Sperrung zwischen Siegburg und Sankt AugustinVerkehrschaos auf der Umleitungsstrecke zur A 560

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Rhein-Sieg-Kreis – Zur Arbeit nach Bonn pendeln, das ist schon an normalen Tagen kein Spaß. Und schon gar nicht, wenn die Autobahn 560 in Fahrtrichtung Bundesstadt gesperrt ist. Bei der letzten Verkehrszählung 2010 – eine aktuelle Erhebung läuft gerade – wurden hier täglich 82 000 Fahrzeuge in beiden Richtungen gezählt.
„Man muss von 50/50 ausgehen“, so Timo Stoppacher vom Landesbetrieb Straßen NRW zum Verhältnis der Fahrtrichtungen. Und man muss die 20 Prozent abziehen, die erfahrungsgemäß zu Ferienzeiten wegfallen. Was das an einem Werktag bedeutet, erfuhren am Montag zahllose Verkehrsteilnehmer am eigenen Leib. Und mit brutaler Härte.
„Nichts geht mehr“, hieß es schon am frühen Morgen zum Beispiel auf der Bonner Straße (B 56), wo sich die Kolonne zeitweilig von Siegburg bis Pützchen erstreckte. Ein ähnliches Bild zeigte die amtliche Umleitung, die über B 56 und Willy-Brandt-Ring (L 332) zur Autobahn 59 führt: Stop and go war hier angesagt; Lastwagen und Pkw wälzten sich langsam in Richtung Troisdorf. Keine Lösung war auch die Idee, schon eine Abfahrt früher die Siegburger Nordumgehung zu verlassen und durch die Troisdorfer City zu fahren: der „Schleichweg“ machte seinem Namen alle Ehre.
Glücklich, wer da mit dem Fahrrad unterwegs war und am Stau vorbeirollen konnte. So wie die junge Mutter, der das Verkehrschaos einen freien Tag und ihrem zweijährigen Sohn Spaß am Wasser bescherte. „Normalerweise bringe ich ihn nach Bonn in die Kita“, berichtete die Siegburgerin. Früh war sie aufgebrochen – „da war alles dicht“, schilderte sie ihre Erfahrungen auf der Strecke über Bahnhof und Bonner Straße. Aber auch ihren Versuch, über den Willy-Brandt-Ring die Stadt zu verlassen, gab die Mutter bald auf. „Mein Nachbar kam nach eineinhalb Stunden zurück“, sagte sie, ihre Entscheidung war wohl richtig. Am Dienstag wolle sie zwischen 6 und 7 Uhr aufbrechen, als Alternative bleibt ihr die Bahn.
„Eine Vollsperrung ist immer die ultima ratio“
„Eine Vollsperrung ist immer die ultima ratio“, gab Timo Stoppacher von Landesbetrieb Straßen NRW auf Anfrage Auskunft. Der Ursprungsplan habe ja auch vorgesehen, an Wochenenden oder mit Teilsperrungen die nötigen Arbeiten zu erledigen. Aber: „Wir müssen so weit die Fahrbahndecke wegnehmen, dass wir dann immer nur ein kleines Stück voran gekommen wären“.
Der Aufwand, die Baustelle immer wieder neu einzurichten und aufzuheben, wäre dann viel höher gewesen. Aber auch nach der Entscheidung sage der Landesbetrieb nicht „Friss oder stirb“. Vielmehr werde stets geschaut, „wo wir justieren können“. Dafür sei der Bauleiter schon während des Wochenendes ständig vor Ort gewesen. Unter anderem wurde beschlossen, die Abbiegespur an der Anschlussstelle Siegburg zu erweitern. „Die meisten wollen ja da nach rechts und behindern die Linksabbieger“, so Stoppacher. Zusätzliche gelbe Markierung soll das ändern. An einer Ampel werde die Programmierung geändert, um den Verkehrsfluss zu beschleunigen.
Dabei ist Stoppacher zuversichtlich: „Wir wissen aus Erfahrung, dass viele Leute nicht informiert sind, weil sie nicht Zeitung lesen oder Radio hören“. Am zweiten Tag einer solchen Sperrung wüssten dann auch die Bescheid. Außerdem setzt Stoppacher auf den Lerneffekt. Und die Erkenntnis der Verkehrsteilnehmer, dass zum Beispiel die A 3 „quasi frei“ ist.
