1. FC Köln unterliegt der Eintracht vor rund 60.000 Zuschauern nach starker erster Hälfte 0:1 – Kapitän Schwäbe beklagt Passivität
FC verliert 0:1 in FrankfurtEnttäuschung am Freitagabend

Enttäuschung bei Marvin Schwäbe und Tom Krauß nach dem 0:1 in Frankfurt.
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Als es vorüber war, standen die Kölner etwas verloren im Untergeschoss des Frankfurter Stadions und trauerten einer vergebenen Gelegenheit nach. „Es ist schwierig zu erklären, heute hat definitiv auch das Glück gefehlt“, sagte etwa Angreifer Marius Bülter. „Wir haben das, was wir uns vorgenommen haben, eigentlich gut umgesetzt.“
Nach starker erster Halbzeit mit vielen Torchancen hatten die Kölner vor knapp 60.000 Zuschauern bei strauchelnden Frankfurtern ihr Niveau nicht halten können. Kapitän Marvin Schwäbe beklagte, dass seine Mannschaft nach dem Seitenwechsel nachgelassen hatte. „Wir sind ein Stück weit passiv geworden, hatte ich das Gefühl“, sagte der Torwart und schickte eine ernste Botschaft an seine Mitspieler: Vor dem 1:0-Siegtreffer des Frankfurter Nationalverteidigers Younes Ebnoutalib hatte vor allem der zuvor eingewechselte Offensivmann Mikey Moore eine schwache Figur abgegeben, Schwäbe sprach von „Begleitschutz“ und davon, dass er Gegentore wie dieses nicht zum ersten Mal in dieser Saison gesehen habe.
Bei allem Ärger unterschlug Schwäbe allerdings nicht, dass für die Kölner ein Punkt in Reichweite gewesen wäre. „Dass wir uns für die erste Hälfte nicht belohnt haben, ist extremst bitter, über weite Strecken hätten wir ein Unentschieden verdient“, sagte er.
Ich fand unsere Abwehr mit Ausnahme der einen Aktion heute sehr scharf. Begleitschutz habe ich nicht gesehen, das hat mit fußballerischer Qualität zu tun
René Wagner brachte es auf den Punkt: „Gutes Auswärtsspiel mit einem scheiß Ergebnis“, schimpfte der Kölner Trainer. Geschäftsführer Thomas Kessler sprach von einem „Fifty-fifty-Spiel“. Die Passivität der Kölner Mannschaft machte er vor allem am Wirken des Gegners fest. „Ich fand unsere Abwehr mit Ausnahme der einen Aktion heute sehr scharf. Begleitschutz habe ich nicht gesehen, das hat mit fußballerischer Qualität zu tun“, sagte der 40-Jährige.
Wagner hatte eine neue Formation gewählt und erstmals in dieser Saison eine Fünferkette aufgeboten. Nach den mäßigen Auftritten des Kölner Innenverteidiger-Duos setzte der Trainer am Freitagabend auf ein Trio: Jahmai Simpson-Pusey und Luka Lochoshvili bekamen in Frankfurt Joel Schmied an die Seite gestellt. „Die Idee hatten wir schon länger. Wir wollten das im Portfolio haben und gerade auswärts auch aus einer tieferen Position verteidigen zu können“, sagte der Coach.
Eintracht-Trainer Adi Hütter reagierte auf das 0:6 in Leipzig mit einer bemerkenswert offensiven Aufstellung: Onyedika, Götze, Doan, Chaibi, Burkardt, Ebnoutalib – der offensichtliche Gedanke: Was könnte besser helfen nach einem Auswärtsdebakel als eine Torflut im folgenden Heimspiel?
Aus einer Flut wurde jedoch nichts, die erste Chance hatten im Gegenteil die Kölner, als Borna Sosa nach 50 Sekunden steil in die Spitze spielte und Marius Bülter fand, der den Ball jedoch nicht an Atubolu vorbeibekam. „Da haben wir Glück gehabt, dass wir nicht schon wieder früh zurücklagen“, sagte Hütter später – ehe seine Pressekonferenz wegen eines Alarms abgebrochen und das Stadion geräumt werden musste. Ein „technischer Fehler“, hieß es in der Durchsage. Die Feuerwehr rückte an und bald wieder ab. Es war das seltsame Ende eines unglücklich verlaufenen Kölner Fußballabends.
Die Idee hatten wir schon länger. Wir wollten das im Portfolio haben und gerade auswärts auch aus einer tieferen Position verteidigen zu können
Die Anfangsphase überstand der FC ohne Schwierigkeiten. Auch die zweite echte Torszene des Spiels hatte Köln, als Sosa einen Freistoß an den ersten Pfosten schlug und Bülter den Fuß in die Flugbahn hielt, Atubolu jedoch erneut stark parierte. Köln stand stabil und fand immer wieder Momente in der Offensive. Sebulonsen versuchte einen Volleyschuss, kurz darauf hätten sich die Frankfurter nicht beklagen können, wenn sie in Unterzahl geraten wären. Erst setzte Lilian Brassier im Luftduell mit Lochoshvili den Ellbogen ein und traf den Kölner Verteidiger hart, wofür er Gelb sah. Momente später bewarb er sich um den Preis für den dümmsten Platzverweis der Saison, als er den noch am Boden liegenden Georgier mit beiden Händen abseits des Balls in den Rücken stieß. Eigentlich Gelb-Rot.
Zur Pause stand es 0:0 – ein gerechter Zwischenstand, wenngleich die Kölner mit einer besseren Chancenverwertung gut hätten führen können – etwa durch Said El Mala, der in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs noch Onyedika davongelaufen war, das Tor aus 15 Metern jedoch deutlich verfehlt hatte.

René Wagner bedankt sich bei den mitgereisten FC-Fans in Frankfurt.
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Nach dem Seitenwechsel zeigten sich die Frankfurter klar verbessert, während Köln Schwierigkeiten offenbarte, Gegenstöße zu inszenieren. Lange Bälle verhungerten in Serie weit vor der Mittellinie, so gelang es den Gästen nie, sich zu befreien. Ebnoutalib hatte mehrere Gelegenheiten, in der 55. Minute musste Schwäbe nach einer Ecke und Brassiers Kopfball dann einen starken Reflex zeigen. Die letzte Linie bei Köln stand allerdings noch stabil – bis Schmied in der 68. Minute verletzt vom Platz musste. In der 77. Minute nahm das Unheil seinen Lauf. Moore fühlte nicht zuständig, Aseko tupfte den Ball überragend zu Ebnoutalib in den Strafraum, der Nationalstürmer traf ins kurze Eck. Ein starker Abschluss, wenngleich die reine Lehre verlangt, dass Torhüter das kurze Eck immer unter Kontrolle haben müssen.
Kessler betonte später die guten Phasen im Kölner Spiel; die Chancen der ersten Halbzeit, eine im Vergleich zu den vorausgegangenen Partien verbesserte Abwehrleistung. Trotz der Niederlage sah er eine Entwicklung – jedoch mit deutlichem Schönheitsfehler: „Am schönsten sind die Prozesse immer dann, wenn du auf diesem Weg auch Punkte mitnimmst.“
Frankfurt: Atubolu - Collins (71. Knauff), Koch, Brassier, Kosugi - Onyedika, Götze (71. Aseko), Doan, Chaibi - Burkardt (82. Baum), Ebnoutalib. – Köln: Schwäbe - Schmied (68. Castro-Montes), Simpson-Pusey, Lochoshvili - Sebulonsen (84. Waldschmidt), Jóhannesson (68. Okon-Engstler), Krauß, Sosa - Bülter, Maina (68. Moore) - El Mala (84. Heskey); Schiedsrichter: Brand (Unterspiesheim); Tor: 1:0 Ebnoutalib (77.); Zuschauer: 59.600.
