Schloss in 15 Sekunden geknacktStadt Siegburg entsorgt alte Fahrräder am Bahnhof

Das Schloss hält nur Sekunden.
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Siegburg – Die Funken sprühen, in wenigen Sekunden ist alles vorbei. Die Mitarbeiter des Bauhofes der Stadt sind inzwischen zu echten Experten geworden. Auch solide Fahrradschlösser knacken sie in wenigen Sekunden. „Allerdings geht das nur mit der Akkuflex schnell und reibungslos“, berichtet Michael Weber vom Bauhof. Mit seinem Kollegen Michael Vitt ist er im Oktober 2022 in Begleitung des Ordnungsdienstes unterwegs, um „Fahrradleichen“ auf öffentlichen Abstellflächen zu entsorgen. 16 Räder wurden mit einem orangefarbenen Zettel vor vier Wochen markiert. Den Besitzern wurde damit eine Frist gesetzt. Wenn sie in dieser Zeit ihre Fahrräder nicht in Ordnung bringen, werden sie entfernt.

Die markierten Fahrräder werden verladen.
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Die beiden uniformierten Mitarbeiter des Ordnungsdienstes entscheiden nach Sachlage. Sie haben die Abstellplätze im Blick, und wenn ihnen ein Fahrrad auffällt, wird es markiert. Fehlende Felgen oder durchgehender Rost sind ein Zeichen dafür. „Man bekommt schnell ein Gefühl dafür, was von den Besitzern aufgeben wurde“, erklärt der Mitarbeiter des Ordnungsdienstes, als er einen orangefarbenen Zettel an ein Rad ohne Sattel und Felgen klebt. „Nur platte Reifen sind kein Grund für die Markierung.“
Stellplätze für Fahrräder in Siegburg sind knapp
Er zeigt auf ein Rad, das wenige Meter entfernt im Ständer an der Hinterseite des Bahnhofes steht. Beide Reifen seien platt gewesen, es habe „ungepflegt gewirkt“. Nachdem er es markiert habe, habe der Besitzer es repariert. „Wir wollen nicht, dass unbrauchbare Fahrräder dringend benötigte Stellplätze blockieren.“
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Wer sich um sein Rad kümmere, könne es gern abstellen. Zur Dauerverwahrung ohne Nutzung seien die Stellplätze im öffentlichen Raum jedoch nicht gedacht. Daher bleiben ab sofort nur noch zehn Tage Zeit, um auf den Zettel zu reagieren.
Diebstähle bei den alten Fahrrädern sind die Ausnahme
„Gute Schlösser kosten schon mal 80 Euro“, berichtet Vitt. Er wundere sich immer wieder, warum die Besitzer ihre so gesicherten Fahrräder einfach aufgäben. Geschichten dahinter gebe es kaum: Wenn der Besitzer bekannt wäre, würde er informiert. Dafür sind die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes zuständig. Sie notieren die Rahmennummer und gleichen sie mit den Datenbanken der Polizei ab. So könnten Diebstähle geklärt werden. Das sei die Ausnahme.

Die Mehrzahl der Räder landet im Schrott.
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Von den 16 sichergestellten Fahrrädern landen diesmal 14 nach erneuter Untersuchung im Schrottcontainer auf dem Bauhof. Zwei kommen in den Keller der Stadt. „Wir bewahren die Räder mindestens sechs Monate auf, bevor sie zur Versteigerung kommen“, berichtet Björn Langer von der Pressestelle der Stadt. Im Schnitt nehme der Bauhof pro Jahr rund 60 Räder mit. Die meisten seien so demoliert, dass sie im Wertstoffcontainer landeten.
Fahrräder werden über die Internetseite des Zolls versteigert
Versteigert werden die gut erhaltenen Räder über die Internetseite des Zolls. „Vor Corona wurde das hier noch vor Ort gemacht“, berichtet Langer. Durch die Versammlungsbeschränkungen in der Pandemie sei die Versteigerung im Internet praktikabler gewesen.



