Die Kölner wünschen sich, dass Ellyes Skhiri in vertrauter Umgebung wieder seine alte Klasse erreicht. Das sagt der Sechser über seine Rückkehr.
„FC die beste Option für mich“Ellyes Skhiri ist wieder da – Kölner Transfer der Hoffnung

Ellyes Skhiri bedankt sich nach dem 2:1-Sieg im Pokal in Würzburg bei den mitgereisten FC-Fans.
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Am Montagabend lief die 75. Spielminute, die Partie des 1. FC Köln bei den Würzburger Kickers stand beim Spielstand von 1:1 auf der Kippe. Dann lag Neuzugang Gideon Mensah nach einer Grätsche mit Krämpfen am Boden – und am Spielfeldrand machte sich Ellyes Skhiri bereit. Nach den letzten Anweisungen war es so weit: Nach drei Jahren lief Skhiri erstmals wieder im FC-Trikot auf.
Skhiri übernahm im Mittelfeldzentrum – und war sofort wieder der Chef auf dem Platz. Er dirigierte, gab Anweisungen, bot sich an und forderte die Bälle. Zwei Minuten nach seiner Einwechslung fiel durch Isak Johannesson das goldene Tor. Rund 18 Minuten später durfte der Tunesier mit dem FC einen wichtigen Sieg im DFB-Pokal feiern. Sein Mitwirken war dabei ebenso wichtig: Skhiri gab der Mannschaft Sicherheit.
Der erste Einsatz im alten, neuen Trikot ließ nicht lange auf sich warten. Erst am Freitag hatte Skhiri erstmals mit der Mannschaft trainiert, nachdem sich seine Rückkehr von Eintracht Frankfurt über längere Zeit hingezogen hatte. „Man hat gesehen, dass Ellyes keine Angst hat. Er scheut keinen Pass und keinen Zweikampf. Er macht defensiv für mich einfach einen super Job“, freute sich Kapitän Marvin Schwäbe über den Rückkehrer. Auch Thomas Kessler lobte den Kurzauftritt des Tunesiers: „Ihm fehlt zwar noch der Rhythmus, aber mit seiner Präsenz und der Art und Weise, wie er auf dem Platz auftritt, merkt man, dass die Jungs ihn sofort suchen und er der Mannschaft ein gutes Gefühl gibt“, sagte der Sport-Geschäftsführer. Kessler sah allerdings auch noch Luft nach oben: „Man hat schon gemerkt, dass er noch ein bisschen Zeit braucht.“ Kein Wunder. In Frankfurt bestritt Skhiri keine Testspiele und trainierte nicht mit den Profis, sondern bei der U21.
Es war nach der WM nicht so einfach für mich.Ich brauchte ein bisschen Zeit, um zu wissen, was ich für die Zukunft will. Am Ende war der FC die beste Option für mich.
Am Mittwochmittag äußerte sich Skhiri nun erstmals selbst. Er sei „sehr glücklich“, wieder am Geißbockheim zu sein, sagte der 31-Jährige. Nach seiner Zeit beim FC von 2019 bis zum Sommer 2023 wisse er genau, wie der Verein und sein Umfeld ticken, wie die Atmosphäre sei und welche Erwartungen in Köln herrschten. Nun wolle er der veränderten Mannschaft vor allem mit Erfahrung, Disziplin und harter Arbeit helfen. Seine Rolle sieht Skhiri nicht unbedingt darin, der Lauteste zu sein. „Ich rede nicht so viel, aber ich versuche, mit Disziplin und Qualität in der täglichen Arbeit der Mannschaft zu helfen.“ Im Team hat sich seit seinem Abschied einiges verändert. Viele junge Spieler und Talente sind hinzugekommen. Zugleich gibt es noch einige bekannte Gesichter.
Schwierige Saison in Frankfurt
Die vergangene Saison war für Skhiri nicht einfach. Bei Eintracht kam er weniger zum Einsatz und war zu Beginn der Spielzeit verletzt. Auch die WM verlief für ihn längst nicht wie erhofft. Tunesien enttäuschte, Skhiri ebenfalls. „Aber jetzt habe ich neue Ziele und Ambitionen.“ Er wolle wieder „100 Prozent arbeiten und kämpfen“ – für den Klub, der ihm so viel Vertrauen entgegengebracht habe.
Dass sich die Rückkehr über längere Zeit hinzog, erklärte Skhiri mit einer Phase der persönlichen Neuorientierung. Nach der Weltmeisterschaft habe er zunächst Zeit gebraucht, um über seine Zukunft nachzudenken. Es habe auch andere Angebote gegeben, darunter aus Spanien. Am konkretesten soll das Interesse des FC Sevilla gewesen sein. Am Ende sei Köln jedoch die „beste Option“ für ihn gewesen. „Ich merke, dass sich die Leute hier freuen, dass ich da bin. Das gibt mir viel Motivation“, sagte Skhiri. Die Erwartungen an ihn seien hoch, doch er sei bereit, diese anzunehmen. Optimal sei der späte Einstieg in die Vorbereitung zwar nicht, räumte der Mittelfeldspieler ein. Doch er hoffe, innerhalb weniger Wochen sein bestes Niveau zu erreichen. „Ich bin sehr, sehr motiviert.“ Die Entscheidung für Köln sei auch durch die Gespräche mit den Verantwortlichen und Trainer René Wagner erleichtert worden. Mit Wagner hatte Skhiri bereits am Geißbockheim zusammengearbeitet. „Das hilft beim Vertrauen und dabei, den Fußball gemeinsam zu verstehen“, sagte der Rückkehrer. Auch die Gespräche mit Kessler seien „immer sehr gut“ gewesen.
Eine zusätzliche positive Nachricht war für Skhiri der endgültige Verbleib von Jungstar Said El Mala, dessen Vertragsverlängerung ebenfalls am Donnerstag publik geworden war. Davon habe er bei seiner Unterschrift noch nichts gewusst. „Eine sehr schöne Überraschung.“
Eine konkrete Platzierung als Saisonziel wollte Skhiri nicht benennen, dafür sei er noch nicht lange genug beim FC. Entscheidend werde sein, mit Leidenschaft und Herz aufzutreten. „Wenn wir alles zusammen machen, können wir ein super Jahr haben“, sagte der Sechser. Die Mannschaft müsse nicht zwangsläufig die höchste individuelle Qualität besitzen. Mit Leidenschaft und der Unterstützung der Fans sei jedoch viel möglich. „Wir wollen einfach eine sehr gute Saison spielen und die Bundesliga genießen.“
Erst einmal freut sich Skhiri auf seine Rückkehr ins Stadion. Vor mehr als 50.000 Fans in Köln zu spielen, sei etwas Besonderes. „Ich weiß, was ich erwarten kann. Ich bin sehr glücklich und freue mich auf Samstag.“ Dann kommt Hoffenheim zum Auftakt nach Müngersdorf (15.30 Uhr). Skhiri rechnet mit einem „intensiven Gegner“, hohem Pressing, vielen Zweikämpfen. Die TSG habe in der Vorsaison sehr gut gespielt, verfüge über eine weitgehend eingespielte Mannschaft und mit Christian Ilzer über denselben Trainer. Sein Team müsse darauf vorbereitet sein. „Wir brauchen volle Intensität, dürfen nicht zu viel nachdenken und müssen die Zweikämpfe annehmen“, befand Skhiri. Und fügte hinzu: „Es wird ein geiles Fußballspiel.“
Ob Skhiri bereits ein Kandidat für die Startelf sein wird, ist noch offen. Wagner dürfte nach dem sehr ordentlichen Kurzauftritt in Würzburg wissen, dass ein fitter Skhiri so schnell wie möglich benötigt wird. Wer auf die Bank muss oder auf eine andere Position verschoben wird, ist offen. Wagner muss eine Lösung im Mittelfeld finden – Skhiri soll dabei der Schlüssel sein.
Das lange gesuchte Profil verkörpert der Rückkehrer. Doch der Transfer lebt auch von der Hoffnung, dass der Musterprofi in vertrauter Umgebung wieder aufblüht. Noch weiß keiner, ob Skhiri an sein Leistungshoch aus seiner alten Kölner Zeit wieder anknüpfen kann. Am Montag hat sich Skhiri zumindest mit den ersten Minuten zurückgemeldet. Nach drei Jahren hat der FC wieder einen Mittelfeld-Boss. Hoffentlich.
Niang vor Leihe zum FC St. Pauli
FC-Sturmtalent Youssoupha Niang steht vor einem Wechsel auf Leihbasis zum Zweitligisten FC St. Pauli. Am Mittwochvormittag teilte der FC bereits mit, dass der 20-Jährige „zu Gesprächen mit einem anderen Verein freigestellt“ sei. „Express“ und der „Kicker“ berichteten zuerst. Der schnelle Flügelspieler, der in der vergangenen Saison sein Bundesligadebüt feierte und auf zehn Einsätze im Oberhaus kam, hat in der Kölner Offensive keine großen Aussichten auf Einsatzzeit. St. Pauli wiederum fahndete noch nach Tempo – das bringt Niang mit. (red)
