Unser Reporter Olaf Pohl zwischen Public Viewing, Sightseeing und einem historischen Tor für Jordanien.
Unser Reporter aus Rhein-Sieg in den USA„Die schönsten Geschichten der WM erlebte ich auf den Straßen“

Sonnenuntergang am Stadion beim Spiel Österreich gegen Jordanien.
Copyright: Olaf Pohl
Die schönsten Geschichten einer Fußball-Weltmeisterschaft entstehen oft nicht erst im Stadion. Sie beginnen auf Straßen und Plätzen, beim Public Viewing oder zufällig in einer Hotellobby. Genau so waren auch meine beiden spielfreien Tage in der San Francisco Bay Area.
Zunächst ging es nach San José, wo Deutschland beim Public Viewing Curaçao mit 7:1 besiegte. Die besten Plätze hatten allerdings nicht die Fans direkt vor der Leinwand. Einige Zuschauer verfolgten das Spiel kostenlos vom benachbarten Parkhaus aus: mit perfektem Blick auf die Großbildleinwand.
Mexikaner auf WM-Reise im Deutschland-Trikot
Dort lernte ich Isella Mendoza (32) und Juan Gonzales (37) kennen. Er mit Vuvuzela, beide in einem Deutschland-Trikot. Das Paar stammt aus Jalisco in Mexiko und lebt heute im kalifornischen Salinas. Im vergangenen Jahr erfüllten sich beide einen Traum und bereisten Deutschland. München, Schloss Neuschwanstein, Frankfurt und sogar ein Konzert von Rammstein standen auf dem Programm. Besonders schwärmten sie vom öffentlichen Nahverkehr, vom deutschen Brot und vom Bier. Deutschland habe sie mit seiner Natur beeindruckt. Für ihre eigene WM-Reise besitzen sie Eintrittskarten für das Spiel Algerien gegen Jordanien.

Isella Mendoza und Juan Gonzalez
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Der zweite freie Tag gehörte San Francisco. Golden Gate Bridge, Fisherman’s Wharf, der Blick auf Alcatraz und eine Fahrt mit einem autonomen Robotaxi standen ebenso auf dem Programm wie das imposante Rathaus. Dort reihten sich an diesem Nachmittag mehrere Hochzeitsgesellschaften für ihre Fotoshootings aneinander.
Unser Reporter beim Spiel Österreich gegen Jordanien
Dann wartete mein zweites WM-Spiel: Österreich gegen Jordanien. Auf dem Papier wirkte die Partie zunächst wenig spektakulär. Vor dem Stadion wurde schnell klar, dass dieser Eindruck täuschte. Beim Sightseeing am Vormittag waren mir fast ausschließlich österreichische Trikots begegnet. Rund um das Stadion änderte sich das Bild schlagartig. Plötzlich sorgten vor allem die jordanischen Fans lautstark für Stimmung und überraschten mich mit ihrer starken Präsenz.
In der Lobby des Hyatt Regency Hotels traf ich zunächst die Schwestern Diana (32) und Carmen Quandour (28). Beide wurden in der jordanischen Hauptstadt Amman geboren und leben heute in den USA. Diana ist Künstlerin, Carmen arbeitet als Krankenschwester und spielt selbst Fußball und Basketball. Fußball sei in Jordanien die Sportart Nummer eins, erzählten sie übereinstimmend. Für das WM-Spiel waren Verwandte aus Jordanien, England und den Vereinigten Staaten zusammengekommen. „Wir sind eine internationale Familie“, sagte Diana. Beide tippten auf einen Sieg Jordaniens.
Wir haben das österreichische Gen in unseren Adern.
Wenig später sprach ich vier vermeintliche Österreich-Fans auf Deutsch an. Doch Chris (47), Mason (14), Addyson (19) und Carter (17) lachten. Sie sind Amerikaner. „Unsere Vorfahren sind vor über 120 Jahren in die USA ausgewandert“, erklärte Chris. „Wir haben das österreichische Gen in unseren Adern.“ Die Tickets hätten sie für jeweils 120 Dollar bekommen. „Bei einem regulären NFL-Spiel der San Francisco 49ers hätten dieselben Plätze jeweils rund 700 Dollar gekostet.“ Sein Tipp: 3:1 für Österreich.

Die vier Amerikaner Christ, Mason, Addyson und Carter mit österreichischen Wurzeln
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Nur wenige Meter weiter begegnete mir Mousa Wahhab (41), dessen Gesicht in den jordanischen Nationalfarben bemalt war. Dabei waren Eltern, Kinder und weitere Angehörige. „Heute sehen wir unsere Nationalmannschaft zum ersten Mal live im Stadion“, erzählte er. Sein Wunsch: ein 2:1 für Jordanien. Noch wichtiger sei aber etwas anderes. „Wir haben für dieses Ereignis drei Generationen unserer Familie zusammengebracht. Da spielt der Ticketpreis keine Rolle. Geld zählt da nicht.“

Gute Stimmung herrscht bei den jordanischen Fans vor dem Stadion.
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Das Stadion war erneut nahezu ausverkauft. Die Atmosphäre konnte es locker mit dem ersten WM-Spiel zwischen Katar und der Schweiz aufnehmen.
Nach dem Abpfiff begegnete ich Carmen Quandour noch einmal im Hyatt Regency. Ihr Tipp hatte sich zwar nicht erfüllt, doch enttäuscht wirkte sie keineswegs. „Jordanien hat zwar verloren“, sagte sie lächelnd. „Aber wir haben das erste WM-Tor unseres Landes gesehen. Das war ein historischer Moment. Und wir waren live dabei.“
