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FC-Trainer gegen Mainz unter DruckKwasniok denkt nicht an die Mechanismen des Geschäfts

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Der in die Kritik geratene Lukas Kwasniok steht vor seinem bislang wohl wichtigsten Spiel als Trainer des 1. FC Köln.

Der seit acht Spielen sieglose 1. FC Köln will am Samstag gegen Abstiegsrivale Mainz 05 den Befreiungsschlag schaffen. Im Falle einer weiteren Niederlage könnte es für Trainer Lukas Kwasniok eng werden.

Der 1. FC Köln erlebt mal wieder unruhige Zeiten, doch den Humor hat Lukas Kwasniok deshalb nicht verloren. „Jetzt steht ihr mal im Regen“, begrüßte der Trainer am Freitagmittag die wartenden Reporter, während der Himmel über dem Geißbockheim seine Schleusen geöffnet hatte. In den vergangenen Tagen war reichlich Kritik auf Kwasniok eingeprasselt, dabei ging es nicht nur um den Abwärtstrend, den der Bundesliga-Aufsteiger seit einigen Wochen durchläuft. Entsprechend groß ist der Druck, unter dem der 44-Jährige vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr, Sky) gegen den direkten Konkurrenten FSV Mainz 05 steht. Eine weitere Niederlage könnte die Situation für Kwasniok gefährlich zuspitzen, auch wenn dieser am Tag vor der wegweisenden Partie sich nicht mit den üblichen Mechanismen der Fußballbranche auseinandersetzen wollte.

„Darüber habe ich mir echt keine Gedanken gemacht“, beteuerte Kwasniok. Es sei schließlich „ganz normal, dass du ein Spiel gewinnen willst“. In dieser Haltung seien alle vereint: „Meine Wenigkeit, das Trainerteam, der gesamte Verein, die Mannschaft.“ Dennoch ist Kwasniok sich darüber bewusst, dass der Trainerstuhl in Köln traditionell nicht zu den stabilsten des Landes zählt. „Wenn du acht Spiele, bei denen zwei, drei Siege möglich gewesen wären, nicht gewinnst, dann ist es nicht so, dass in Köln alle sagen: Na, wenn wir jetzt fünf weitere Spiele nicht gewinnen, dann wird es besser. Sondern im Gegenteil.“

Aktuell stehen wir fünf Punkte vor dem Relegationsplatz. Daher ist es eine große Chance, dieses Polster zu erhöhen. So gehen wir es an.
Lukas Kwasniok, Trainer 1. FC Köln, vor dem Heimspiel gegen den Tabellen-16. Mainz 05

Gleichzeitig warb Kwasniok um die Geduld der Führungsspitze. Dafür griff er auf eine Anekdote von der 1:3-Niederlage am Mittwoch gegen den FC Bayern zurück. „Ich habe mich nach dem Spiel länger mit Herrn Kompany unterhalten“, berichtete Kwasniok von einem Austausch unter Kollegen. Der Münchner Erfolgscoach sei „vielleicht einer der besten Trainer in Europa“, adelte Kwasniok den fünf Jahre jüngeren Belgier. Auf seiner vorherigen Station lernte Vincent Kompany aber auch die Kehrseite des Geschäfts kennen, als er mit Aufsteiger FC Burnley aus der Premier League abstieg. In England habe Kompany „nicht ganz so viel gewonnen“, merkte Kwasniok an. Dennoch hielten die Verantwortlichen an ihm fest. „Man hat Ruhe bewahrt, weil man von ihm als Trainer überzeugt gewesen ist“, sagte Kwasniok. „Das ist das Entscheidende.“ Er  könne diesen Umstand „natürlich nicht selbst beeinflussen. Ich kann nur gucken, dass wir Spiele gewinnen“. Darauf habe er „echt Bock“.

Mit einer positiven Grundhaltung blickt Kwasniok auch auf das brisante Duell gegen den Tabellen-16. aus Mainz, der mit einem Sieg bis auf zwei Zähler an den FC heranrücken kann. „Aktuell stehen wir fünf Punkte vor dem Relegationsplatz. Daher ist es eine große Chance, dieses Polster zu erhöhen. So gehen wir es an“, betonte der Kölner Trainer. Bei diesem Unterfangen setzt er auch auf den Heimvorteil: „Wir haben fast 50.000 Fans auf unserer Seite. Das wollen wir uns zunutze machen und nach Möglichkeit den Dreier einfahren.“

1. FC Köln: Rav van den Berg und Eric Martel kehren nach Sperren zurück

Einfach wird das nicht, schließlich haben die Mainzer seit dem Trainerwechsel von Bo Henriksen zu Urs Fischer noch nicht verloren. In sechs Pflichtspielen unter der Leitung des erfahrenen Schweizers ergatterten die Rheinhessen zwei Siege und vier Unentschieden, darunter ein beachtliches 2:2 bei den Bayern. „Seitdem Urs Fischer dort übernommen hat, ist die Handschrift klar: Stabile Defensive, viel Körperlichkeit, gutes Umschaltspiel. Das werden sie auch morgen so beibehalten, da bin ich mir sehr sicher“, erwartet Kwasniok am Samstag ein von Kampf gekennzeichnetes Geduldsspiel. Mainz habe „eine sehr gute Stabilität gefunden, sie sind jetzt auch in den richtigen Momenten da. Deshalb sind sie schwer zu schlagen“.

Dank eines kompakten, mit offensiven Nadelstichen versehenen Auftritts war der FC gegen Primus München von einer Überraschung gar nicht mal so weit entfernt. Rückschlüsse auf das Duell mit Abstiegskonkurrent Mainz lassen sich laut Kwasniok daraus aber nicht schließen. „In Bezug auf Ballbesitzphasen wird es ein anderes Spiel“, sagte der Trainer, von dessen Elf verstärkt spielerische Lösungen gefragt sein werden. Auch der Applaus von den Rängen nach dem mutigen Auftritt am Mittwoch spiele für die Partie gegen Mainz keine Rolle mehr. „Es ist Vergangenheit, im Leben geht es immer nur um die Gegenwart“, weiß Kwasniok, dass das Umfeld ein Ende der Sieglosserie erwartet.

Zum Rückrundenauftakt kehren mit Rav van den Berg und Eric Martel zwei wichtige Defensivspieler nach Sperren zurück. Tom Krauß, der gegen die Bayern sein wohl bestes Saisonspiel zeigte, soll trotz leichter Hüftprobleme auflaufen können. „Auf dem Papier habe ich die Qual der Wahl“, freute sich Kwasniok, der zuletzt wegen eines halben Dutzend Ausfälle in der Innenverteidigung zur Improvisation gezwungen war. Das klappte besser als gedacht. Daher gebe es „keinen Grund, alles über Bord zu werfen“, befand der Trainer. Ziel sei es, „die bestmögliche Startelf“ zu finden, um „voll auf dem Gaspedal“ zu stehen. Im Regen will Lukas Kwasniok am Samstag gegen 17.30 Uhr schließlich nicht schon wieder stehen.

Voraussichtliche Aufstellungen:
1. FC Köln:
Schwäbe; van den Berg, Martel, Simpson-Pusey; Sebulonsen, Johannesson, Krauß, Castro-Montes; Thielmann, Kaminski; Ache. – FSV Mainz 05: Batz; Kohr, Bell, Potulski; da Costa, Sano, Widmer; Nebel, Amiri, Lee; Tietz. – SR.: Zwayer (Berlin).