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Rumpelstilzche im Klassenzimmer

Vater und Sohn könnten verschiedener nicht sein. Martin Schopps ist ein Energiebündel, lacht über das ganze Gesicht und kann kaum still sitzen. Sein Vater Fritz hingegen strahlt eine gemütliche Autorität aus und wählt seine Worte mit Bedacht.

Gemeinsam haben die beiden trotzdem eine Menge: Beide bringen ihre Mitmenschen gerne zum Lachen, und das am liebsten auf der Karnevalsbühne. Der 34-jährige Martin Schopps parodiert in seiner „Rednerschule“ die bekanntesten Größen des Kölner Karnevals, sein Vater Fritz (62) ist seit rund 30 Jahren als reimendes „Rumpelstilzche“ unterwegs. Seit neun Jahren wohnt er mit seiner Frau Gaby in Schildgen.

Noch eine Gemeinsamkeit: Fritz und Martin Schopps arbeiten als Lehrer - im „wirklichen Leben“, denn als Komiker sind die beiden nur während der Session unterwegs. „Berufsleben und Karneval sind komplett voneinander getrennt“, sagt Fritz Schopps.

Komplett? Nicht ganz, müssen beide einräumen. Schließlich wird an der Gesamtschule Höhenberg, an der Fritz Schopps unterrichtet, beim Aufstellen der Stundenpläne durchaus Rücksicht auf den Karnevalisten im Kollegium genommen - kein Wunder, hat er doch den dortigen Schulkarneval erst auf die Beine gestellt. Feedback fürs neue Programm holt er sich im Lehrerzimmer, und auch vor der Klasse kommt das „Rumpelstilzche“ in ihm ab und zu durch. Da fängt Mathelehrer Schopps plötzlich mitten im Unterricht an zu singen oder erfindet die „Fritz-Cleverkopf-Komma-Wegdenk-Maschine - so lustig kann Mathe sein.

Auch Martin Schopps hilft die Berufung im Beruf: Am Berufskolleg in Frechen hat er „mit den richtig harten Jungs“ zu tun, die mit der jecken Jahreszeit meist wenig im Sinn haben: „Hätte mir ja mal einer sagen können, dass ich die Bickendorf-Gangster unterrichten muss“, sagt er schmunzeln und nimmt den netten und lockeren Umgangston aus dem Karneval kurzerhand mit ins Klassenzimmer. Inzwischen hat er einige seiner Schüler sogar dazu gebracht, ihm ihrerseits Witze zu erzählen. „Und, konntest du einen gebrauchen?“, fragt Vater Schopps. „Nee, viel zu flach“, verrät der Junior.

Vater und Sohn nehmen sich offensichtlich gern gegenseitig auf den Arm, doch genauso offensichtlich ist die gegenseitige Bewunderung für den anderen. Martin Schopps zollt seinem Vater nicht zuletzt dadurch Respekt, dass er auch ihn parodiert. „Das ist eine Ehre, die nur den Besten widerfährt“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Und Fritz Schopps ist manchmal fast ein bisschen neidisch auf das Talent seines Sohnes, der inzwischen auch eigene Figuren entwickelt: „Ich kann zwar super dichten, aber ganz schlecht Redensarten oder Stimmen imitieren.“

Ihr Können zeigen die beiden derzeit wieder fast täglich bei Auftritten in den rheinländischen Karnevalshochburgen. Bis am Aschermittwoch wieder alles vorbei ist - „aber zum Glück nur bis zum 11.11.“, sagt Martin Schopps. Dann wird sein Vater als Lehrer bereits den Ruhestand angetreten haben - auch im Karneval? „Nein, das mache ich, solange ich nicht das Gefühl habe, auf der Bühne fehl am Platz zu sein“, verspricht er.


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