Abo

Die Demokratie verteidigenLesung in Troisdorf: Senior-Influencer Ruprecht Polenz im Dialog

3 min

Polenz im Saal.

Ruprecht Polenz warb im Troisdorfer Johannes-Haus für die Verteidigung der Demokratie und stellte sich einer regen Diskussion mit den Gästen.

Ruprecht Polenz, CDU-Generalsekretär unter Angela Merkel, dann Experte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Außenpolitik und heute Senior-Influencer im Internet, schaut vergnügt in die Runde. „Ich habe mit Freude festgestellt, dass immer noch weitere Stühle herangeschafft werden müssen“, verrät der 80-jährige Wahl-Münsteraner im Troisdorfer Johannes-Haus, um dann ganz schnell zum Thema des Abends, seiner „Kurzen Anleitung zur Verteidigung der Demokratie“, überzugehen.

Als Lesung aus dem gleichnamigen Buch angekündigt, spricht der frühere Politik-Profi zunächst frei, um nach einem musikalischen Intermezzo in den Dialog mit den Zuhörenden einzutreten, die der Einladung von TADü, dem „Troisdorfer Aktionsbündnis Demokratie überparteilich“, gefolgt sind.

Fünf konkrete Vorschläge für alle, die sich um die Gefährdung der Demokratie sorgen

Jurist Polenz trägt zunächst fünf konkrete Vorschläge für alle vor, die sich um die Gefährdung der Demokratie durch alles negierende und verächtlich machende Extremisten sorgen. Der vielleicht überraschendste ist seine Nummer fünf: „Bitte bedanken Sie sich!“

Gerade in Ostdeutschland sähen sich Kommunalpolitiker zusehends Ärger und Anfeindungen ausgesetzt, dabei „arbeitet jeder Kommunalpolitiker wöchentlich vier, acht oder sogar zwölf Stunden ehrenamtlich für die Gemeinde“. Nichts mache so schnell gute Laune wie „Danke“ zu sagen: „Wäre das unser Klima, hätte es die AfD viel schwerer.“

Den Zuhörenden im Johanneshaus gibt er einen guten Tipp fürs Leben auch außerhalb der Politik mit, im Bus, an der Kasse, in der Arztpraxis: „Sich zehnmal am Tag bedanken – das würde einen Unterschied machen. Immer wieder fragten ihn Besucher aus dem Ausland: „Was seid ihr eigentlich so muffelig?“ Polenz: „Man ist nie zu alt.“

Polenz mit Moderator Christian Oschem.

Zu Beginn des Vortrags hat Polenz vom großen Glück gesprochen, in eine Demokratie geboren zu werden. Nur 24 von 198 Staaten seien noch vollständige Demokratien im Sinne des Grundgesetzes, wo Macht und Herrschaft durch funktionierende Gewaltenteilung kontrolliert werde. Dem Publikum gibt er den Rat mit: „Demokratie ist kein Zuschauersport. Sie müssen aufs Spielfeld!“ Nicht unwidersprochen blieb seine Aussage, dass es „uns in Deutschland so gut geht wie nie zuvor“ – das helfe denen, denen es in Deutschland schlecht gehe, nicht wirklich.

Extremisten à la AfD, so Polenz weiter, versuchten systematisch, das Vertrauen der Menschen in Institutionen, auch in die Medien, zu zerstören. 20 Prozent stimmten mittlerweile der Aussage zu, dass sie systematisch durch alle Medien belogen würden. „Wenn dann ein Nebel im Kopf entsteht, hört man auf den lautesten Schreier“ – ob der nun AfD heiße oder Donald Trump.

„Zeigen Sie Zivilcourage“, so Polenz

Neben dem Dank-Vorschlag hat Polenz noch weitere Tipps im Gepäck: „Zeigen Sie Zivilcourage“ – auch im Kantinengespräch, Zivilcourage sei ansteckend. „Demonstrieren Sie mit.“ Und „werden Sie politischer Influencer oder Influencerin“ – liken oder teilen von Beiträgen in sozialen Medien erhöhe deren Reichweite enorm. Und schließlich: „Treten Sie in eine politische Partei ein.“ Man werde gewiss keine Partei finden, mit der man zu hundert Prozent übereinstimme. „Ich bin seit 54 Jahren CDU-Mitglied und stimme zu 70 Prozent mit meiner Partei überein.“ Aber: Das ist genug für die CDU und genug für mich.“

In dem folgenden, von TADü-Vorstandsmitglied Christian Oschem moderierten Gespräch findet Polenz viel Zustimmung, gelegentlich aber auch Widerspruch. Einer ungeduldigen Zuhörerin empfiehlt er den direkten Draht zu Abgeordneten.