Der 1. FC Köln hat seinen ehemals komfortablen Vorsprung auf den Relegationsrang komplett verspielt. Lukas Kwasniok muss umgehend einen Ausweg aus der Krise finden, um seinen Job nicht zu verlieren.
Erstes Endspiel an der ElbeWarum die Luft für FC-Trainer Lukas Kwasniok immer dünner wird

Tief in der Krise: FC-Trainer Lukas Kwasniok gehen allmählich die Argumente für eine Weiterbeschäftigung aus.
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Lukas Kwasniok bemühte sich um einen Vergleich aus der Tenniswelt, um den Saisonverlauf seiner Mannschaft bildlich zu beschreiben, und das hörte sich erstmal gar nicht so verkehrt an. „Den ersten Satz in dieser Saison haben wir mit 7:5 gewonnen“, sagte der Trainer des 1. FC Köln in der Rückschau auf den formidablen Auftakt, der den Aufsteiger nach neun Spieltagen mit 14 Punkten auf dem siebten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga führte. Der zweite Satz sei dagegen mit 1:6 verloren gegangen. Eine deutliche Niederlage also, die die miserable Ausbeute ab dem zehnten Spieltag treffend widerspiegelte. Denn zwischen dem 1:3 in Mönchengladbach und dem 0:2 vor einer Woche in Augsburg holten die Kölner nur noch magere zehn Punkte. Es war ein Sinkflug in Zeitlupe, schöngefärbt von einem guten Start.
Das Spiel am vergangenen Samstag gegen Dortmund stellte in Lukas Kwasnioks Bildsprache den Beginn des dritten Satzes dar. „Es steht 0:1, aber es geht bis sechs“, sagte er nach der 1:2-Niederlage. Demnach sei noch alles möglich. „Wir sind voll in der Verlosung, der dritte Satz hat gerade erst begonnen.“ Nun gehe es darum, „in Hamburg zurückzuschlagen, das ist unser Ziel“, erklärte der 44-Jährige vor dem enorm wichtigen Duell beim Mitaufsteiger und direkten Konkurrenten (Samstag, 18.30 Uhr/Sky). Als Kwasniok diese Sätze sagte, war es Samstagabend, und der FC lag immerhin noch zwei Zähler vor dem Relegationsplatz. Einen Tag später war davon nichts mehr übrig. Nach den neuerlichen Punktgewinnen der Konkurrenz ist das Polster vollständig aufgebraucht. Die Kölner stehen als Tabellenvierzehnter so schlecht dar wie noch nie in dieser Spielzeit und rangieren nur noch dank der besseren Tordifferenz über dem Strich.
Im Fußball ist es nicht so, dass du automatisch gewinnst, wenn du kämpfst.
Damit wird insbesondere für den Trainer die Luft immer dünner. Die Partie an der Elbe ist nach nichtmal einem Jahr im Amt ein erstes Endspiel für Lukas Kwasniok. Die Frage, ob er auch am 21. März im Derby gegen Mönchengladbach noch auf der Kölner Bank sitzen wird, dürfte nicht zuletzt von der Art und Weise abhängen, wie sich seine Elf im Volkspark präsentiert. Gehen beide Spiele verloren, wird Kwasniok nicht mehr zu halten sein. Obwohl die Ergebnisse seit längerer Zeit ausbleiben, glaubt der FC-Coach fest daran, das Ruder noch herumzureißen. „Wir werden in Hamburg und gegen Gladbach das gleiche Gesicht zeigen. Dann bin ich absolut überzeugt davon, dass wir das Ding drehen“, sagte der Kölner Trainer nach dem kampfstarken Auftritt gegen den BVB. Er werde seine Mannschaft „mit voller Überzeugung aufrichten“.
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Rückendeckung erhielt er von seinem Kapitän. „Definitiv, für uns steht das gerade nicht zur Debatte“, antwortete Marvin Schwäbe auf die Frage, ob die Mannschaft mit Lukas Kwasniok weiterarbeiten wolle. Stattdessen sieht der Torhüter die gesamte Mannschaft in der Pflicht: „Natürlich würden wir alle gerne weiter oben stehen und ein paar Punkte mehr haben. Am Ende muss jeder sich erstmal an die eigene Nase fassen und gucken, ob er immer alles gegeben hat und zu 100 Prozent da ist.“ Doch Schwäbe weiß ebenso, dass es für die Kölner an der Zeit ist, einen Ausweg aus der immer tieferen Krise zu finden: „Wir sind im Leistungssport, wir wollen Leistung zeigen, aber auch Punkte holen. Jetzt kommen die Mannschaften, wo wir auf Augenhöhe sind, aber auch Punkte holen müssen. Darauf kommt es an.“
Mich stimmt sehr zuversichtlich, dass wir am Ende mit zehn Mann gegen diese Mannschaft so aufopferungsvoll auftreten und eigentlich dafür sorgen, noch einen Punkt mitzunehmen.
Zuletzt liefen die Spiele des FC fast immer nach demselben Muster ab. Die Kölner kämpften mit Hingabe, brachten Topteams in Bedrängnis, verloren aber dennoch. Irgendwann ist das freilich kein Zufall mehr. Acht Punkte aus den zehn Spielen nach der Winterpause sprechen eine deutliche Sprache. „Am Ende“, sagte Kwasniok, „ist Fußball ein Ergebnissport.“ Kämpferisch alles zu investieren, reiche allein nicht aus. „Im Fußball ist es nicht so, dass du automatisch gewinnst, wenn du kämpfst.“ Auch deshalb hörte sich die Antwort von Thomas Kessler wie eine Durchhalteparole an, als der Sportchef erklären sollte, was ihm Zuversicht für die nächsten Spiele verleihe. „Mich stimmt sehr zuversichtlich, dass wir am Ende mit zehn Mann gegen diese Mannschaft so aufopferungsvoll auftreten und eigentlich dafür sorgen, noch einen Punkt mitzunehmen“, sagte der Sportchef nach dem Spiel gegen den BVB in Anspielung auf den nicht gegebenen Elfmeter in der Nachspielzeit.
Für den FC gestaltet sich die Lage auch deshalb so gefährlich, weil die Konkurrenz längst angefangen hat zu punkten. Augsburg hat sich nach dem Trainerwechsel von Sandro Wagner zu Manuel Baum aus dem Abstiegskampf befreit, der HSV könnte mit einem Sieg gegen Köln folgen. Mainz tritt unter seinem neuen Coach Urs Fischer deutlich stabiler auf, und auch in Bremen fängt der Tausch an der Seitenlinie an zu wirken. Daniel Thioune gelang am Sonntag mit dem 4:1 bei Union Berlin der zweite Sieg in Folge. Noch beachtlicher ist die Aufholjagd von St. Pauli, das in den jüngsten fünf Spielen satte neun Punkte auf den FC gutmachte. Die Kiezkicker siegten gegen Stuttgart und Hoffenheim und knüpften Frankfurt zuletzt ein Remis ab. Überraschungen, die den Kölnern nicht gelangen. „Wir wissen, dass wir punkten müssen, wenn wir die Klasse halten wollen“, sagte Thomas Kessler. Das klang wie eine letzte Warnung für Lukas Kwasniok.
