Der Geschäftsführer Marketing & Vertrieb der Kölner über die Zusammenarbeit mit Adidas, Dauerkarten-Wartelisten und den Faktor Said El Mala
FC-Boss Philipp Liesenfeld„Wir werden ein Rekordergebnis präsentieren“

Philipp Liesenfeld, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb des 1. FC Köln
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Mit rund 175.000 Mitgliedern ist der 1. FC Köln der viertgrößte Klub Deutschlands, und Philipp Liesenfeld sieht darin den Beleg für eine besondere Bindung der Menschen an den Verein. Im Gespräch erklärt der Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, warum der Verein mit dem Ostermann-Trikot ein Kölner Thema in den Mittelpunkt stellt, wie er die Eigenvermarktung nach dem Wechsel weg von Infront bewertet und weshalb er den Preis für Sondertrikots trotz Kritik für vertretbar hält. Auch den Umgang mit dem Hype um Said El Mala, die Dauerkarten-Regel für Mitglieder und die Frage eines Stadionausbaus spricht er offen an.
Philipp Liesenfeld, Jahrgang 1986, arbeitet seit 2012 beim 1. FC Köln. Nach Stationen im Marketing leitete er ab 2019 die Unternehmensentwicklung und war an der FC-Strategie beteiligt. Er verantwortete unter anderem das erste „Innovation Game“ eines deutschen Fußballklubs und das Abschiedsspiel von Lukas Podolski. Ab 2022 leitete er die B2C-Vermarktung, seit Mai 2025 ist er Geschäftsführer.
Herr Liesenfeld, das Ostermann-Trikot, mit dem der 1. FC Köln am Samstag gegen Schalke 04 aufläuft, erinnert an den 150. Geburtstag von Willi Ostermann. Warum gerade dieses Thema?
Wir suchen immer nach Themen mit Tiefe und Relevanz. Beim Ostermann-Thema steckt vieles drin: die Stadt, ihre Menschen, die Tradition und der Karneval. Uns war schnell klar, dass wir es größer erzählen wollen, danach folgten Konzept und Zusammenarbeit mit der Ostermann-Gesellschaft. Das Lied „Heimweh nach Köln“ findet sich im Design wieder, die weinrote Farbe passt sehr gut zu uns.
Wie zufrieden sind Sie mit der Resonanz?
Sehr zufrieden. Den Namen Ostermann kennt nicht jede Generation, und die Zielgruppe ist bei einem regionalen Thema spitzer. Verkaufszahlen nennen wir nicht, aber bereits am ersten Tag lagen wir auf Rekordniveau. Vor allem freut uns, wie viele Menschen aus unterschiedlichen Ecken Kölns das Thema gut finden.
Warum die Premiere gegen Schalke und nicht zuvor im Derby gegen Gladbach?
Im Derby wollten wir zu Hause in Weiß spielen, weil es unsere Heimfarbe ist. Die wollten wir in diesem wichtigen Spiel nicht dem Gegner überlassen.
Ist das Trikot auch eine Art Karnevalstrikot?
Für uns steht das Ostermann-Trikot dem Karneval sehr nahe, und die Ostermann-Gesellschaft ist eine Karnevalsgesellschaft. Ein Karnevalstrikot in jedem Herbst ist nicht in Stein gemeißelt. Wir wollen flexibel entscheiden, welches Thema gerade passt. Dass wir mit Adidas kein Karnevalstrikot machen können, ist ein Mythos. Karneval ist Kultur.
Wie viel Einfluss hat der FC gegenüber dem neuen Ausrüster Adidas?
Wir können im Rahmen der Partnerschaft gewisse Elemente bestimmen. Ein globaler Ausrüster versteht Köln nicht automatisch, deshalb wollen wir die Besonderheit des Klubs selbst deuten. Adidas lässt sich darauf ein, und die bisherigen Trikots belegen, dass es funktioniert.
Der Preis von 111 Euro ist hoch. In der Adidas-App ist das Trikot günstiger.
In der App fehlt die Box, die dieses Produkt vervollständigt. Ein Sondertrikot ist zudem aufwendiger veredelt als herkömmliche Trikots, und auch eine Box kostet Geld. Wir wollten es bezahlbar halten, deshalb gibt es für Mitglieder den Preis von 99 Euro. Uns ist bewusst, dass das immer noch sehr viel Geld ist und Trikotpreise sensibel sind. Diese steuern wir allerdings nicht allein.
Wie entwickelt sich die Partnerschaft mit Adidas?
Die Partnerschaft ist strategisch wichtig, weil sie uns nach vorne bringt. Bei Hummel bewegten wir uns auf einem sehr hohen Niveau, und trotzdem hat der Sprung mit Adidas die Erwartungen übertroffen. Bei Teamwear und Kollektionsteilen liegen wir 40 Prozent über dem Vorjahr. Dazu kommen Produkte wie der Samba, Jacken und die Retro-Teile, die besonders gut ankamen.
Deutlich mehr als die Hälfte aller Trikots, die mit einem Spielernamen gekauft werden, tragen seinen Namen.
FC-Jungstar und Neu-Nationalspieler Said El Mala ist vermutlich der Spieler, dessen Name auf den meisten beflockten Trikots steht. Wie groß ist sein Anteil?
Deutlich mehr als die Hälfte aller Trikots, die mit einem Spielernamen gekauft werden, tragen seinen Namen. Wir sind glücklich, einen Spieler im Kader zu haben, mit dem sich die Menschen so sehr identifizieren können. Die Verkaufszahlen nach seiner Vertragsverlängerung und der Vergabe der Nummer 10 sind eine logische Konsequenz dieser Begeisterung.
Haben Sie sich mit der sportlichen Leitung abgestimmt, bevor Sie den Spieler so ins Rampenlicht gestellt haben?
Ja, das haben wir wie immer besprochen. Wir sitzen sehr regelmäßig zusammen, und jeder weiß, was der andere vorhat. Die Kommunikation war mit allen abgestimmt, im Sport wie im Marketing. Der Junge geht gut mit der Aufmerksamkeit um, das hat er schon in der vergangenen Saison gezeigt. Dass sich durch die Nationalmannschaftsberufung und die Nummer 10 in Köln die Wahrnehmung verändert, ist vollkommen normal. Diesen besonderen Moment wollten wir angemessen begleiten..
Manche kritisieren, dass der Klub den Spieler zu stark in Szene gesetzt hat, den Hype selbst fördert.
Wir haben ihn nicht unverhältnismäßig in den Vordergrund gestellt – Neuzugänge oder andere wichtige Personalien werden bei uns in einer ganz ähnlichen Form präsentiert. Eine Entscheidung, bei der alle applaudieren, gibt es nicht. Wir haben abgewogen, was für Klub und Spieler sinnvoll ist. Die Kritik hören wir uns an, aber wenn ich beobachte, wie fokussiert er auftritt und trainiert, spricht nichts dafür, dass die Öffentlichkeit geschadet hat.
Kein Spieler ist größer als der Klub
Was passiert, wenn er den FC verlässt?
Wir vermarkten nicht einen Spieler, sondern den Klub. Kein Spieler ist größer als der Klub. Trikot-Launches und Kampagnen stellen immer mehrere Spieler in den Vordergrund, so machen wir es auch jetzt schon. Den Moment der Vertragsverlängerung haben wir naturgemäß für Said gestaltet, weil er nur ihn betraf. Said zieht Reichweite an, davon profitieren wir, klar. Wir dürfen die Schraube nicht überdrehen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass wir das tun.
Ist das ein neues Phänomen beim FC?
Reichweite wächst nicht über Nacht. Durch die Nationalmannschaftsberufung ist die nationale Aufmerksamkeit größer, aber das bringt uns nicht isoliert auf ein neues Niveau. Unsere Reichweiten entwickeln sich insgesamt gut.

Said El Mala im FC-Sondertrikot zum 150. Geburtstag von Willi Ostermann
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Gibt es Pläne mit den Vereinsikonen Lukas Podolski oder Jonas Hector?
Mit Lukas Podolski stehen wir im regelmäßigen Austausch, und er unterstützt uns immer, wenn wir ihn brauchen. Aktuell ist er mit seinem Klub Górnik Zabrze in Polen stark eingebunden, weshalb es im Moment nichts Konkretes gibt.. Jonas Hector ist Teil des Clubs der Legenden und bei Veranstaltungen dabei. So sind die Mitglieder des Clubs der Legenden um Jonas beispielsweise am Samstag gegen Schalke 04 ins RheinEnergieSTADION eingeladen. Jonas hat neben anderen Legenden auch in unserem Adidas-Video eine zentrale Rolle gespielt.
Wo steht der Klub bei den Mitgliedern?
Wir stehen aktuell bei 175.000 Mitgliedern, damit sind wir der viertgrößte Verein in Deutschland und zählen europaweit zu den Top 10. Eine Zielmarke haben wir derzeit nicht definiert. Wir setzen auf Mitbestimmung: Satzungsforen, ein Ticketing-Forum und Befragungen. Die Mitgliedschaft ist für viele die höchste Form der Verbundenheit zu ihrem Verein. Darüber hinaus bietet sie Mitbestimmung und natürlich die klassischen Mitgliedervorteile.
Was machen Sie mit den Mitgliederdaten?
Die sind ein Schatz, mit dem wir aber sehr behutsam umgehen. Die Datenschutz-Grundverordnung ist zu Recht streng. Wir wollen Mitgliedern Angebote machen, die für sie relevant sind, etwa das Auswärtstrikot statt des Heimtrikots, wenn sie letzte Saison schon das Heimtrikot gekauft haben. Das Ziel ist personalisierte Ansprache statt immer gleicher Angebote, vor allem in unserer App.
Seit Mai 2025 sind Sie Geschäftsführer. Wie läuft die Eigenvermarktung, die im Sommer 2025 begann?
Nachdem ich im Sommer 2025 angefangen habe, ging es im ersten Schritt darum, Strukturen und Prozesse aufzubauen sowie das richtige Personal zu gewinnen, damit wir Aufgaben, die bisher Infront erledigt hat, nach und nach selbst übernehmen können. In diesem Sommer stand dann die erste echte Vermarktungsphase im neuen Konstrukt an, und das Ergebnis war ein großer Erfolg. Wir haben neue Sponsoren dazugewonnen, mit wichtigen Partnern verlängert und gehen nun gut aufgestellt in die Gespräche zu großen Verträgen, die in der nächsten Zeit anstehen. Wir sind bislang sehr zufrieden, und die Partner sind es nach meinem Eindruck auch.
Lohnt sich das im Vergleich zu Infront?
Die Rechnung muss stimmen, sonst hätten wir es nicht gemacht. Die Provision des externen Vermarkters fällt weg, dafür muss man selbst wachsen. Das Ergebnis aus dem Sommer präsentieren wir in der Mitgliederversammlung 2027. Aber eines kann ich schon verraten: Es wird ein Rekordergebnis sein, deshalb war das der richtige Schritt. Die Menschen, die uns vermarkten, sind im Klub verankert und kennen die Besonderheit des Vereins. Ich bin fest überzeugt, dass es besser funktioniert, wenn wir es selbst machen.
Ich wünsche mir, dass die Partnerschaft lange weitergeht
Rewe ist Hauptsponsor und eng mit dem Verein verbunden. Sind Sie an diese Partnerschaft praktisch für immer gebunden?
Nein, aber ich wünsche mir, dass die Partnerschaft lange weitergeht. Sie passt visuell und in den Werten.
Wohin will die Vermarktung?
Vermarktung muss inhaltlicher werden. Eine Bande oder eine Loge zu verkaufen, reicht nicht mehr. Wir müssen Geschichten erzählen und Inhalte digital aufbereiten, deshalb gibt es auch das neue Bandenbild im Stadion. Mein Job ist, möglichst viele Erlöse für Sport und Infrastruktur zu erwirtschaften, denn wir müssen jeden Euro selbst verdienen, weil wir investorenfrei sind. Dazu gehören neue Produkte, eine digitale Plattform, das Stadionerlebnis und ein neuer Hospitality-Bereich. Tradition und Identität müssen davon ungestört bleiben. Es gilt, den Grad der Kommerzialisierung im Blick zu behalten.
Was wäre möglich, wenn der Sport dauerhaft erfolgreich wäre?
Unsere Vermarktungserlöse liegen in der Bundesliga über dem Durchschnitt. Das Ziel ist, dass sportlicher Erfolg und Erlöse parallel funktionieren, und daran arbeiten wir in der Geschäftsführung zu dritt intensiv. Im Vergleich zum Sport ist meine Arbeit besser planbar. Das Potenzial ist groß, wenn beides zusammenkommt. Die Bundesliga ist das Allerwichtigste, denn ohne sie kommt es zu Dellen wie in der Vergangenheit. Wer in der Bundesliga spielt, ist zudem auch gegenüber Partnern und Sponsoren in einer anderen Situation.
Können Sie Schalke bei den Mitgliedern überholen?
Ich glaube, ja. Schalke ist noch ein gutes Stück entfernt, aber unser Standort und die Zahl der Sympathisanten geben es her. Dafür müssen Bundesliga und Wachstum parallel funktionieren.
Der neue Vorstand ist seit rund einem Jahr im Amt. Was hat sich verändert?
Ich hatte mit dem vorherigen Vorstand nur drei, vier Monate als Geschäftsführer zusammengearbeitet. Mit dem neuen Vorstand haben wir einen guten Weg gefunden und klare Ziele vor Augen. Die Rollen sind klar verteilt: Die operative Verantwortung liegt bei der Geschäftsführung, während der Vorstand den Verein repräsentiert und uns als Kontrollgremium sowie wichtiger Sparringspartner eng begleitet.
Die Entscheidung der Mitglieder, Dauerkarten nur an Mitglieder zu vergeben, hat nicht jedem FC-Fan gefallen.
Der Schritt war eng abgestimmt, und die Mitglieder selbst haben in einer Befragung klar gesagt, dass Dauerkarten nicht an Nichtmitglieder gehen sollten. Bei über als 40.000 Menschen auf der Warteliste hatten wir eine gemeinsame Haltung.
Wie gehen Sie mit der Kritik zur Ticketverteilung um?
Bei begrenzter Kapazität und dieser enormen Nachfrage können wir leider gar nicht alle zufriedenstellen, versuchen es aber so fair wie möglich zu gestalten. Wir haben die Zahl der verpflichtenden Spiele für Dauerkarteninhaber angepasst und Kündigungen ausgesprochen, wenn die Dauerkarten nicht ausreichend genutzt wurden. Der Club Sale, über den man seine Karte weitergeben kann, findet gute Resonanz. Dort gibt es bei Heimspielen fast immer noch Karten, die kurzfristig auftauchen, wenn man regelmäßig nachschaut.
Bei 50.000 Plätzen stößt man an Grenzen. Präsident Jörn Stobbe hat offensiv über einen Stadionausbau gesprochen. Waren Sie davon überrascht?
Nein, wir waren auch diesbezüglich intern abgestimmt. Jörn Stobbe verfügt über großen Sachverstand im Immobilienbereich. Die Machbarkeit eines Ausbaus zu prüfen, ist unsere Verantwortung gegenüber den Mitgliedern und Fans.
Bleibt der Standort Müngersdorf unverhandelbar?
Ja, im Klub gibt es dazu eine klare Haltung.
