Rhein-Sieg-Kreis – 148 stimmberechtigte Mitglieder hat die Synode des Evangelischen Kirchenkreises an Sieg und Rhein. Doch werden die Synodalen bei ihrer Zusammenkunft am kommenden Samstag in Seelscheid einen „Vorgeschmack“ bekommen auf eine weit größere Veranstaltung: Am 31. August beginnt die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen, die nur alle sieben oder acht Jahre tagt.
Für zehn Tage kommen in Karlsruhe Vertreter von rund 350 Kirchen weltweit zusammen. Und auch der Gottesdienst, mit dem die Synode traditionell beginnt, wird in der Dorfkirche Seelscheid geprägt sein von der Begegnung mit anderen Kirchen – nicht nur aus der Region, sondern auch aus Namibia und Indonesien, wohin es seit Jahren gepflegte gute Beziehungen gibt.
Mitgliederzahlen sinken
Während allerdings anderswo die Zahl der Christen zunimmt, bleibt auch der Kirchenkreis nicht von sinkenden Mitgliederzahlen verschont. „Der demografische Wandel und Austritte“, so berichtete Superintendentin Almut van Niekerk bei einem Pressegespräch, seien dafür verantwortlich. Ein Schwerpunktthema der Beratungen in der Aula der Grundschule Am Wenigerbach wird daher der angestrebte Erhalt der kirchlichen Kindergärten sein.
Schon seit Jahren macht der Kirchenkreis den Gemeinden das Angebot, ihre Einrichtungen an das Kita-Referat zu übertragen. Die finanzielle Verantwortung für den Trägeranteil an den Gesamtkosten bleibt dann in der Kirchengemeinde, die allerdings von der Verwaltung und auch der – schwierigen – Personalgewinnung entlastet wird.
Kirchenkreis übernimmt vier Tagesstätten
Zum 1. August wird dieser Wechsel für die Kita am Siegburger Brückberg erfolgen, eine Kita in Oberpleis und zwei in Lohmar gehen den selben Schritt. Auch die evangelische Kita in Troisdorf bleibt in kirchlicher Trägerschaft, nachdem schon die Übernahme durch einen freien Träger beraten worden war.
Kirche übernimmt Aufgabe der Kommunen
Ein weit verbreitetes Missverständnis wolle sie auflösen, sagte Superintendentin Almut van Niekerk während des Pressegesprächs. Es sei nämlich nicht etwa so, dass die kirchlichen Träger hohe Zuschüsse für den Betrieb ihrer Tageseinrichtungen erhielten.
Vielmehr übernehme die Kirche – wie andere freie Träger – mit der Bereitstellung von Betreuungsplätzen eine Aufgabe, zu der per Gesetz die Kommunen verpflichtet sind. Mit dem Trägeranteil leiste die Kirche zudem noch einen finanziellen Beitrag zur ebenfalls gewollten Angebotsvielfalt in den Kommunen.
Dabei gelten die Kirchen als reiche Träger, die einen Anteil an den Gesamtkosten von um die zwölf Prozent aufbringen müssen, im Unterschied etwa zu Kitas von Elterninitiativen. (dk)
Hier springt nun die Stadt ein und übernimmt vorübergehend den Trägeranteil, um die Angebotsvielfalt zu erhalten. In Asbach-Kircheib, das ebenfalls noch zum Kirchenkreis gehört, wird die Kita zum 1. Januar an die Kommune zurückfallen.
Es geht um Geld und Strukturen
„Wir sind nicht planlos unterwegs“, betonen die Verantwortlichen im Vorfeld der Synode. Und so wird die Arbeit an einem bereits im Herbst vorgestellten Text die Beratungen ebenfalls prägen. „Für was wollen wir in Zukunft Geld ausgeben?“ müssen sich die Synodalen ebenso fragen wie sie sich einer Überprüfung der bestehenden kirchlichen Strukturen stellen. „Ist das, was wir haben auch das, was wir uns vorstellen?“, formulierte das die Superintendentin.
„Ergebnisoffen“ werde diskutiert. „Und es kann sein, dass wir zu schwierigen Entscheidungen kommen.“ Mehr Freude macht da vielleicht die Befassung mit dem, was van Niekerk die „Luftballons“ nennt: Das Gespräch über Ideen und neue Projekte.
So wird angestrebt, Ehrenamtliche in Krankenhäusern und Altenheimen für die Seelsorge zu qualifizieren. Und beim Thema Kirchenasyl will man die schon aktiven Gemeinden für einen fruchtbaren Austausch zusammenbringen.
Das könnte Sie auch interessieren:
Die Synode tagt öffentlich, die Beratungen beginnen am Samstag, 11. Juni, nach dem Gottesdienst (ab 10 Uhr) gegen 11.30 Uhr in der Aula der Grundschule Am Wenigerbach in Neunkirchen-Seelscheid.


