Die Situation des 1. FC Köln im Abstiegskampf wird immer gefährlicher. Nach den Punktgewinnen der Konkurrenz ist der Vorsprung auf den Relegationsplatz komplett aufgebraucht.
Der Fußball-Gott ist „im Tiefschlaf“1. FC Köln hadert mal wieder mit dem Videoassistenten

Der Verzweiflung nahe: FC-Trainer Lukas Kwasniok (l.) ärgert sich über den nicht gegebenen Handelfmeter.
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Lukas Kwasniok verstand am späten Samstagabend die Welt nicht mehr. In seiner Verzweiflung über den neuerlichen Rückschlag im Abstiegskampf ging der Trainer des 1. FC Köln sogar so weit, dass er fehlenden Beistand von oben beklagte. „Man sagt ja immer, dass beim VAR oder im Keller geschlafen wird, wenn man so Situationen nicht sieht. Aber aktuell ist offensichtlich auch der liebe Gott im Tiefschlaf“, seufzte Kwasniok nach der unglücklichen 1:2 (0:1)-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund. Inzwischen ist für ihn ein wiederkehrendes Muster zu erkennen. „Irgendwie meint er es nicht ganz so gut mit uns“, haderte Kwasniok mit dem Videoassistenten. „Deshalb gehen wir leider traurig nach Hause.“
Nicht wenige Kölner dürften den Heimweg höchst verärgert angetreten haben. Der FC fühlte sich nämlich um die Chance auf ein Unentschieden gebracht, nachdem Schiedsrichter Daniel Siebert den Gastgebern in der fünften Minute der Nachspielzeit einen Strafstoß verwehrt hatte. Noch größeres Unverständnis rief bei den Kölnern die Tatsache hervor, dass Siebert das Handspiel des Dortmunders Yan Couto im eigenen Strafraum nicht selbst am Bildschirm begutachtete, sondern sich auf die Einschätzung der Kollegen aus dem „Kölner Keller“ verließ. Dort erkannte Videoassistent Benjamin Cortus kein strafbares Handspiel. „Wir haben heute zwei VAR-Interventionen gehabt. Einmal hat er richtig auf eine Rote Karte hingewiesen, einmal hat er darauf hingewiesen, dass es kein Elfmeter ist. Und warum er das dritte Mal nicht eingegriffen hat, ich glaube, das weiß nur er selbst“, schimpfte Thomas Kessler. Nach Meinung des Kölner Sportchefs hätte es beim finalen Aufreger nur eine Entscheidung geben können: „Der Grund, warum Linton Maina den Ball nicht sauber annehmen kann, ist ein klares Handspiel. Es war keine Absicht, aber ein Elfmeter.“ Die Sportliche Leitung der DFB Schiri GmbH gab Kessler am Sonntag auf Anfrage des „kicker“ Recht.
Selbst, wenn es ein 50:50-Ding ist, muss man rausgehen und es sich wenigstens angucken. Jetzt kommt die entscheidende Phase der Saison, da muss man auch mal Glück haben mit einer solchen Situation.
Tom Krauß sah es genauso. Der Aushilfs-Rechtsverteidiger sprach ebenfalls von einem „klaren Handspiel“ und kritisierte das fehlende Zusammenspiel zwischen Schiedsrichter und VAR in besagter Szene: „Selbst, wenn es ein 50:50-Ding ist, muss man rausgehen und es sich wenigstens angucken. Jetzt kommt die entscheidende Phase der Saison, da muss man auch mal Glück haben mit einer solchen Situation.“ Ein Freund des VAR wird Krauß so schnell wohl nicht mehr: „Uns bringt er gerade wenig, das muss man ehrlicherweise sagen. Man weiß gar nicht, welche Linie sie haben. Uns hat er zum wiederholten Male nicht geholfen. Das ist in der Situation, in der wir uns befinden, unfassbar bitter.“
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So verlor der FC auch das siebte Samstagabendspiel der Saison. Zum Abschluss des 25. Spieltags wurden die Kölner Abstiegssorgen noch größer: Nach den Punktgewinnen der Konkurrenz ist der Vorsprung auf den Relegationsplatz komplett aufgebraucht. Damit nimmt der Druck vor den wegweisenden Spielen beim Hamburger SV (14. März, 18.30 Uhr) und gegen Borussia Mönchengladbach (21. März) weiter zu. Vornehmlich auf Lukas Kwasniok, der nach nur zwei Siegen aus den jüngsten 16 Spielen angezählt ist.
Zwar boten die Kölner trotz langer Unterzahl auch dem BVB einen großen Kampf, am Ende standen sie aber wie so oft mit leeren Händen da. „Es bringt nichts, wenn wir sagen, wir haben wieder gut gespielt“, wies Krauß auf die gefährliche Situation des FC hin. Noch sei zwar „nichts verloren, wir sind noch über dem Strich“, sagte er. „Aber wenn wir nicht punkten, geht es in die andere Richtung.“ Die Trainerfrage sei dennoch „kein Thema“ für das Team, betonte Krauß. „Manche Mannschaften lassen sich in einer solchen Situation fallen und verlieren 0:3 oder 0:4. Wir versuchen, trotzdem alles auf dem Platz lassen.“
Auch wenn der eine oder andere das vielleicht nicht mehr hören will oder kann – wir werden das Ding drehen.
Doch das reichte gegen einen uninspiriert auftretenden BVB nicht aus, weil das Spiel aus Kölner Sicht kaum unglücklicher hätte verlaufen können. Obwohl sich der forsch beginnende Außenseiter um Startelf-Debütant Youssoupha Niang in der Anfangsphase ein Eckenverhältnis von 6:0 erspielte, geriet er in der 16. Minute ins Hintertreffen. Der Gegentreffer war in gleich doppelter Hinsicht vermeidbar. Serhou Guirassy traf im Anschluss an einen unaufmerksam verteidigten Eckball. Zu diesem hätte es indes gar nicht kommen brauchen. Vorausgegangen war ein unnötiger Fehlpass des zur Pause ausgewechselten Isak Johannesson im Mittelfeld.
Zu Ende ging die erste Halbzeit mit einer Szene, die Thomas Kessler später als „spielentscheidend“ bewertete. Innenverteidiger Jahmai Simpson-Pusey kam tief in der Dortmunder Hälfte im Zweikampf mit Maximilian Beier einen Schritt zu spät und traf den Nationalspieler unglücklich mit offener Sohle an der Achillessehne. Siebert zeigte dem jungen Engländer zunächst die Gelbe Karte, nach Hinweis des Videoassistenten erhöhte er auf Rot (45.+1). Das wiederum versetzte Stadionsprecher Michael Trippel in Rage.
Selbst in Unterzahl hielt der FC mutig dagegen, doch die Dinge liefen weiter gegen ihn. Jakub Kaminski hatte den Ausgleich auf dem Fuß (56.), auf der Gegenseite leitete ein Ausrutscher von Tom Krauß das 0:2 durch Beier ein (60.). Nach einem aberkannten Dortmunder Elfmeter (67./Cenk Özkacar hatte gegen Fabio Silva zuerst den Ball gespielt) sorgte Kaminskis Anschlusstor (88.) für wilde Schlussminuten – ohne glücklichen Ausgang für den FC. „Die Mannschaft ist unverwüstlich“, lobte Lukas Kwasniok, der weiter an die Kehrtwende glaubt: „Auch wenn der eine oder andere das vielleicht nicht mehr hören will oder kann – wir werden das Ding drehen.“
