Jahmai Simpson-Pusey über die Ansprüche des 1. FC Köln, die Arbeit mit Pep Guardiola und seine Freundschaft zu Reigan Heskey
FC-Verteidiger Jahmai Simpson-Pusey„Wir können uns höhere Ziele setzen“

Jahmai Simpson-Pusey im Training während der Saisonvorbereitung
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Herr Simpson-Pusey, erinnern Sie sich noch an Ihr Debüt für den 1. FC Köln im Schnee von Heidenheim? Sie waren damals gerade von Celtic Glasgow nach Köln gewechselt, ins Trainingslager nach Spanien gereist und von dort direkt zum Spiel.
Es war mein erstes Spiel nach einer Weile, also war ich schon ein bisschen... nicht nervös, aber ich habe mich gefragt: Wie wird es laufen? Ich war froh, dass ich von Anfang an gespielt habe – Spielzeit war mein Hauptziel. Man kommt neu rein, will zeigen, was man kann, und dann hofft man einfach, dass man die Chance bekommt. Die habe ich bekommen. Aber das ist eben auch mein Stil. Ich glaube, da sieht man das Beste von mir – wenn ich einfach spielen kann, ohne groß nachzudenken.
Woher kommt diese Ruhe – in so einem Alter, unter so schwierigen Umständen? Sie haben die ersten Bälle für Köln mit der Sohle gespielt – im Schnee.
Das bin einfach ich. Je gestresster ich bin, desto schlechter spiele ich – das habe ich über die Jahre gelernt, oder eigentlich habe ich es immer gewusst. Auch wenn ich zu Beginn dieses Spiels ein bisschen angespannt war, weil ich noch nicht wirklich wusste, wie die Mannschaft spielt, wie die Jungs ticken, spiele ich einfach, wie ich immer spiele. Für mich persönlich war das übrigens nur ein mittelmäßiges Spiel, wenn ich ehrlich bin. Ich weiß, dass ich viel besser sein kann. Aber als Wiedereinstieg war es okay.
Sagen Sie sich das bewusst? „Bleib ruhig!“
Nein, nein – das ist inzwischen meine zweite Natur. Das passiert einfach. Außerdem macht mir diese Spielweise wirklich Spaß. Ruhig zu spielen, in den Kopf des Gegners zu kommen, ihn fast zu nerven.
Sie haben zwölf Jahre in der Akademie von Manchester City verbracht – beinahe Ihr ganzes Leben. Wie war das?
Mein ganzes Leben, ja, wirklich. Es war das Beste, was ich mir vorstellen kann. Ich hatte früh die Wahl zwischen verschiedenen Klubs, das ist schon eine komische Situation für ein Kind. Aber die Struktur bei City, das Gefühl dort – das war einfach klar. Als Kind lernst du dort das Spiel von Grund auf, du wiederholst alles zigmal, Tag für Tag, du wirst zum Top-Spieler entwickelt, mit und ohne Ball. Es geht nicht nur ums Kicken – es geht darum, wer du als Spieler sein möchtest, wie du denkst. Ich habe es wirklich genossen.
Sie hatten Einsätze bei der ersten Mannschaft, unter Pep Guardiola, dem besten Trainer der Welt, würden viele sagen.
Definitiv der Beste, keine Frage. Als ich mein Debüt gegeben habe, habe ich wirklich nicht erwartet zu spielen – und dann sehe ich meinen Namen auf der Tafel. Da hat man schwitzige Hände – ich meine: Das ist Pep Guardiola, das ist die erste Mannschaft von Manchester City. Da ist man dann nicht mehr entspannt. Aber auf dem Platz, nach den ersten paar Pässen, hat sich alles gelegt und ich war in meinem Rhythmus. Das Ergebnis war nicht das Beste, aber ich persönlich habe ein gutes Spiel gemacht – und das hat er mir danach dann auch gesagt. Und er ist kein Typ, der einfach lobt, weil er nett sein will. Er sagt dir genau, ob du gut warst oder schlecht. Deshalb hat mir das so viel bedeutet. Eine Erfahrung fürs Leben, das ist doch das Ziel, wenn du in so einer Akademie aufwächst – du willst für diesen Verein spielen, du willst das Trikot tragen. Das habe ich gedurft. Dafür bin ich dankbar.
Dann der Abschied – war das schwierig?
Eigentlich nicht. Ich sehe das als Kapitel, als einen Teil meiner Geschichte, das abgeschlossen ist. Das Leben ist eine Reise – am Ende geht jeder seinen Weg. Der FC ist eine Chance für mich – du musst weitergehen und nach vorne schauen.
Diese Professionalität mit 20 Jahren – ist das etwas, das man bei City lernt?
Ja – definitiv lernt man das dort. Professionalität steht ganz oben auf der Liste. Du repräsentierst einen der größten Klubs der Welt – das verpflichtet, das ist das Mindeste, was erwartet wird, von Tag eins an. Ganz viel habe ich auch von meiner Familie mitbekommen. Es hängt viel davon ab, im richtigen Umfeld aufzuwachsen, die richtigen Menschen um sich zu haben und jeden Tag zu lernen – von den anderen Spielern, von den Trainern, von allen. Das formt dich.
Er ist sehr verständnisvoll – das ist das Erste, was mir einfällt. Er weiß, dass nicht alle gleich sind, dass nicht jeder denselben Weg gegangen ist, denselben Hintergrund hat. Manche Trainer wollen, dass alle gleich funktionieren, alle nach demselben Schema. René nicht – er sieht die Person hinter dem Spieler
Könnte der FC ein Sprungbrett zurück in die Premier League sein? Ist das womöglich der Plan?
Es ist nie einfach vorherzusehen, was die Zukunft bringt, besonders im Fußball. Ich will mich hier beweisen und so gut in der Mannschaft und im Klub ankommen, sodass der FC meine neue Heimat wird. Meine Priorität ist es, mich auf den FC zu konzentrieren, dem Team zu helfen und der beste Spieler zu sein, der ich sein kann.
René Wagner hat von einem Führungsteam im Kader gesprochen. Sehen Sie sich als Kandidat auf eine Führungsrolle?
Grundsätzlich glaube ich schon, dass ich das in mir habe. Aber im Moment sehe ich noch Themen, an denen ich arbeiten muss. Da bin ich ehrlich zu mir selbst. Ich bin ein ruhiger Typ, kein klassischer Leader – das ist einfach nicht meine Art. Trotzdem kann ich einen Beitrag leisten – und meine Ruhe auf dem Platz womöglich auf die Mannschaft übertragen. Das ist meine Art von Führung, eher ein stiller Einfluss. Für die klassischen Rollen im Team gibt es sicher Jungs, die dafür mehr in Frage kommen. Aber vielleicht kommt das noch, ich bin ja auch noch ein junger Spieler.
Was macht ihn als Trainer aus?
Er ist sehr verständnisvoll – das ist das Erste, was mir einfällt. Er weiß, dass nicht alle gleich sind, dass nicht jeder denselben Weg gegangen ist, denselben Hintergrund hat. Manche Trainer wollen, dass alle gleich funktionieren, alle nach demselben Schema. René nicht – er sieht die Person hinter dem Spieler. Er hat hohe Erwartungen, keine Frage, aber er weiß, wie er mit wem umgeht. Was er einem Spieler sagt, sagt er nicht unbedingt so auch dem anderen – weil er weiß, dass das nicht funktioniert. Das ist eine wirklich große Qualität, die nicht jeder hat. Und er ist auch als Mensch einfach top – du kannst auch über nicht-fußballerische Dinge mit ihm reden, einfach so. Das schätze ich sehr.

Jahmai Simpson-Pusey beim Gespräch mit dieser Redaktion
Copyright: IMAGO/Jan Huebner
Wie empfinden Sie die Vorbereitung?
Sehr intensiv. Wir laufen sehr, sehr viel – ich dachte manchmal, sind wir hier bei einem Laufverein? (lacht) Aber das Level ist gut. Alle kämpfen um ihren Platz, jeder gibt sein Maximum, keiner lehnt sich zurück. Das ist genau das richtige Umfeld, weil du weißt: Wenn du nachlässt, ist jemand anderes bereit. Das pusht dich.
Welche Rolle haben Sie gespielt, Reigan Heskey von Manchester City nach Köln zu bringen?
Reigan ist wie Familie für mich, wir kennen uns unser ganzes Leben. Ich habe ihn nicht groß überredet oder Druck gemacht – das wäre auch nicht meine Art, gerade bei jemandem, der mir so nahe ist. Ich habe ihm erzählt, wie es in Köln ist, was der Verein bedeutet, was ich glaube, was er hier leisten kann. Aber am Ende habe ich ihm klar gesagt: Es ist deine Entscheidung, und nur deine. Er hatte viele Optionen, er hätte überall hingehen können. Er hat sich für Köln entschieden – und ich glaube, das war die richtige Wahl. Er wird hier großartige Dinge tun.
Kannten Sie den 1. FC Köln überhaupt, bevor das Interesse kam?
Den Verein ja, klar – aber nicht alles dahinter, nicht die Geschichte, nicht was der Klub für die Stadt bedeutet. Das habe ich erst wirklich verstanden, als das Interesse konkreter wurde und ich angefangen habe, zu recherchieren. Youtube, Internet, alles – über den Verein, über die Stadt, über die Fans. Aber ich hatte ehrlich gesagt kaum Zeit dafür. Es ging so schnell: Einen Tag war ich noch bei Celtic, am nächsten saß ich schon im Flieger nach Köln. Und dann direkt nach Spanien ins Trainingslager.
Was ist in der nächsten Saison möglich für den 1. FC Köln?
Das kann ich nach zwei Wochen Vorbereitung noch nicht wirklich beurteilen. Aber die Mentalität in der Mannschaft ist schon eine andere als am Ende letzter Saison, das spürt man. Wir sind nicht gut rausgekommen damals – damals ging es nur ums Überleben, ums Drinbleiben, das kostet Energie. Jetzt können wir uns höhere Ziele setzen. Weg vom Tabellenende, Schritt für Schritt nach oben. Das ist das Ziel – und ich glaube, die Einstellung dafür ist da.
