Kapitän in der KriseFlorian Kainz sucht weiter nach seiner Rolle in der FC-Offensive

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FC-Profi Florian Kainz reibt sich auf dem Platz über die Stirn.

Große Frustration: FC-Profi Florian Kainz bei der Heimniederlage gegen Werder Bremen.

Auch nach dem Trainerwechsel läuft Florian Kainz seiner Form hinterher. Er erlebt ein denkbar schwieriges erstes Jahr als FC-Kapitän.

Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass Florian Kainz das Ende eines Spiels auf dem Rasen erlebt hat. Der letzte Einsatz des Kapitäns von Fußball-Bundesligist 1. FC Köln über die vollständige Distanz liegt mehr als drei Monate zurück. Beim jüngsten 0:1 gegen den SV Werder Bremen wurde Kainz sogar zum zweiten Mal in Folge als erster Spieler seiner Mannschaft vom Feld genommen. Erneut war das Spiel an ihm vorbeigelaufen. Mit 48 Ballkontakten war Kainz kaum eingebunden. Obendrein agierte er zu ungenau, brachte nur 76 Prozent der Pässe an den Mann. Seine Auswechselung nach 68 Minuten gegen den deutlich auffälligeren Youngster Justin Diehl war folgerichtig.

Damit sucht der österreichische Nationalspieler weiter nach seiner Rolle in der Kölner Offensive, in der er in den vergangenen Jahren noch zu den beständigsten Akteuren zählte. Nur vier Torbeteiligungen Dabei hatte es zunächst danach ausgesehen, dass Florian Kainz unter der Anleitung von Timo Schultz zu alter Form zurückfinden würde. Im ersten Spiel des neuen FC-Trainers glänzte er als Vorlagengeber zur 1:0-Führung gegen den 1. FC Heidenheim (1:1). Die Rolle als frei bewegliche zweite Spitze neben Stoßstürmer Davie Selke schien ihn zu beflügeln.

Der gelernte Linksaußen zeigte nicht nur bei der Vorbereitung von Selkes Treffer jenen Spielwitz, den man von ihm aus unbeschwerten Zeiten gewohnt war. Die Fußverletzung Selkes machte einem weiteren Zusammenspiel vorerst jedoch einen Strich durch die Rechnung. Seither agieren die Kölner in ihrer personellen Not mit dem eigentlichen Außenangreifer Jan Thielmann als Sturmspitze. Kainz rutschte wieder zurück – und verlor an Einfluss, obwohl er das Spiel aus der Zentrale heraus lenken sollte.

Er lebt davon, dass wir es als Mannschaft schaffen, organisierter ins letzte Drittel zu kommen und ihn immer wieder zwischen den Linien anzuspielen. Dort kann er seine größten Stärken einbringen.
FC-Trainer Timo Schultz über Florian Kainz

„Florian Kainz hatte einen wirklich sehr guten Start in die Rückserie mit Topleistungen“, resümierte Timo Schultz, der über eine klare Vorstellung verfügt, wie sein Kapitän wieder stärker in das Angriffsspiel integriert werden soll: „Er lebt davon, dass wir es als Mannschaft schaffen, organisierter ins letzte Drittel zu kommen und ihn immer wieder zwischen den Linien anzuspielen. Dort kann er seine größten Stärken einbringen.“ Nur: Sowohl gegen die TSG Hoffenheim (1:1) als auch gegen Bremen gelang dies maximal in Ansätzen. Der FC erlebte nach dem überzeugenden 2:0-Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt einen Rückfall in jene Harmlosigkeit, die über die gesamte Spielzeit betrachtet zum Absturz in den Tabellenkeller führte. 15 Tore in 22 Spielen stellen den schwächsten Wert der Liga dar.

Timo Schultz weiß: Damit der Klassenerhalt gelingt, müssen als Leistungsträger eingeplante Spieler wie Florian Kainz wieder in eine Führungsrolle schlüpfen. Aus diesem Grund stärkte der FC-Coach seinem ausgerechnet im Jahr der Europameisterschaft in Deutschland kriselnden österreichischen Auswahlspieler kürzlich demonstrativ den Rücken: „Grundsätzlich bin ich mit ihm sehr zufrieden. Er ist auch im Training jemand, der immer wieder etwas anbietet und vorneweg geht, um gerade auch die jungen Spieler mitzunehmen. Daher können wir froh sein, einen Florian Kainz zu haben“, lobte Schultz, der weiter große Stücke auf seinen Spielführer hält: „Ich bin mir sicher, dass er in den nächsten Spielen viele gute Situationen haben und vielleicht auch ein paar Scorerpunkte sammeln wird.“

Bislang brachte es der einstige Unterschiedsspieler auf lediglich vier Torbeteiligungen. Letztes Jahr waren es noch 16 – obwohl er auch da selten durchspielte. Keine Frage: Die Krise des 1. FC Köln ist auch eine Krise von Florian Kainz, der als Nachfolger von Club-Legende Jonas Hector ein denkbar schwieriges erstes Jahr als FC-Kapitän erlebt.

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Huseinbasic vor Debüt für Bosnien Der 1. FC Köln darf sich wohl schon bald über einen neuen A-Nationalspieler freuen: Denis Huseinbasic (22) hat sich dazu entschieden, auf internationaler Ebene zukünftig für Bosnien-Herzegowina, das Heimatland seiner Eltern, aufzulaufen. Das teilte der bosnische Verband am Mittwoch mit. Demnach habe die Fifa-Kommission für den Status von Spielern einem Antrag von Huseinbasic und des bosnischen Verbandes „stattgegeben, seine Sportbürgerschaft zu ändern“.

Die Bosnier, die sich noch über die Playoffs für die Europameisterschaft in Deutschland qualifizieren können, hatten sich bereits in der Vergangenheit intensiv um die Dienste des im hessischen Erbach geborenen Mittelfeldspielers bemüht. Nach seinem Wechsel vom Regionalligisten Kickers Offenbach zum FC im Sommer 2022 war Huseinbasics Wahl zunächst jedoch auf die deutsche U21-Nationalmanschaft gefallen. (tca)

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