände und die Jacken werden - ähnlich wie beim Sicherheitscheck am Flughafen - ebenso in einer Kunststoffwanne durch den Tunnel eines Röntgengeräts geschoben wie Rucksäcke, Einkaufs-, Akten- und Sporttaschen.

"Dieser Elektrotaser funktioniert", demonstriert der Leiter der Wachtmeisterei, Denis Saluza.

„Dieser Elektrotaser funktioniert“, demonstriert der Leiter der Wachtmeisterei, Denis Saluza.

Die Personen passieren einen Torbogen; falls sich noch Metall am Körper befindet, piepst es. Per Hand suchen dann die Wachtmeister und Wachtmeisterinnen mit einem Scanner gründlich nach der Ursache. Die Kontrolle kann daher dauern, bis zur Treppe am Mühlengraben reicht manchmal die Warteschlange.

Kürzlich wurde die Technik in der Schleuse ausgetauscht. Der neue Apparat liefere bessere Bilder, so Saluza, sodass verborgene verbotene Gegenstände leichter identifiziert werden könnten. Die elektronische Pforte könne nun auf spezielle Erfordernisse einstellt werden.    

Trotz seiner 17-jährigen Erfahrung im Justizdienst staune er immer wieder über die illegalen Mitbrinsel, berichtet der Leiter der Wachtmeisterei. So hatte ein verurteilter Straftäter zum Termin mit seinem Bewährungshelfer ein Butterflymesser dabei. „Da läuft er doch Gefahr, dass seine Bewährung widerrufen wird.“ Das sei Sache der Ermittlungsbehörden, erster Schritt: die Anzeige wegen verbotenen Waffenbesitzes.   

Wir finden täglich etwas.
Denis Saluza, Leiter der Wachtmeisterei

Gibt es auch Besucher, die ihr verbotenes Eigentum zurückverlangen? „Ja, mit der Begründung, die Waffe habe ich schließlich gekauft“, erzählt der 38-jährige Saluza. „Wir geben dann den Tipp, sich an die Siegburger Polizeiwache zu wenden.“ Von dort erhielten sie ja ohnehin Post in den nächsten Wochen.   

Die Waffenkisten, sicher verwahrt in einem abschließbaren Schrank in der Wachtmeisterei, dienen vor allem dem Anschauungsunterricht für neue Beschäftigte. Obenauf liegt ein markanter Dolch mit beidseitiger Klinge und Verzierungen am Schaft, neben einem kleinen Einwegfeuerzeug. Eine von vielen Tarnwaffen, zeigt der Justizhauptwachtmeister: Aus dem Kunststoffmantel lässt sich eine schmale, aber scharfe Klinge ziehen.      

Siegburger Wachtmeister entdeckten getarnte Schlagringe, Schusswaffen und Böller

Auf den ersten Blick ein Flaschenöffner, auf den zweiten ein Schlagring, ein weiteres Beispiel für kriminellen Einfallsreichtum und Bastlergeschick. Auch aus Bussen und Bahnen entwendete Nothämmer wurden konfisziert, Schraubendreher - und ein Böller. „Super gefährlich, wenn der explodiert.“  

Taschen- und Brotmesser müssen ebenfalls ausgehändigt werden, da komme es auf die Klingenlänge an. Wenn sich ein ansonsten legales Messer noch in der Verpackung befinde und der Besucher eine Kaufquittung vorweisen könne, dürfe er es nach seinem Termin im Gericht mit heimnehmen.

Die technisch modernisierte Schleuse am Siegburger Amtsgericht funktioniert ähnlich wie am Flughafen.

Die technisch modernisierte Schleuse am Siegburger Amtsgericht funktioniert ähnlich wie am Flughafen.

Das gelte ebenfalls für frei verkäufliche Tierabwehrsprays, erkennbar am Namensaufdruck. Es gebe aber immer Leute, die ihre Sachen vergäßen, glaubt Saluza, oder die sich im Anschluss nach dem Gerichtstermin nicht danach zu fragen trauten. Für andere Dinge, wie Pfeffersprays mit BKA-Rautenzeichen und Schreckschusswaffen, sei allerdings ein kleiner Waffenschein Voraussetzung.

Die skurrilste Situation erlebte Saluza einmal im Sommer, als ein Senior in kurzen Hosen, in T-Shirt und mit Gehstock die Schleuse durchschritt. Im Torbogen piepste der Alarm. Die aufschraubbare Gehhilfe barg ein Geheimnis: Im Innern befand sich ein 80 Zentimeter langes Schwert. Der ältere Herr habe wohl keine Gewaltfantasien gehabt, schätzt der Leiter der Wachtmeisterei, „der fand das eher lustig“. Abgeben musste er die Stichwaffe trotzdem. Im Gegenzug erhielt er eine Strafanzeige.