Die Unternehmen im Wirtschaftraum Bonn/Rhein-Sieg fordern Reformen, um gegen den ihrer Meinung nach zu hohen Krankenstand der Beschäftigten vorzugehen.
Umfrage der IHKUnternehmen in Bonn/Rhein-Sieg beklagen hohen Krankenstand

In einer Umfrage der IHK beklagen Unternehmen aus der Region Bonn/Rhein-Sieg den ihrer Meinung nach hohen Krankenstand unter den Beschäftigten und fordern Reformen.
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Die Stimmung in den Unternehmen im Wirtschaftsraum Bonn/Rhein-Sieg ist zum Jahresbeginn 2026 nicht sonderlich gut. Das geht zumindest aus der aktuellen Konjunkturumfrage hervor, deren Ergebnisse die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg am Donnerstag (19. Februar) veröffentlicht hat. „Die massiven Schuldenpakete der Bundesregierung haben bislang nichts daran geändert, dass die Stimmung bei vielen Unternehmen in unserer Region weiterhin gedämpft ist“, sagt IHK-Präsident Stefan Hagen.
Der von Hagen und von IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille vorgestellten Umfrage zufolge liegt der Konjunkturklimaindikator bei den Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, mit 96 Punkten nur geringfügig über dem Vergleichswert aus dem Vorjahr und damit weiterhin unter der wichtigen Marke von 100 Punkten. Derzeit rechnet demnach nur knapp jedes fünfte Unternehmen in der Region Bonn/Rhein-Sieg mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.
Lediglich 18 Prozent der Rhein-Sieg-Unternehmen sind optimistisch
Lediglich jedes vierte Unternehmen im Kammerbezirk schätzt seine eigene wirtschaftliche Lage demnach momentan als gut ein. Die Hälfte der Unternehmen beurteilt sie als befriedigend, ein weiteres Viertel als schlecht. Für die Zukunft rechnen 56 Prozent der befragten Unternehmen mit einer gleichbleibenden wirtschaftlichen Entwicklung. 26 Prozent gehen davon aus, das die Lage schlechter wird. Optimistisch blicken nur 18 Prozent in die Zukunft.
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Zu den Branchen, die ihr Geschäftsklima nach eigenen Angaben schlechter einschätzen als die Gesamtwirtschaft, gehört der Verkehrssektor. Dazu, so der IHK-Hauptgeschäftsführer, trage sicherlich auch die Situation auf der Bonner Nordbrücke bei, die seit dem 9. Februar für Fahrzeuge mit mehr als 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht gesperrt ist. „Dieses Thema stellt Logistiker und Einzelhandel vor große Herausforderungen“, sagt Hille.

IHK-Präsident Stefan Hagen beklagt ein „All-inclusive-plus-Paket“ bei den Sozialleistungen und fordert Reformen, um Arbeitskosten zu senken.
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Als eines der zentralen Probleme für die wirtschaftliche Entwicklung hat die IHK den ihrer Meinung nach zu hohen Krankenstand bei den Beschäftigten in der Region ausgemacht. Die Kammer beruft sich dabei auf das Ergebnis einer Blitzumfrage zu den Themen Krankenstand und Reformen. Dabei haben 62 Prozent der teilnehmenden Unternehmen von gestiegenen Fehlzeiten berichtet, 31 Prozent von einer gleichbleibenden Entwicklung.
Widerstand gegen die telefonische Krankschreibung
Mehr als zwei Drittel (71 Prozent) der Unternehmen geben an, dass die Kosten für die Entgeltzahlung im Krankheitsfall in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Folgen seien höhere Belastungen für das verbliebene Personal, höhere Personalkosten, unzufriedene Kunden und Projektverzögerungen. Aus diesem Befund erheben die befragten Unternehmen nach Angaben der IHK konkrete Forderungen. Knapp zwei Drittel wollen die telefonische Krankmeldung abgeschafft sehen, fast genauso viele fordern eine offizielle Krankschreibung bereits ab dem ersten Krankheitstag.
Fast 57 Prozent der befragten Manager wollen, dass der Zeitraum der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verkürzt wird, 55 Prozent fordern die Einführung von Karenztagen, bevor die Lohnfortzahlung greift. Beim IHK-Präsidenten stoßen diese Forderungen auf Zustimmung. Bei den Sozialleistungen hätten Beschäftigte mittlerweile ein „All-inclusive-plus-Paket“, beklagt er. Neben der Lohnfortzahlung umfasse dieses Paket beispielsweise auch die Mitversicherung von Kindern bei der Krankenversicherung und die Mütterrente. Deutschland könne sich das nicht mehr leisten, ist Hagen überzeugt.
Für IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille ist der Krankenstand in der Wirtschaft nicht nachvollziehbar. In der Industrie beispielsweise würden Beschäftigte, anders als noch vor 100 Jahren, wirksam vor schädlichen Stoffen wie Chemikalien geschützt. Auch der Anteil der schweren körperlichen Arbeit, die krank machen könne, sei im Verlaufe der Zeit immer weiter reduziert worden.

