FC-Legende Wolfgang Overath über den Verbleib von Said El Mala, die Signalwirkung für den Verein und die Bedeutung der Rückennummer 10.
Der große Overath„Für den FC ist es ein großes Glück, dass El Mala bleibt“

Wolfgang Overath in der vergangenen Saison zu Gast bei einem Bundesligaspiel seines 1. FC Köln
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Kölns Weltmeister Wolfgang Overath (82) bekam die legendäre Rückennummer 10 einst von Hans Schäfer überreicht. Ebenfalls im Alter von 19 Jahren trägt Said El Mala beim 1. FC Köln künftig diese Nummer. Die FC-Ikone hält große Stücke auf den jungen Offensivspieler und erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, warum dessen Verbleib für den Klub so wichtig ist.
Herr Overath, Said El Mala bleibt beim 1. FC Köln und trägt künftig die Rückennummer 10. Was bedeutet diese Nachricht für Sie?
Wolfgang Overath: Die 10 war in meiner Generation die absolut größte Nummer im Fußball. Sie stand für den Spielmacher, den Spielgestalter – für eine entscheidende Position. Die größten Spieler damals haben diese Nummer getragen. Heute hat sie meiner Meinung nach nicht mehr ganz die Bedeutung wie früher. Das ganze System und der Fußball haben sich verändert, und die großen Zehner gibt es in dieser klaren Ausprägung nicht mehr so wie zu meiner Zeit. Für mich war die 10 damals eine ganz besondere Auszeichnung. Dennoch ist die Nummer auch heute noch immer wichtig. Das zeigt sich alleine daran, dass Said El Mala diese Nummer gerne haben wollte und er sie vom FC jetzt auch bekommt.
Hans Schäfer hat mir die Nummer übergeben, als ich mit gerade mal 19 Jahren angefangen habe. Das vergesse ich ihm bis heute nicht. Es zeigt seinen wahren Charakter.
Sie haben im selben Alter mit 19 die Nummer 10 beim FC schon vor dem ersten Bundesligaspiel von Hans Schäfer übernommen. Wie kam es dazu?
Hans hat sie mir gegeben. Hans Schäfer, der größte Spieler in dieser Zeit, der Weltmeister war und alles erreicht hatte, hat mir die Nummer übergeben, als ich mit gerade mal 19 Jahren angefangen habe. Das vergesse ich ihm bis heute nicht. Es zeigt seinen wahren Charakter. Hans hat die Nummer eigentlich immer getragen und sie erst groß gemacht.
El Mala war zuletzt auch bei anderen Vereinen begehrt, unter anderem bei Borussia Dortmund. Wie wichtig ist es für den FC, dass er mindestens noch eine Saison in Köln bleibt?
Er ist ganz entscheidend für den Klub und für die Mannschaft. Wenn wir eine gute Saison hinbekommen wollen, brauchen wir ihn. Ich habe Said und sein Talent schon sehr früh gesehen. Seinen ersten großen Auftritt hatte er im Pokal in Regensburg – ich glaube, das war im Pokal. Er kam ins Spiel, hat sofort für Wirbel gesorgt und die Partie gedreht. Damals habe ich gesagt: Das ist ein riesengroßes Talent, der kann alles, was ein Spieler seiner Art braucht. Er ist schnell, hat einen guten Körper, setzt sich durch, besitzt eine hervorragende Technik und kann Tore schießen. Er hat alles. Meine Meinung hat sich seitdem nicht verändert. Für den FC ist es ein großes Glück, dass er in Köln bleibt.
Said hat sich in den vergangenen Wochen fantastisch verhalten und trotz des Werbens vieler Vereine guten Charakter gezeigt. Das ist auch menschlich etwas Besonderes.
Die Nachricht hat in Köln für große Freude gesorgt. Hat die Entscheidung auch Signalwirkung für den Verein?
Ich glaube schon. Man sieht ja, wie glücklich die Menschen jetzt sind. Heute haben mich sogar Leute angerufen, die ich gar nicht kannte. Alle haben sich gefreut. Ich kann nur hoffen und ihm wünschen, dass er die überragende Form aus seinem ersten Jahr wieder erreicht. Und dass er verletzungsfrei bleibt. Said hat sich in den vergangenen Wochen fantastisch verhalten und trotz des Werbens vieler Vereine guten Charakter gezeigt. Er hat weitergemacht und kein Theater veranstaltet. Das ist auch menschlich etwas Besonderes.
Trauen Sie ihm aufgrund seiner Anlagen die ganz große Karriere zu?
Ja, er kann eine große Karriere machen, weil er dieses Talent hat. Er hat sie vielleicht sogar schon gestartet. Aber ich glaube, dass ihm dieses weitere Jahr beim FC einfach guttun wird und der Verein und Spieler davon beide profitieren werden. Ich weiß noch, wie es bei mir war. Ich habe mit 19 Jahren beim FC angefangen, alle Spiele gemacht, bin Nationalspieler und Deutscher Meister geworden. Im zweiten Jahr hatte ich dann eine Phase, in der ich sehr schlecht gespielt habe. Wenn man mit 19 in eine Saison geht, hat man noch nicht die Erfahrung, die man später besitzt. Das kann Said genauso passieren – das kann jedem passieren. Mir ist es ja auch passiert. Aber ich bin davon überzeugt, dass er für den FC unerhört wichtig ist. Wenn wir eine gute Mannschaft zusammenbekommen, hoffe ich, dass er wieder eine genauso gute Saison spielt wie die letzte.

