Seit Jahren gibt es Beschwerden über Störungen von Passanten und Handel in der Fußgängerzone. Nun will die Stadt handeln.
VerordnungStadt Troisdorf will Alkohol in der Fußgängerzone verbieten

Immer wieder im Zentrum der Debatten: das City Center an der Kölner Straße. Die Sitzgruppe um den Baum ist ein beliebter Treffpunkt.
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Mit dem Ziel, den Alkoholkonsum in der Troisdorfer Innenstadt zu verbieten, geht die Stadtverwaltung in die Sitzung des Hauptausschusses am 14. April. Sollten sie grundsätzlich mit ja stimmen, müssten die Ausschussmitglieder auch noch entscheiden, ob das Verbot vorerst befristet eingeführt wird. 20 Seiten umfasst die Sachdarstellung zu dem Tagesordnungspunkt.
„Zunehmend verschärft“ hätten sich in den vergangenen Jahren die ordnungsrechtlichen Probleme in der Fußgängerzone, begründet die Verwaltung den Vorstoß, der bereits im Dezember schon einmal beraten wurde. Damals hatten die Stadtverordneten der FDP eine Statistik der Verstöße eingefordert; die SPD erklärte „dass es nicht ausreicht, die Leute wegzuschicken“ und forderte ein soziales Begleitprojekt.
Stadt Troisdorf sieht Attraktivität der Innenstadt bedroht
Alle bislang genutzten Maßnahmen – vermehrte Streifengänge und mehr Personal im Ordnungsdienst sowie der betreute Treffpunkt an der Kuttgasse – hätten keine nachhaltigen Erfolge gezeitigt, erklärte die Verwaltung. Ohne weiteres und umfangreiches Eingreifen seitens der Ordnungsbehörde drohe die Gefahr, dass Innenstadt und Fußgängerzone weiter an Attraktivität verlieren. Das, so die Befürchtung im Rathaus, „würde zu Geschäftsaufgaben und letztlich einem Niedergang der Innenstadt führen“.

Der Betreiber der Tiefgarage unter der Galerie beklagt hohe Kosten für die Reinigung, zudem hätten Dauermieter schon ihre Stelolplätze gekündigt.
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Im Brennpunkt steht dabei immer wieder das City Center, wo laut Stadtverwaltung üble Verunreinigungen ebenso Thema sind wie Pöbeleien gegenüber Passanten und Anliegern sowie ein teilweise aggressives Betteln. Vereinzelt werde auch laut gelärmt; schon in der 2023 erfolgten Befragung zum Aufstellen des Masterplans Innenstadt wurden das City Center und der Römerplatz als Angsträume bezeichnet.
Betroffen sind laut Auskunft aus dem Rathaus auch private Flächen wie der Awo-Tunnel zwischen Kölner Straße und Wilhelm-Hamacher-Platz sowie die drei Parkhäuser City Center, Galerie und Kaufland. Auch hier beklagen die Betreiber massive Verunreinigungen, darunter auch für den Drogenkonsum benutzte Spritzen. „Regelmäßig“ kommt es, wie der Parkhausbetreiber berichtet, zu sexuellen Handlungen in den Treppenhäusern und auf den Parkebenen. Mitarbeitende seien wiederholt bedroht und körperlich angegangen worden.

Der sogenannte Awo-Tuinnel, der die Kölner Straße und den Wilhelm-Hamacher-Platz verbindet.
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Aber auch Kundinnen und Kunden seien verängstigt und mieden die Innenstadt ebenso wie die Parkhäuser. Dauerparker, die im City Center und im Kaufland bedeutend zum Umsatz beitragen, hätten ihre Stellplätze schon gekündigt oder erklärt, das tun zu wollen. Der Betreiber der Galerie am Wilhelm-Hamacher-Platz gibt an, jährlich etwa 65.000 Euro zusätzlich für Sicherheit und Reinigung des Parkhauses auszugeben. Auch die Kosten für Sicherheit und Reinigung der Galerie selbst seien gestiegen.
In Troisdorf sind etwa 200 Suchtkranke in Substitionstherapie
Zwei „Störergruppen“ macht die Stadtverwaltung im Wesentlichen für die Situation verantwortlich: Suchtkranke Menschen und Obdachlose einerseits sowie, insbesondere in den Abendstunden, Jugendliche. So hielten sich etwa 15 Prozent der rund 200 Personen, die in Troisdorf in Drogen-Substitionsbehandlung sind, vor, zwischen und nach den Behandlungen in der Fußgängerzone auf. Zu diesen gesellen sich laut Sitzungsvorlage Obdachlose und andere Abhängigkeitserkrankte.
Vor allem am City Center kommen sie nach Erkenntnissen des Ordnungsdienstes zusammen, mehrheitlich konsumierten sie dort auch Alkohol. Aufgrund von Konflikten in der Gruppe verteilten sich kleinere Gruppen „diffus“ in der Fußgängerzone, teilt die Verwaltung mit. Eine weitere Gruppe von Suchtkranken ist nach Beobachtungen der Stadtverwaltung im Laufe des Jahres hinzugekommen. Deren Mitglieder hielten sich vor allem am Fischerplatz auf und in der Fußgängerzone zwischen Fischerplatz und Kuttgasse.

Jugendliche Störer, so die Stadt, hielten sich vor allem in den Abendstunden am Fischerplatz auf.
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Auch in dieser letztgenannten Gruppe spielt laut Vorlage zur Sitzung der Alkohol eine große Rolle. Der Personenkreis sei „nicht abschließend erfassbar“, so die Verwaltung. Doch sei die Gruppe „auch nach Erkenntnissen der Polizei“ insbesondere in 2025/26 gewachsen.
Jugendliche treffen sich vor allem am Troisdorfer Fischerplatz
Auf etwa 50 Personen schätzt man im Rathaus die Gruppe der Jugendlichen, die sich insbesondere abends in der Fußgängerzone aufhalten. Sie sind vor allem am Fischerplatz, in der Straße Am Bürgerhaus und am Wilhelm-Hamacher-Platz anzutreffen. Dort, so die Beobachtungen der Ordnungsbehörde, werden Alkohol, Cannabis und Lachgas konsumiert. Verbal und körperlich bedrohten die Jugendlichen immer wieder Passanten; sie trügen dazu bei, dass andere Menschen die Fußgängerzone meiden.
Die vorgelegte Verordnung soll für die gesamte Troisdorfer Fußgängerzone in der Innenstadt gelten. Im Geltungsbereich wäre der Konsum von alkoholischen Getränken ebenso verboten wie das Mitführen von geöffneten Flaschen, Beuteln oder Dosen mit Alkohol. Ausgenommen sind die Flächen von Gaststätten mit einer entsprechenden Konzession. Bei Verstößen könnten Bußgelder bis zu einer Höhe von 1000 Euro erhoben werden.
Die öffentliche Sitzung beginnt am Dienstag, 14. April, um 18 Uhr im Sitzungssaal A des Rathauses, Kölner Straße 176.
