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Kommentar

1. FC Köln in der Länderspielpause
Das Derby als Stresstest

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3 min
Geschäftsführer Thomas Kessler und Trainer René Wagner hoffen darauf, gut aus der Länderspielpause zu kommen. Das Derby kann den Lauf der Saison prägen.

Geschäftsführer Thomas Kessler und Trainer René Wagner hoffen darauf, gut aus der Länderspielpause zu kommen. Das Derby kann den Lauf der Saison prägen.

Der 1. FC Köln hat den Umbruch weiter vorangetrieben, doch bei weiterhin ausbleibenden Ergebnissen könnte die Lage schnell eskalieren. 

Vor einem Jahr hat der 1. FC Köln zur ersten Saison nach dem Wiederaufstieg einen enormen personellen Umbruch vollzogen – und in diesem Sommer fortgesetzt. Gegen den HSV, im letzten Spiel vor der Länderspielpause, standen fünf Neuzugänge in der Startformation, dazu die beiden nach Leihe fest verpflichteten Tom Krauß und Jahmai Simpson-Pusey. Sieben von zehn Feldspielern: Das sind keine Anpassungen. Das ist eine neue Mannschaft. Weil außerdem zahlreiche Spieler ohne Bundesliga-Erfahrung geholt wurden, ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Start zwar voller Momente war, die den Optimismus beflügelten. Die üblichen Sorgen jedoch weiter bestehen – und zuletzt sogar wuchsen.

Dass die Kölner mit einem Trainer, der erst im vergangenen April übernahm und auf seiner ersten Station als Cheftrainer ebenfalls noch Zeit zur Eingewöhnung braucht, halbwegs ordentlich aus den Startlöchern gekommen sind, ist unter diesen Umständen bereits ein Erfolg. Doch das Vertrauen von Fans und Umfeld ist nicht grenzenlos. Nach dem mitreißenden Auftakt gegen Hoffenheim hat der FC dreimal nicht gewonnen und dabei über weite Strecken enttäuscht. Die Defensive wirkt weiter fragil, einfache Abläufe stimmen nicht, Impulse von der Seitenlinie fehlten. Saison-übergreifend hat Köln unter René Wagner noch kein gutes Spiel über 90 Minuten gezeigt. Dafür gibt es Erklärungen: Wagner übernahm in der vergangenen Saison eine Mannschaft, deren Verbindung zum Trainerteam schwer gestört war. Nun musste er eine neue Mannschaft schaffen, deren Protagonisten teils erst spät zum Kader stießen.

Mit schlechtem Gefühl

Dennoch steht der Befund. Nach einem Sommer, in dem die Kaderqualität spürbar gestiegen ist und in der Vorbereitung solide Arbeitsbedingungen herrschten, sind die Kölner mit dem schlechten Gefühl der Niederlage beim HSV in die Länderspielpause gegangen. Der Trend hat sich bestätigt – und die Befürchtungen im Umfeld befeuert, die zweite Saison nach dem Aufstieg könnte noch schwieriger werden als die erste, in der Köln einen Trainer verschliss und ziemlich glanzlos ins Ziel trudelte.

Nach fünf Pflichtspielen, dem Erreichen der zweiten Pokalrunde und vier Punkten ist die Zeit für Panik am Geißbockheim noch längst nicht gekommen. Aber auch in Klubführung und Gremien scheint das Signal angekommen zu sein, die Dinge genau im Blick zu behalten – um nicht im Falle einer Niederlage gegen Mönchengladbach in eben jenen Zustand zu geraten.

Horst Steffen beim Spielbesuch im Franz-Kremer-Stadion

Horst Steffen beim Spielbesuch im Franz-Kremer-Stadion

Dass Horst Steffen, der vor Lukas Kwasnioks Übernahme einmal Kandidat für das Kölner Traineramt war, am Wochenende im Franz-Kremer-Stadion das Spiel der U21 verfolgte, mag keine tiefere Bedeutung haben. Wäre er tatsächlich ein Kandidat, hätte gerade das womöglich ein Grund sein können, auf einen Besuch zu verzichten. Doch solche Annahmeketten führen zu keinen Ergebnissen – es gibt Deutungen in alle Richtungen.

Vor einem Derby gegen Mönchengladbacher, die mit neuem Trainer in Müngersdorf antreten, ist es nachvollziehbar, dass in Szenarien gedacht wird. Ob aus der allgemeinen Alarmbereitschaft schon bald eine handfeste Krise wird, entscheidet sich im Derby. Die Aussichten auf einen Kölner Erfolg gegen den bislang punktlosen Rivalen sind dabei so schlecht nicht. Doch die Partie hat ein Potenzial, das über das eines normalen Derbys hinausgeht. Alert zu sein kann daher nicht schaden. Denn das Derby kann den Verlauf der Saison prägen.