Nach dem wackligen Pokalerfolg in Würzburg sind die Fans des 1. FC Köln vor dem Bundesligastart gegen Hoffenheim in Sorge, doch Trainer René Wagner gibt sich gelassen
FC vor Bundesliga-AuftaktZwischen Schock und Hoffnung

René Wagner mit seinem Assistenten Kevin McKenna beim Test gegen Real Sociedad
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Das Pokalspiel des 1. FC Köln beim Drittliga-Aufsteiger Würzburger Kickers hat Schockwellen durch das Rheinland geschickt. Und das, obwohl der Bundesligist nach langem 0:1-Rückstand noch 2:1 siegte. Ein klassisches Erstrundenspiel, in dem sich der klassenhöhere, noch nicht im Rhythmus befindliche Verein schwertut, gewinnt und die Aufgabe rasch abhakt.
Was in Würzburg auffiel, war die Deutlichkeit, mit der dem FC anzusehen war, wie unfertig die Mannschaft noch ist. Die Kölner Wanderbaustelle, die in Franken auftrat, sorgte nach den langen Wochen der Vorbereitung für Nervosität bei den Fans. Zumal die Bilanz des Trainers im vergangenen Saisonfinale – nur ein Sieg aus sieben Bundesligaspielen – ohnehin dafür sorgt, dass René Wagner ungewöhnlich kritisch beobachtet wird. Der öffentliche Kredit des Trainers ist gering. Gleichwohl fällt auf: Je tiefer man in den Klub hineinhört, je mehr man mit Menschen spricht, die Einblicke beim 1. FC Köln haben – desto größer ist dort die Überzeugung.
Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gastiert die TSG Hoffenheim zum Bundesliga-Auftakt in Müngersdorf. Eine Partie, die den FC vor gänzlich andere Aufgaben stellen wird. „Ich glaube, dass die Hoffenheimer mit einer anderen Idee auf uns zukommen werden. Da werden wir andere Lösungen finden müssen als gegen Würzburg“, blickt Wagner voraus. Der Sieg im ersten Pflichtspiel sei wichtig gewesen, dennoch habe man in der Analyse die „ein, zwei Themen“ benannt, „die wir wieder bearbeiten müssen“.Jenseits des Taktischen offenbarten die Kölner ein offensichtliches sowie ein womöglich nur gefühltes Arbeitsfeld. Zum einen arbeitet der Klub weiterhin am Kader. Der Wechsel des englischen Ausnahmetalents Mikey Moore stockt: Der 19-Jährige stand am Mittwochabend im Pokalspiel gegen Charlton Athletic (5:1) in der Startelf von Tottenham Hotspur und traf sehenswert zum 1:0. „Er brachte das Spiel mit einem Moment der Magie ins Rollen und blickte danach nicht mehr zurück. Zeigte eine überragende Körperstärke und enge Ballführung, wand sich an Gegenspielern vorbei, stellte die Verteidiger vor große Probleme und war letztlich Tottenhams größte offensive Gefahr“, schrieb der „Standard“ in seiner Einzelkritik.
Wenn wir jetzt noch ein oder zwei Spieler dazubekommen, freuen wir uns. Wir haben die klare Überzeugung, dass wir mit dieser Mannschaft die Klasse halten werden
Nach dem Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag der vergangenen Saison scheint es fast verrückt, dass die Spurs ein solches Talent abgeben könnten. Doch die Kölner Chancen auf eine Leihe des Angreifers gelten weiterhin als intakt: Tottenham setzt lieber auf zugekaufte Stars als auf einen Mann aus dem eigenen Nachwuchs. Das jedenfalls ist die Hoffnung der Kölner Kaderplaner. „Der Kader, der da ist, ist bundesligatauglich“, sagte Wagner zum Stand der Arbeiten. „Wenn wir jetzt noch ein oder zwei Spieler dazubekommen, freuen wir uns. Wir haben die klare Überzeugung, dass wir mit dieser Mannschaft die Klasse halten werden.“
Die zweite Baustelle schien sich am Montagabend aufzutun, als gleich mehrere FC-Profis nach 75 Minuten Pokalfußball am Ende ihrer Kräfte wirkten, darunter Abwehrchef Luka Lochoshvili und Said El Mala; auch Gideon Mensah humpelte vom Platz. Wenn René Wagner zuletzt nach seiner Spielidee gefragt wurde, sprach er regelmäßig davon, mit maximaler Intensität auftreten zu wollen. Dem 38-Jährigen liegt viel daran, an Fitness und Intensität zu arbeiten. Entsprechend gestaltete er die Vorbereitung. Er habe das Gefühl, „in einem Laufverein“ gelandet zu sein, sagte Abwehrspieler Jahmai Simpson-Pusey im Trainingslager in Kitzbühel; noch nie habe er derart hart trainiert.

Said El Mala hatte es in Würzburg in der ersten Pokalrunde schwer.
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Die Woche vor dem Pokalspiel sei inhaltlich mit einer letzten Vorbereitungswoche vergleichbar gewesen, wie Wagner mitteilte; Würzburg war damit kein abschließender Test, sondern das Ende des Sommertrainings. „Man möchte natürlich mit voller Seriosität in das Spiel gehen, und das haben wir auch getan. Dennoch werden noch mal Umfänge gefahren, die vielleicht so in einer normalen Woche vor einem Bundesligaspiel stattfinden würden“, beschrieb der Trainer.
Offenbar sind Wagner und seinen Athletiktrainern mit ihren Datenmassen keine schwerwiegenden Steuerungsfehler unterlaufen; es ist also zu hoffen, dass die Kölner Mannschaft gegen Hoffenheim ihrem Leistungsmaximum näher kommt als am Montag. Man habe die Leistungen gegen Würzburg analysiert: „Jetzt schauen wir, dass wir die Jungs genau so fit machen, dass sie in der Bundesliga Leistung bringen können.“
Folgen hatte Würzburg jedenfalls nicht: Der FC hat keine neuen Verletzten zu beklagen. Allerdings wird Luca Waldschmidt weiter ausfallen. Der Mittelfeldspieler hatte im Test gegen Paderborn ein Ziehen im Muskel gespürt, das er schon aus den Trainingseinheiten der Vorwoche kannte. Aus Sicherheitsgründen habe man daher „zwei Wochen Reha investiert“, damit Waldschmidt in der nächsten Woche wieder angreifen könne.
Rechtsverteidiger Sebastian Sebulonsen fällt mit seiner Muskelverletzung dagegen wohl noch länger aus. Wagner rechnet eher nach als vor der Länderspielpause mit der Rückkehr des Norwegers. Linton Maina dagegen wird nach seinem Schreck im Training spielen können. „Er hatte einen Schlag aufs Schienbein bekommen, das tat sehr, sehr weh. Aber jetzt ist wieder alles okay. Sah schlimmer aus, als es war“, sagte Wagner mit leichtem Lächeln.
Ellyes Skhiri ist zum FC zurückgeholt worden, um im besten Fall jedes Spiel zu bestreiten. Am Samstag wird es aber wohl noch nicht für einen Einsatz in der Startelf reichen. „Wir wollen aufpassen, dass wir ihn nicht zu früh in ein Spiel reinschmeißen, in dem er vielleicht über 90 Minuten gehen muss. Ich glaube, das könnte einen Zacken zu früh für ihn kommen. Vielleicht können wir am Wochenende mit einem längeren Einsatz rechnen, und dann schauen wir, dass wir ihn relativ schnell für die Startelf zur Verfügung haben“, so Wagner.


