Rhein-Sieg-Kreis – Die Unwetter-Warnung Stufe Rot ging um 14.45 Uhr in Lohmar ein. Doch nicht die Stadt, wo am 20. Juni Millionenschaden zu beklagen war, wurde besonders getroffen. Diesmal tobte sich das Unwetter mit Hagel, Sturm und Starkregen vor allem über Siegburg aus. Dorthin wurde zur Verstärkung auch der Löschzug Lohmar gerufen.
Ein Heulen wie bei einem Orkan war in der Wilhelmstraße am Bahnhof zu hören. Starkwind wirbelte Tische und Stühle der Außengastronomie durch die Gegend. Regen peitschte auf die Straße, und dann prasselten auch noch Hagelkörner herunter. Schnell liefen Keller voll. 43,5 Liter Regen pro Quadratmeter las am Nachmittag Roman Solf an der Wetterstation seiner Eltern Michael und Beatriz ab. „Alles von heute“, kommentierte er den Wert. „Das ist extrem.“
Den ersten größeren Schaden entdeckte Andreas Hasenberg. Um 15.04 Uhr startete der SWB-Fahrer die Stadtbahn 66 im halbunterirdischen KopfBahnhof. Doch schon hinter der Hohenzollernstraße lagen große abgerissene Äste über den Schienen, einer hing in der Oberleitung. Hasenberg fuhr mit der vollen Bahn wieder zurück ins Kellergeschoss und ließ die Fahrgäste aussteigen. Ein Spezialfahrzeug und eigene Kräfte der Stadtwerke Bonn (SWB) entfernten alle Hindernisse. Um 16.14 Uhr war die Strecke wieder frei.
„Gefühlt 200 Einsätze“ vermeldete die Feuerwehr Siegburg auf Anfrage. Tatsächlich waren es bis 16.20 Uhr genau 88, wie Kreisfeuerwehrsprecher Peter Kern wusste. Ganz deutlich mehr aber als in den Nachbarstädten Sankt Augustin (27) und Troisdorf (24 Einsatzstellen). „Das übliche Programm“ nach dem kurzen, dafür aber umso heftigeren Unwetter hatten die 120 Helfer der Feuerwehren zu bewältigen, in Siegburg noch unterstützt vom Technischen Hilfswerk: Volle Keller und Unterführungen, umgestürzte Bäume und abgerissene Äste.
In Seenot gerieten zwei Kinder, die mit ihrem Boot auf dem Rotter See kenterten, glücklicherweise aber gerettet wurden. Ohne Verletzte blieb auch der Zusammenstoß eines Güterzuges mit einem Baum in Friedrich-Wilhelms-Hütte um 15 Uhr, 50 Minuten später war auch diese Strecke wieder frei.
Ein jähes Ende fand der vierte Tag der diesjährigen Sommerwerkstatt auf dem Michaelsberg. Das Unwetter brachte aber auch die Erkenntnis, dass der Notfallplan der Organisatoren um Martina Clasen funktionierte. Die waren nämlich gewarnt worden, und mit den ersten Böen zogen die sieben Betreuer und 40 Kinder wie abgesprochen in die Klosterkirche. Als der Sturm losbrach und auf der Wiese unterhalb des Klosters das Lager verwüstete, Staffeleien wegwehte, Zelte zerriss und über die Mauern fegte, waren die Kinder im Trockenen. Die Eltern waren auch informiert und holten ihre Sprösslinge nach und nach ab. Die Sommerwerkstatt geht natürlich weiter, gleichwohl stehe das Team wegen der Sachschäden vor erheblichen Problemen, sagte Clasen.

